14. 12. 2010

BHGL-Forum: Experten diskutierten über Vor- und Nachteile des Bachelor- und Diplomtitels

Zu einem Fachforum mit dem Titel „Gartenbau und Landschaftsarchitektur im Bologna-Prozess – Ingenieur ade?“ lud der Bundesverband der Hochschulabsolventen/Ingenieure Gartenbau und Landschaftsarchitektur (BHGL) Mitte November nach Freising. Erstmals fand das Forum in Kooperation mit dem Verband Weihenstephaner Ingenieure statt. Experten diskutierten über die Frage, ob nach der Einführung der neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master die zusätzliche Vergabe eines Ingenieur-Titels sinnvoll ist. Der Präsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes, Roland Albert, sieht aufgrund der anstehenden Verjüngung in der Betriebsführung und durch den Strukturwandel im Gartenbau einen deutlichen Bedarf an Absolventen. Die Lücke durch den Wegfall mehrerer Lehrstühle im Gartenbau habe bei den Absolventen ein deutliches Leck hinterlassen. Mit der Studienreform biete sich dem Berufsstand erstmalig die Möglichkeit, bei der Akkreditierung Einfluss auf die Qualität des Studiums zu nehmen. Negativ bewertet Albert hingegen den Wegfall des Ingenieurtitels, er wünsche sich die Wiedereinführung des Diplom-Ingenieurs. Mit der Einführung der Bachelor- und Master-Abschlüsse habe die Attraktivität eines Studiums in Deutschland auch für ausländische Studenten erheblich zugenommen, eröffnete Prof. Johann Bauer, Direktor des Hans-Eisermann-Zentrums in Freising. Die Bologna-Reform wurde von der Politik entschieden, die Hochschulen hätten es versäumt, sich rechtzeitig in diesen Prozess einzumischen und ihn aktiv zu gestalten, so der Präsident der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Prof. Hermann Heiler. Das Wissen aus den angelsächsischen Ländern zum zweistufigen Studiensystem wurde deshalb kaum an die deutschen Hochschulen weitergegeben. Beispielsweise gäbe es in den USA und in Irland zwischen dem Bachelor und Master eine Berufsphase, die in Deutschland nicht übernommen wurde. „Wir haben es bisher noch nicht so hinbekommen wie im angelsächsischen Raum, aber wir sind auf einem guten Weg!“, so der Präsident. Der große Vorteil des Bachelor sei seine Funktion als Drehscheibe zu anderen Disziplinen, ist sich Prof. Joachim Meyer vom Fachgebiet Technik im Gartenbau der TU München sicher: Im Bachelorstudium sollte vor allem Fachwissen erlangt werden, um sich anschließend im Masterstudium Zusatzqualifikationen anzueignen, zu spezialisieren und zu vertiefen. Es sollte deshalb alles dafür getan werden, dass der Bachelor der Regelabschluss wird, fordert Prof. Georg Ohmayer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf: Die Mehrzahl der Bachelorabsolventen soll in den Beruf gehen, um später berufsbegleitend im Master Zusatzqualifikationen zu erlangen. Den Wissensstand von Studierenden mit vorheriger Berufsausbildung haben die Studierenden ohne Berufsausbildung spätestens nach dem vierten Semester aufgeholt, ist sich der BHGL-Studentensprecher Jochen Flenker sicher. Er plädiert dafür, dass lieber ein Semester länger studiert werden soll, um dafür ins Ausland gehen zu können. Seine Erfahrungen zeigen, dass die Dozenten auch sehr flexibel sind, wenn Prüfungen im Auslandssemester liegen. Letztendlich, so resümierte BHGL-Präsident Prof. Uwe Schmidt, gibt es unterschiedliche Wege zur Karriere, wobei auch jeder für sich selbst verantwortlich ist. Nicht Titel, sondern die Studieninhalte sind für einen erfolgreichen Berufseinstieg entscheidend. Den Studierenden müssen moderne Methoden in die Hand gegeben werden, damit sie die Probleme der Zukunft lösen können. Die Studieninhalte der Bewerber können Arbeitgeber dem Diploma Supplement entnehmen, welches nun dem Prüfungszeugnis beigefügt ist.

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