150 Jahre TASPO: ein Glücks-Kind aus dem Ruhrgebiet

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Günter Nettesheim betrachtet die Bilder seiner drei Gärten. Foto: Iris Anger

Zum 150-jährigen Jubiläum der TASPO werfen wir einen Blick auf das bewegte Leben eines unserer Leser. Günter Nettesheim ist längst im Ruhestand, aber kann das „Buddeln“ nicht lassen.

Frust, Sich-Hängenlassen, den Kopf in den Sand stecken – das kennt Günter Nettesheim nicht. Einmal ist dem inzwischen 81-jährigen gelernten Staudengärtner aus Essen sein Betrieb abgebrannt, zweimal musste er seinen selbst angelegten Schaugarten räumen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Trotzdem sagt der fidele Garten- und Landschaftsbauer: „Ich habe immer Riesenglück gehabt“.

Besonders als er 1952 seine Lehrzeit in der Staudengärtnerei von Hermann Helfert in Duisburg-Meiderich antrat. „Mein Chef hat großen Wert auf mein Tagebuch gelegt. Wichtig war ihm, dass ich immer mit derselben Tinte geschrieben habe“, erinnert sich Günter Nettesheim, als er uns während der Internationalen Pflanzenmesse in Essen in diesem Jahr aufsuchte, „es gab sogar ein Vorschreibe-Tagebuch, in dem ich eine erste Version hinterlegen musste, die er dann korrigierte“.

Beim Vater des TASPO Chefredakteurs gelernt

Wir vermuten, dass Hermann Helfert diese Leidenschaft für eine saubere deutsche Rechtschreibung nicht nur seinen Lehrlingen versucht hat zu vermitteln, sondern auch sein Sohn Walter sich diesem Faible seines Vaters nicht entziehen konnte. Das führte dann letztendlich 1970 dazu, dass Walter Helfert – und hier schließt sich der Kreis zur TASPO – Chefredakteur der TASPO wurde und es bis 1980 blieb.

Kein Wunder also, dass Günter Nettesheim in seinem Lehrbetrieb auch die erste TASPO Ausgabe in die Hände fiel. Sie wurde aber damals zugegebenermaßen nicht zu seiner Lieblingslektüre. Hatte er doch anderes zu tun, beispielsweise auf den Herbst- und Frühjahrsbörsen mitzuhelfen, die Stände aufzubauen.

Nach seiner Lehrzeit zog es Nettesheim in diverse Baumschulen und Landschaftsbau-Betriebe rund um das Ruhrgebiet und im Bergischen, er übernahm die Führung der Junggärtner in Essen, die 1969 als eine der ersten Junggärtner-Gruppen an der Bundesgartenschau in Dortmund teilnahm – und gleich einen Ehrenpreis einheimste.

Im Straßenbau Puzzlen mit Naturstein geübt

Ein halbes Jahr hat Nettesheim in den 60er-Jahren auch im Straßenbau gearbeitet, „einfach, um den Umgang mit Naturstein zu lernen, der damals noch vornehmlich eingesetzt wurde. Da habe ich viel gelernt beim Puzzeln mit Naturstein“.

1964 machte er sich dann schließlich selbstständig und kümmerte sich vor allem um die Pflege seiner Kunden-Gärten. „1981 habe ich dann auch die TASPO abonniert, weil ich als kleiner Betrieb einfach eine Informationsquelle brauchte. Wir haben ja immer gearbeitet und kamen nicht raus aus dem Betrieb. Die TASPO hat uns die Infos nach Hause gebracht.“

Schon sehr früh war Nettesheim auch klar, was er mit den Pflanzen machen wollte, die zurück von den Baustellen kamen: „ Die habe ich in eine 400 Quadratmeter große Schaufläche gepflanzt, schön gestaltet und angelegt“, erzählt er stolz von den Anfängen seines Hobbys, das gleichzeitig sein Beruf ist: Garten- und Parkgestaltung und -pflege. Aber die Freude dauerte nicht lange, da musste er sein Betriebsgelände räumen, weil es verkauft wurde.

Vintage-Bank begleitete ihn durch alle Gärten

Ein Betriebsgelände war schnell wieder gefunden. Auch für den Schaugarten bot sich eine Fläche an anderer Stelle an. „Also haben wir alle Pflanzen und Gehölze ausgegraben, alle Pflasterflächen wieder abgebaut und im Pflanzenpark Nettesheim wieder eingepflanzt und eingebaut“, erzählt der energiegeladene Nettesheim gegen den Lärm in den Messehallen an. Sein guter Kontakt zu einem seiner Kunden hatte ihm die einstige Obstwiese auf einem Restbauernhof beschert.

„Viel Arbeit“, gibt er zu, „es hat vier Jahre gedauert, bis der Park so war, wie ich ihn wollte. Nun immerhin war er auch 4.000 Quadratmeter groß“, sagt er fast entschuldigend und blättert erinnerungsschwelgend in einem Fotobuch, das ihm seine Tochter zusammengestellt hat: „Hier die Bank, die habe ich von Anfang an immer in allen Gärten dabei gehabt“, zeigt er auf ein klassisches Modell, das die Verwitterungsspuren nicht verbergen kann. Klarer Fall von Vintage.

Und der nächste Schlag stand bevor: Der Resthof wurde 2012 verkauft und Günter Nettesheim zum zweiten Mal „vertrieben“. Aber anstatt nun wirklich einmal die Füße hochzulegen – „das kann ich nicht“, so sein Kommentar“ – gestaltet er nun seit 2015 das ehemalige Gelände des Berufsbildungszentrums für Gartenbau in Essen um.

Jeden Tag mehrere Stunden Arbeit trotz Ruhestand

Das kann er kostenlos nutzen, musste nur anfangs erst einmal die Kettensäge sprechen lassen, damit seine Stauden Platz fanden. 3.500 Quadratmeter hat er sich dort vorgenommen, arbeitet „jeden Tag fünf bis sechs Stunden“ in seinem neuen Park und vermutet: „Dieses Jahr könnte ich fertig werden.“

Was er vom „modernen“ Gartenbau der heutigen Zeit hält? „Ich schaue natürlich aus Sicht der Stauden. Hier wird ja vornehmlich schnelle Ware für den Verkauf im Gartencenter produziert. Als wir vor Jahrzehnten den Auftrag für einen Garten in Kamp-Lintfort bekamen, haben wir erst mal angefangen, die Stauden zu vermehren. Heute wird der Anbieter gesucht, der sofort die Ware nach Wunsch stehen hat.“

 

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