Der Dauerfrost der vergangenen Wochen bescherte vielen Gartenbauunternehmern Stress und schlaflose Nächte. Denn vielerorten hieß es: Tag und Nacht wachsam sein, dass Heizungsrohre nicht einfrieren, und schnell reagieren, wenn der Brenner ausfällt oder die Brennstoffe in Klumpen zusammen frieren. Viele Gärtner konnten ihren Fuß aus diesen Gründen kaum vor den Betrieb setzen.
Hauptproblem in vielen Betrieben war, dass Wasser in schlecht durchflossenen Heizungsrohrsträngen einfror. Die akute Gefahr feststellen lässt sich laut Otto Domke, Technikberater aus Straelen, durch Oberflächenthermometer und ungewöhnlich starke Kondensation am betreffenden Rohrabschnitt. Um eine spätere Frostsprengung zu verhindern, greifen Gärtner zu den unterschiedlichsten Maßnahmen: Sie versuchen, durch Mischereinstellungen und Wassermengenverteilungen den Durchfluss irgendwie in Gang zu halten, wickeln Rohrstücke ein, reparieren in Fahrradschlauchmanier. „Die Unternehmer entwickeln hier fast künstlerische Fähigkeiten, um den Supergau zu verhindern“, weiß Domke.
Sein härtester Fall in den vergangenen Wochen war ein Produktionsbetrieb, der komplett einzufrieren drohte. Obwohl der Kessel auf vollen Touren lief, kam kaum Wärme in den Gewächshäusern an – die Temperaturen lagen dort bei null Grad. Die hinzugezogene Technikberatung investierte drei kalte Tage und Nächte in die Ursachenfindung, indem sie die Wassermengen in den einzelnen Heizungsrohrsträngen mit einem Ultraschall-Wärmemengenzähler verfolgte. „Von 1.000 Kilowatt Wärmeleistung bewegte das Ringsystem nur gerade einmal 300 Kilowatt“, blickt Domke zurück. Als Hautursache für die geringe Wasserbewegung machten die Berater einen längst vergessenen Schwebstofffilter in der Ringleitung aus, der mangels Wartung verstopft war. Auch ein Dreiwegemischer und ein Mischer in der Ringleitung in einem Gewächshaus hatten ähnlich drosselnde Wirkung. Alle Ursachen zusammen schwächten das System so erheblich, dass das komplette Rohrsystem um ein Haar eingefroren wäre.
„Die Probleme in diesem Winter machen zwei Dinge deutlich“, resümiert Domke. Zum einen zeigten sie, wie wichtig es sei, die Wärmeverteilung im Heizungssystem regelmäßig in ruhigen Zeiten zu überprüfen. „Mit berührungslosen Infrarotthermometern im Rücklauf (wichtig!).“ Wenn Stränge mit Temperaturen unter 40 Grad Celsius zurück kommen, sei das ein Grund zur Sorge. Das seien die Rohre, die bei Frost einzufrieren drohen. Abhilfe schafft laut Domke, durch Verjüngungsröhrchen an solchen gut Wasser führenden Rohren, die kaum Wärme verlieren, für eine bessere Verteilung auf alle Rohre zu sorgen. „Das baut Temperaturprofile ab, kann allein im Kalthaus schon Energieeinsparungen von bis zu 20 Prozent bringen.“
Zum anderen habe die Kälte deutlich gemacht, wo es in der Betriebsstruktur hapert, sagt Domke: „Die Verantwortung liegt zu oft bei einem allein.“ Immer mehr Betriebe merkten aber, dass es nicht ohne eine zweite verantwortliche Kraft gehe. „Nur wer delegiert, kommt durch. Dieses Umdenken ist für die Betriebe überlebenswichtig.“
Nicht in allen Regionen verursachte die Kälte heftige Probleme: „Hier in Süddeutschland, beispielsweise in der Schwäbischen Alb, sind die Gärtner generell gut auf kalte Winter vorbereitet. Kundendienste, regelmäßige Wartungen der Heizungsanlagen werden sehr ernst genommen“, sagt Ralph Ludewig, Technikberater aus Tübingen. Zahlreiche Gärtner nähmen jedes Jahr vor der Heizperiode sein Angebot eines Energie-Checks im Betrieb wahr. Nichtdestotrotz seien solche niedrigen Temperaturen natürlich eine Katastrophe für jeden Gärtner. „Die Heizkosten schießen exponentiell in die Höhe, die angepeilten Gewinnmargen für das Frühjahr schrumpfen mit jeder weiteren kalten Nacht.“ (kla)
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