Fachtagung „Living Walls“: vertikale Gärten – die grüne Zukunft!

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Internationale Ansätze zeigten (v. l.) Dr. Manfred Köhler, Hema Kumar, Lutze von Wurmb, Teva Raj Palanisami und Andreas Schulte auf. Foto: BGL

Experten aus Asien und Europa diskutierten unter Leitung von Lutze von Wurmb, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) auf einer Fachtagung anlässlich der GaLaBau in Nürnberg über das Thema „Living Walls: Vertikale Gärten – die grüne Zukunft!“. Von Wurmb machte in seiner Einführung deutlich, dass vertikale Gärten auf vielfältige Art ohne den Verbrauch von Grund und Boden geplant und gebaut werden können. 

Planerisch stünden dabei nicht nur ästhetische Aspekte im Vordergrund, sondern es gehe vielmehr um Nachhaltigkeit und um Lebensqualität in unseren Städten. Von Wurmb forderte, umweltorientierte Forschung in den Bereichen Bau und Vegetation zu forcieren, damit alle Fragen rund um Techniken und Bauweise beantwortet werden können: Klimawandel, Wassermanagement, Biodiversität und die intelligente Begrünung von Gebäuden und Fassaden seien wichtige Themen der Zukunft.

Als Referenten sprachen Professor Dr. Manfred Köhler aus Neubrandenburg, Teva Raj Palanisami aus Singapur sowie Andreas Schulte aus Veitshöchheim und Hema Kumar aus Bangolore (Indien) bei der gut besuchten Fachtagung.

Prof. Dr. Köhler machte deutlich, dass „Living Walls“ viele Vorteile bieten, wenn denn die technische Ausführung stimme. Sie leisteten einen Beitrag zur Wärmedämmung, zur Regenwasserbewirtschaftung und würden in ihrer Summe positiv zur Gebäudeklimatisierung beitragen. Er verwies auf ein Projekt in Berlin Adlershof, das gut funktioniere. Vorteil der Evaporationskühlung sei, dass sich dadurch die Klimatisierung/Klimakühlung reduzieren lasse und die Kühlung mithilfe von Pflanzen deutlich preiswerter sei als mit Strom. Ein Hingucker seien „Living Walls“ allemal, insbesondere da Unternehmen einen großen Werbecharakter in dieser Begrünungsform sehen.

Für den Berufsstand wichtig sei die Erarbeitung einer neuen FLL-Richtlinie, die eine Schnittstelle „Architekt – Grünplaner“ bieten werde. Dabei sei wichtig, „Living Walls“ unter so genannten „Lebenszyklusbetrachtungen“ zu bewerten und im Detail so auszustatten, dass diese Konstruktionen über Jahre funktionieren können. Der wissenschaftliche Nachweis von Effekten liege erst für einige Fragen vor. Weitere Arbeiten seien notwendig.

Besondere Referenzobjekte von qualitätsvollen grünen Wänden zeigte Teva Raj Palanisami aus Singapur in seinem Vortrag. In dem Stadtstaat mit 700 Quadratkilometern Fläche wuchs die Bevölkerung zwischen 1986 und 2007 von 2,7 Millionen Einwohnern auf 4,6 Millionen Einwohnern. Im gleichen Zeitraum konnte die Vegetationsbedeckung von 36 Prozent auf 46 Prozent erhöht werden. Um den Grünanteil weiter zu steigern, hat die Stadtentwicklungsbehörde URA (Urban Redevelopment Authority) das LUSH Programm initiiert.

LUSH steht für Landscaping for Urban Spaces and High Rises. Im Rahmen dieses Programms werden zwei Initiativen unterstützt – eine zur vertikalen Begrünung und eine zur Begrünung von Wolkenkratzern. Teva Raj Palanisami stellte verschiedene Begrünungsprojekte aus seiner Heimat vor: Unter anderem eine sehr einfache, aber funktionierende Methode, wobei etwa drei Meter hohe Kokosmatten mit Drähten und Kabeln befestigt und mit Asplenium nidus bepflanzt wurden. Da die Matten dem Regenwasser ausgesetzt sind, müssen sie kaum gegossen werden.

Ein anderes aufwendigeres Begrünungsbeispiel ist am Changi International Airport zu sehen. Dort wurden Kletterpflanzen und Bromelien in die Wände gepflanzt, bewässert wird durch Benebelung.Wie Teva Raj Palanisami hervorhob, könnten grüne Wände ebenso lange bestehen wie das Gebäude selbst. Voraussetzung seien allerdings der fachgerechte Einbau und die regelmäßige Pflege und Wartung. Am wichtigsten sei aber die richtige Auswahl der Pflanzenkombinationen. Und er empfahl, in Konstruktion und Wartung das Pflegepersonal einzubeziehen, um hohe Folgekosten zu vermeiden.

Andreas Schulte stellte in seinem Vortrag die Systematik anhand verschiedener Varianten von „Living Walls“ vor. Als Auswahlkriterien für die Bepflanzung werden Faktoren wie Wurzelvolumen, Fassadenausrichtung, Wüchsigkeit, Frostbeständigkeit, Dauerhaftigkeit der Pflanzen ebenso dargestellt wie die Ausbreitungstendenz, das Konkurrenzverhalten sowie die Optik über das gesamte Jahr. Bezüglich der Baukosten werden 400 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter angegeben, die deutlich über den Kosten bodengebundener Begrünungen (15 bis 140 Euro pro Quadratmeter) liegen. Das Gewicht beträgt 30 bis 110 Kilogramm pro Quadratmeter. Der Wasserbedarf wird mit 150 bis 1.000 Liter pro Quadratmeter und Jahr angegeben.

Hema Kumar, Grünbauexperte aus Bangalore (Indien), beschrieb verschiedene Typen von „Living Walls“, die in Asien weit verbreitet sind. Auch hier wurde deutlich, dass Planung, Ausführung und Pflege stets durch erfahrene Fachleute erfolgen sollten. Mehr Informationen verspricht ein neues Handbuch zur Bauwerksbegrünung (Herausgeber: Manfred Köhler, „Handbuch Bauwerksbegrünung“, Rudolf Müller Verlag, das am 23. Oktober 2012 erscheint. (bgl/sibo)

 

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