Flüchtlinge: Situation als Chance begreifen

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Machen sich für ein eigenes Lotsenmodell stark: BGL-Präsident August Forster und Geschäftsführer Herbert Hüsgen. Foto: Matthias Hinkelammert

Politische Krisen, militärische Konflikte und wirtschaftliche Not haben zu einem massiven Anstieg der Zahl der Asylsuchenden in Deutschland geführt. Fieberhaft wird derzeit daran gearbeitet, Prozesse wie etwa die Entscheidung über das Aufenthaltsrecht zu beschleunigen und Unsicherheiten auszuräumen. Trotzdem sehen Arbeitgeber aus den unterschiedlichsten Bereichen auch die Chancen, die sich für die Flüchtlinge und für die Betriebe hierzulande auftun könnten. So auch August Forster, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL).

Zum einen müsse sich ein Unternehmerverband der Situation stellen und soziale Verantwortung übernehmen, so wie das ja auch schon einzelne Unternehmer vorlebten. Auf der anderen Seite hält es Forster für schlicht töricht, angesichts des Fachkräftemangels die jetzige Situation nicht auch als Chance zu begreifen.

Integration von Flüchtlingen in den GaLaBau erleichtern

Um die Integration von Flüchtlingen in den GaLaBau-Arbeitsmarkt zu erleichtern, stellte der BGL im vergangenen Dezember ein Lotsen-Modell vor. Der Lotse soll dabei eine Mittlerfunktion übernehmen: Zwischen Flüchtling, Jobcenter und Ausbildungsstätten, dem Unternehmer und den Landesverbänden soll er überall dort unterstützend helfen, wo die vorgesehenen Integrationswege stocken. Denn angesichts der komplizierten und sich ständig ändernden Rechtslage sei der einzelne Unternehmer mit der Aufgabe sonst schnell überfordert.

Eine anspruchsvolle Aufgabe, wie Herbert Hüsgen, Geschäftsführer und Justiziar des BGL, einräumt: „Wir suchen jemanden, der es sich zutraut, die Dinge sehr offensiv anzugehen und zu befördern“. Angesichts der schwierigen Rechtslage wünscht Hüsgen sich als idealen Bewerber für diese Position einen Juristen, der sich mit Rechtsverfahren auskennt oder aber jemanden, der bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Ausländerbehörde und der Arbeitsagentur hat und hier also ein entsprechendes Rechtsverständnis entwickeln konnte.

Flüchtlings-Lotse muss sich auch mit Bildungslandschaft auskennen

Aber natürlich müsse er sich auch mit der Bildungslandschaft auskennen, über Qualifizierungsmöglichkeiten informiert sein und darüber Bescheid wissen, welche Angebote es an welchen Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen gebe. Klingt ein wenig nach der bekannten „eierlegenden Wollmilchsau“, aber der Verband ist optimistisch, einen geeigneten Bewerber zu finden – schließlich liege schon vor der Ausschreibung die erste Initiativbewerbung vor.

Läuft alles glatt, will der BGL etwa bis Mitte dieses Jahres die Finanzierung für den Lotsen gelöst haben. Derzeit klopfe man angesichts der besonderen Situation eventuelle Fördermöglichkeiten ab. „Schielen auf Subventionen“ müsse man aber nicht, wie Präsident August Forster betont: „Wir sind uns einig, das auch so hinzubekommen, wenn es nicht anders geht“.

BGL strebt branchenspezifische Lösung für Flüchtlinge an

Dem Unternehmerverband gehe es da nicht anders als den Mitgliedern der Landesverbände: „Wenn ich als Unternehmer nur dasitze und warte, was da kommt, dann bin ich ein schlechter Unternehmer. Ich muss auch einmal bereit sein, in etwas zu investieren“, so Forster. Es seien so viele Menschen in unser Land gekommen, die ja nicht nur in Turnhallen rumsitzen, sondern die etwas tun wollten. Der BGL strebe deshalb eine branchenspezifische Lösung an. Nicht von oben herab, sondern aus der Branche heraus etwas schaffen, das bestmöglich abdecke, was die Betriebe bräuchten.

Der geplante Flüchtlingslotse des BGL soll Chancen eröffnen, sowohl den Flüchtlingen als auch den Unternehmen der Landesverbände – und dafür sei es notwendig, sich als Branche bekannt zu machen und „Nachwuchswerbung auch bei den Flüchtlingen“ zu betreiben. Dabei zielt das Bemühen des Bundesverbandes auch darauf hin, sich etwa gegenüber der Arbeitsagentur als Branche zu zeigen, die sich dieser Herausforderung stellt, die sich organisiert und etwas anbietet.

Orientierungspraktikum für Flüchtlinge sinnvoll

Ziel müsse es sein, diejenigen Flüchtlinge, die sich für eine Arbeit oder Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau begeistern können, auch zu erreichen. Es helfe niemandem, wenn einem über das Arbeitsamt Flüchtlinge zugewiesen würden, die an dem Beruf kein Interesse hätten. Sinnvoll sei für beide Seiten deshalb immer ein Orientierungspraktikum.

Das könne direkt beim Unternehmer erfolgen – vorstellbar sei aber auch, dass solche Orientierungspraktika zentral an Ausbildungsstätten angeboten werden, und die motivierten und geeigneten Bewerber dann in Betriebe vermittelt werden. Die könnten dann eine Beschäftigung anbieten, über ein längerfristiges Praktikum mit Qualifizierungsbausteinen auf die Ausbildung vorbereiten oder eine Ausbildung übernehmen.

BGL-Präsident Forster: syrischer Flüchtling im eigenen Betrieb mit Potenzial zum Vorarbeiter

BGL-Präsident August Forster ist sich sicher: Wie in anderen Fällen brauche es vor allem gute Beispiele, die andere Kollegen dann überzeugen können. „Es ist das Schneeballprinzip – einige beginnen, dann kommt die Sache in Schwung“. Forster selber hat die guten Erfahrungen schon gemacht – in seinem Betrieb arbeitet seit nun einem halben Jahr ein syrischer Kollege, der sicherlich das Potenzial zum Vorabreiter habe.

Um ihn dabei zu fördern, wollte Forster ihn schon auf Fortbildungen schicken – das aber wollte der Kollege zunächst noch nicht. Der Grund? Noch wartet der Syrer auf eine Entscheidung, ob er einen Studienplatz erhält. Und wenn das klappt, fände er es unfair, einfach nur „die Fortbildung abzugreifen und dann Tschüss zu sagen.“ Eine Einstellung, die Forster tief beeindruckt habe.

Mehr zum Lotsenmodell des BGL lesen Sie im TASPO GaLaBauReport 7/2016.

 

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