ELCA: Mehr Grün in der Stadt für die Artenvielfalt

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Auch ELCA-Präsident Emmanuel Mony (rechts) und ELCA-Geschäftsführer Dr. Herrmann Kurth (links) warben im Gespräch mit Struan Stevenson (zweiter von links) und dem Europa-Abgeordneten Karl-Heinz Florenz für eine gezielte Umsetzung der Vorschläge. Foto: ELCA

Lutze von Wurmb, Vize-Präsident der Europäischen Vereinigung der Landschaftsgärtner (European Landscape Contractors Association – ELCA), warb bei der Konferenz „Klimawandel, Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung“ im Europäischen Parlament in Brüssel für mehr Grün in der Stadt. Die Planung, Ausführung und Pflege von städtischen Grünflächen solle als Grundanliegen der Daseinsvorsorge anerkannt werden, sagte von Wurmb. 

Bei den mehr als 150 Konferenzteilnehmern, darunter hochrangige Beamte der EU-Kommissionen Umwelt, Landwirtschaft, Forschung und Innovation sowie Vertreter des Europaparlaments, fielen seine Vorschläge laut ELCA auf fruchtbaren Boden. Veranstaltet wurde die Tagung von der Arbeitsgruppe „Klimawandel, Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung“ des Europäischen Parlaments.

Urbanes Grün müsse mit anderen öffentlichen Belangen wie leistungsfähigen Verkehrssystemen, einer modernen Telekommunikations- und Energie-Infrastruktur, guten Bildungs- und Sozialeinrichtungen oder der Kunst im öffentlichen Raum gleichgesetzt werden, forderte von Wurmb. Die angespannte Haushaltslage in vielen Kommunen dürfe kein Grund sein, die Anlage und Pflege von hochwertigen Grünanlagen in den Städten zu vernachlässigen.

„Grün rechnet sich“, betonte der deutsche Vize-Präsident der ELCA. Qualitätsvoll angelegte, entwickelte und gepflegte Grün- und Freiflächen seien in hohem Maße geeignet, die Attraktivität einer Stadt zu steigern. Das sei die Grundlage für eine wirtschaftlich gesunde kommunale Entwicklung.

„Hochwertiges urbanes Grün ist ein wert- und imagesteigernder Faktor im Wettbewerb um die Ansiedlung von Unternehmen und Beschäftigten. Die Städte sollten die Chancen, die urbanes Grün bietet, besser nutzen“, so von Wurmb. Investitionen in Grünflächen, in städtische Parks und grüne Schneisen, auf Gebäudedächern oder an Fahrbahnrändern machten zusätzliche Aufwände zur Reduktion von Feinstaub oder zur Bekämpfung des Wärmeinsel-Effekts überflüssig. Hochwasserschäden und daraus folgende notwendige Reparaturen ließen sich damit mildern, erläuterte der ELCA-Vizepräsident.

Er begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission vom Mai 2013, der umfassend die notwendigen Handlungsfelder für eine grüne Infrastruktur aufzeige. Die ELCA sei bereit, an der Umsetzung dieser Vorschläge mitzuwirken. Gleichzeitig appellierte von Wurmb an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, den Ausbau von Grünanlagen voranzutreiben: „Die Stadt der Zukunft braucht mehr lebendiges Grün“, betonte er. Unverzichtbar sei auch der Ausbau der umweltorientierten Forschung im Bereich Bau und Vegetation, fügte von Wurmb hinzu. Dabei gehe es darum, die Bedeutung von Grün zu belegen und besser zu nutzen.

Der Vize-Präsident der ELCA begrüßte, dass die EU-Kommission die Notwendigkeit von Finanzierungsmöglichkeiten für Erforschung und innovative Entwicklung grüner Infrastruktur im Programm „Horizont 2020“ und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung anerkenne. Dabei gehe es darum, intelligente und effiziente, aus neuen Materialien hergestellte Gebäude mit ökologischen Merkmalen wie begrünten Dächern und Wänden sowie deren ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Nutzen zu erforschen.

„Es ist wichtig, dass umweltorientierte Forschung in den Bereichen Bau und Vegetation vorangetrieben wird, um Antworten auf die drängenden Fragen der kommenden Jahrzehnte zu finden, denn Klimawandel, Gesundheit, Wassermanagement, Artenvielfalt und die Gestaltung von Freiflächen sind die Themen der Zukunft“, betonte der ELCA-Vizepräsident.

Von Wurmb hob dabei auch die Bedeutung der Initiative Grüne Stadt hervor, die in mehreren europäischen Ländern dafür eintrete, die Lebensqualität in den Städten durch mehr öffentliches und privates Grün zu verbessern. „Wir arbeiten intensiv daran, dass sich all diese Einsichten in ganz Europa durchsetzen und dann in konkretes politisches Handeln münden“, betonte von Wurmb.

Bei der EU-Kommission fielen die Vorschläge der ELCA auf fruchtbaren Boden. Die Direktorin „Naturkapital“ in der Generaldirektion Umwelt, Pia Bucella, betonte, dass unter grüner Infrastruktur nicht nur Landschaften, Grasland und Wälder zu verstehen seien, sondern auch das städtische Grün. Besonders wichtig für die Bürger sei es, die grüne Infrastruktur in Städten und Gemeinden auszubauen.
Ihr Kollege Kurt Vandenberghe, Direktor „Umwelt“ in der Generaldirektion Forschung und Innovation, fügte hinzu: „Wir müssen das lebendige Grün verstärkt in die Städte bringen.“ Er hob hervor, dass die Landschaftsgärtner dazu „sehr interessante, praktikable Vorschläge“ gemacht hätten.

Auch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Klimawandel, Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung“ des Europäischen Parlaments, der konservative schottische Europa-Abgeordnete Struan Stevenson, nahm die Empfehlungen der ELCA positiv auf. „Ich weiß jetzt, dass Grün nicht nur Dekoration sein darf, sondern wichtige Aufgaben erfüllt“, betonte Stevenson zum Abschluss der Tagung. (ts/elc)

 

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