150 Jahre TASPO: erste Quelle für Gärtner

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Joachim Jeß ist seit vielen Jahren Leser der TASPO. Foto: privat

Die Gärtnerei Teege am ersten Betriebsstandort in Lübeck ...

... und am heutigen Standort Steinrader Damm 80.

150 Jahre wird die TASPO in diesem Jahr. Viele von Ihnen – unseren Lesern – blicken ebenfalls auf eine bewegte Geschichte zurück. Wir sind auf spannende, historische Geschichten gestoßen, die oftmals gar nicht so weit von unserer heutigen Zeit entfernt sind. Einer der langjährigen TASPO-Leser ist Joachim Jeß. 

„Mein Vater fragte immer auf Plattdeutsch nach ‚dat geele Blatt‘, wenn er die TASPO suchte“, erinnert sich der ehemalige Inhaber der Gärtnerei Teege in Lübeck. Das gelbe Blatt – so wurde die TASPO nach dem 2. Weltkrieg von nicht wenigen Gärtnern genannt, da die Zeitung für den Gartenbau in ihren Nachkriegsanfängen auf gelbem Papier gedruckt wurde.

Gärtner gingen damals auf Wanderschaft

Das gelbe Blatt hat Jeß „mein Leben lang begleitet“. Er klingt euphorisch, wenn er im Zusammenhang mit seinem Ausbildungsbeginn 1954 von der Bedeutung der TASPO erzählt. „Man fand dort alles, was man brauchte, das Größte für mich war der Stellenmarkt.“ In jenen Jahren „gingen wir Gärtner auf Wanderschaft, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber suchten mit Anzeigen in der TASPO, so habe ich auch meine Stelle im Kempten bekommen“, weiß er noch heute, als sei es erst gestern geschehen.

Für Joachim Jeß war die TASPO die führende, umfassende Quelle für wesentliche Informationen. „Es ist ja viel passiert damals. Technische Innovationen, die Forschungsergebnisse der Lehr- und Versuchsanstalten, die Sortenexplosion im Pflanzensektor, neue Kulturformen wie die gesteuerten Chrysanthemen – all das hat uns die TASPO näher gebracht“, schwärmt der heute fast 80-Jährige im Rückblick.

Bedingungen des deutschen Gartenbaus damals und heute

Angesprochen auf die Bedingungen des deutschen Gartenbaus damals und heute, meint der langjährige Vizepräsident des Norddeutschen Gartenbauverbandes: „dazwischen liegen Welten“. Damals hätte man „auf dem Boden kultiviert, heute muss sich kaum einer mehr den Rücken krumm machen“. Allerdings hätte man als „Gärtner gut leben können“, die wirtschaftlichen Fragen seien heute „viel angespannter“. Gebe es heute „reichlich bis zu viel Ware, gab es damals zu wenig Ware, was zur Expansion im Gartenbau führte“.

Wie aber kam es zum Imageverlust der Berufsbilder Gärtner und Florist, wie zur Entwertung von Blumen und Pflanzen in weiten Teilen der Gesellschaft? „Ein Alpenveilchen war früher ein richtiges Geschenk, heute gibt es zu Niedrigpreisen Blumen und Pflanzen an jeder Tankstelle“, meint Jeß. Wobei er den Systemhandel, bezogen auf Blumen und Pflanzen, heute nicht für ersetzbar hält.

Überproduktion eines der größten Branchenprobleme

„Bei den Mengen, die heute da sind, geht es ohne die Discounter nicht mehr“, ist Jeß überzeugt. Er spricht damit eines der seiner Ansicht nach größten Branchenprobleme an: „die Überproduktion“. Allerdings habe sich der deutsche Gartenbau „stabilisiert, es gibt weniger Betriebe, die aber die gleichen Mengen produzieren. Zudem sind die Absatz-Organisationen in den verschiedensten Formen gut aufgestellt“.

Bezogen auf das Image der Berufsfelder in der Branche sieht er den Stellenwert realistisch. „Berufe mit höheren Verdienstmöglichkeiten haben auch ein höheres Image“, urteilt Jeß nüchtern. Daher sei schon in seinen jungen Jahren „der Maurer besser als der Gärtner angesehen“ worden.

„Zur TASPO gab es keine Alternative“

Ob aber die Maurer schon kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges eine gut eingeführte Fachpublikation hatten, die sie umfassend über die Brancheninnovationen unterrichtete – das darf bezweifelt werden. „Zur TASPO gab es keine Alternative, es war die einzige fundierte Quelle“, erinnert sich der studierte Garten- und Landschaftsbauer und gelernte Zierpflanzengärtner aus Lübeck.

Auf diese Informationsquelle verzichtet Joachim Jeß auch im 80. Lebensjahr nicht. Wie einst sein Vater fragt er heute einmal wöchentlich nach dem „geelen Blatt“.

 

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