Mooswand soll Stuttgarts Luft reinigen

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Mit einem Versuchsprojekt will die Stadt Stuttgart herausfinden, ob Moose die Luft von Feinstaub und anderen Schadstoffen filtern können. Foto: Ferdinando Iannone/Stadt Stuttgart

Im Kampf gegen Feinstaub und Schadstoffe geht Stuttgart jetzt völlig neue Wege. Eine Mooswand, die erste ihrer Art in Baden-Württemberg, soll ab sofort in einem Versuchsprojekt die Luftqualität der schwäbischen Metropole verbessern.

Der Standort könnte dabei nicht treffender gewählt sein: Die 100 Meter lange und drei Meter hohe Mooswand ist auf einem Grünstreifen an der viel befahrenen B14/Cannstatter Straße, einer der innerstädtischen Hauptverkehrsadern Stuttgarts, errichtet.

Testversuch soll zeigen, ob Moose Feinstaub reduzieren können

„Die Mooswand ist ein Testversuch, mit dem wir herausfinden wollen, ob sich Moose dazu eignen, Feinstaub-Partikel aus der Atmosphäre zu filtern. Laborstudien haben bereits gezeigt, dass Moose Feinstaub reduzieren können, aber bislang hat noch keiner dieses Potenzial außerhalb des Labors untersucht“, so Stuttgarts Umweltbürgermeister Peter Pätzold.

Aufgebaut hat die erste baden-württembergische Mooswand das Unternehmen Vertiko, das insgesamt 3,6 Tonnen Moos an der Wand angebracht hat. Zwei unterschiedliche, eigens für das Versuchsprojekt gezüchtete Moosarten kamen dabei zum Einsatz – das Hornzahnmoos (Ceratodon purpureus) und das Graue Zackenmützenmoos (Racomitrium canescens).

Mooswand-Versuch zunächst auf zwei Jahre angelegt

Deren feinstaubreduzierende Wirkung soll zunächst über eine Dauer von zwei Jahren untersucht werden. Diesen Test hat sich Stuttgart einiges kosten lassen: 388.000 Euro kommen vom Gemeinderat, weitere 170.233 Euro schießt das baden-württembergische Verkehrsministerium dazu. „Wir setzen auf ein breites Maßnahmenpaket im Kampf gegen Feinstaub. Hierzu gehört auch die Mooswand am Neckartor. Nun sind wir gespannt, welche Wirkung diese hat“, sagt Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Landesverkehrsministerium.

Die Filterwirkung der Moose sollen zahlreiche Messpunkte an der Wand belegen, die das Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik eingerichtet hat. Bestimmt wird dabei neben Feinstaub auch die Konzentration von Stickstoffdioxid.

Luftschadstoff-Messungen werden direkt an der Mooswand durchgeführt

„Was derzeit fehlt, ist eine Messung der Auswirkung auf die Luftqualität unter realen Umgebungsbedingungen. Die Ausbreitungsbedingungen auf der Straße sind viel komplexer als unter Laborbedingungen. Die Luftschadstoff-Messungen werden direkt an der Mooswand durchgeführt. Die Messdaten werden im Anschluss wissenschaftlich ausgewertet“, erklärt Dr. Ulrich Vogt, Leiter der Abteilung Reinhaltung der Luft am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Uni Stuttgart.

Erste Ergebnisse des Modellversuchs sollen bis Ende des Jahres vorliegen.

 
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