Märchenhafter Beruf: Schlossgärtner

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Die Gärten der UNESCO Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl wollen gepflegt sein. Ufuk May gibt seinen Mitarbeitern Anweisungen. Foto: Verwaltung Schlösser Brühl

Ufuk May ist gärtnerischer Leiter der UNESCO Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl – ein abwechslungsreicher Job zwischen den Spuren der Historie und den Herausforderungen der Zukunft.

Schlossgärtner: Auf der Spur von Fürsten und Königen

Wenn Ufuk May sein grünes Reich abschreitet, wandelt er auf den Spuren von Fürsten und Königen: Über die Terrasse und die Freitreppe geht es von Schloss Augustusburg hinunter ins barocke Gartenparterre; ein wenig Flanieren zwischen verschlungenen, mit bunten Sommerblumen eingefassten Buchsornamenten und plätschernden Wasserspielen, dann gelangt man durch Räume formende Heckenelemente zum angrenzenden englischen Landschaftsgarten – nicht der schlechteste Arbeitsplatz.

20 Gärtner für 100 Hektar Gartenanlage

Zum Lustwandeln kommt May genaugenommen nur selten und einen Großteil seiner Arbeit verrichtet er vom Schreibtisch aus, schließlich gilt es, die umfangreichen Gartenarbeiten auf der 100 Hektar große Anlage zu organisieren und auf die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verteilen. Dennoch ist der gärtnerische Leiter der UNESCO Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl wohl einer der glücklichsten Arbeitnehmer Deutschlands.

„Dieser Job ist ein echter Lottogewinn, anspruchsvoll und fordernd, aber auch unglaublich spannend und erfüllend“, freut sich der gelernte Baumschulgärtner, der sich schon als Jugendlicher für englische Landschaftsgärten begeisterte – aber beileibe nicht damit rechnete, eines Tages tatsächlich einmal in einem zu arbeiten.

Vom Studium der Geisteswissenschaften zum handfesten Gärtner-Job

Der Weg, der den 42-jährigen Kölner nach Brühl führte, war vielmehr fast so verschlungen wie die kunstvollen Buchsornamente im Schlossgarten: „Nach dem Abitur hatte ich zunächst begonnen, Philosophie, Alte Geschichte und Archäologie zu studieren und nebenher in der Lokalredaktion einer Zeitung gejobbt, aber bald ist mir klar geworden, dass ich eigentlich etwas Handfesteres machen möchte. Und Gärten haben mich schon immer angezogen.“ Also machte er eine Ausbildung zum Baumschulgärtner am Versuchszentrum für Gartenbau in Köln-Auweiler, das zur Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gehört.

„Das hat extrem viel Spaß gemacht, weil ich dort in viele verschiedene Bereiche reinschnuppern konnte. Dadurch habe ich das gärtnerische Versuchswesen und den Öffentlichen Dienst kennengelernt, mich aber auch beispielsweise mit der Veredlung von Obstbäumen und Koniferen beschäftigt und zudem diverse Praktika gemacht, zum Beispiel in einer Bambusbaumschule und bei unserem botanischen Garten, der Kölner Flora.“

Gärtnerischer Leiter einer Stätte des Weltkulturerbes

Es folgten Anstellungen als Privatgärtner auf einem Anwesen, bei dem „Geld eine untergeordnete Rolle“ spielte, eine Weiterbildung zum Fachagrarwirt und die Arbeit als gärtnerischer Anleiter in einem Integrationsbetrieb für psychisch kranke Erwachsene – bis schließlich 2010 der Glücksgriff kam, die Ausschreibung zum gärtnerischen Leiter der Stätte des Weltkulturerbes.

Seit seinem Antritt hat er bereits viele neue Projekte initiieren können, von den Wechselbepflanzungen nach historischem Vorbild über die Nachzucht der Kasten-Linden im barocken Gartenparterre bis zur Wiederherstellung und Aufforstung der Eselsallee – einer besonderen Herausforderung, da die nachgepflanzten Baumarten optisch den historischen Vorbildern nahekommen, gleichzeitig aber den Herausforderungen des Klimawandels trotzen sollen.

Beruflicher Lebensweg muss nicht immer geradlinig verlaufen

„Dass mein beruflicher Lebensweg nicht geradlinig verlief, sondern ich in vielen unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen sammeln konnte, kommt mir dabei immer wieder zugute. Das ist überhaupt das Tolle am Gärtnerberuf: Er ist unheimlich vielseitig, ich kann jungen Leuten nur empfehlen, das zu nutzen.“ Dann klappt’s auch mit dem grünen Traumjob.

 

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