Glyphosat: Gartenämter verzichten schon länger

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Im Mainzer Rosengarten verzichten die städtischen Gärtner auf Glyphosat und gehen per Hand gegen Unkraut vor. Foto: Stadt Mainz

Aus Sorge vor gesundheitlichen Risiken haben die Umweltministerinnen in Hessen und Rheinland-Pfalz in diesem Sommer den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf öffentlichen Grünflächen verboten. Das hat jedoch kaum Auswirkungen, wie eine Umfrage der TASPO zeigt. Denn die meisten Kommunen und auch Pflegedienstleister verzichten längst auf chemische Spritzmittel.

Koblenz bekämpft Wildkräuter rein mechanisch

Keinerlei Auswirkungen hat das Verbot in der Stadt Koblenz, die 2011 die Bundesgartenschau ausgerichtet hat. „Nach einem Stadtratsbeschluss vom Ende der 90er Jahre setzen wir ohnehin keinerlei chemische Unkrautvernichtungsmittel mehr ein“, sagt Christine Mohr vom Bereich Pflege des Grünflächenamtes der Stadt.

Seitdem werden Wildkräuter rein mechanisch bekämpft, sei es durch herauskratzen oder wegbürsten. Auch externen GaLaBau-Betrieben, die beispielsweise mit einer Natursteinpflasterung beauftragt werden und anschließend für die Pflege der Fläche zuständig sind, ist der Einsatz von Spritzmitteln verboten. Dennoch sehen die städtischen Grünflächen gepflegt aus. „Wir kommen hier seit vielen Jahren gut ohne Glyphosat aus“, sagt Mohr.

Mainz verzichtet längst freiwillig auf Glyphosat

Auch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt reagiert gelassen. „Ein Glyphosat-Verbot ist bei uns egal, da wir ohnehin keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr im öffentlichen Bereich verwenden“, erklärt Grün- und Umweltamtsleiter Jan Jahns. 2004 beschloss der Stadtrat ein verändertes Grünflächenkonzept. Seitdem gibt es in Mainz viel öffentliches Grün, das nur zweimal im Jahr zum Erhalt der Verkehrssicherheit gepflegt werde.

Wenige auserwählte Flächen kommen noch in den Genuss einer gärtnerischen Vollversorgung. „Die Mainzer haben sich daran gewöhnen müssen, dass es nicht überall in der Stadt so aussieht, wie bei ihnen im Reihenhausgarten“, sagt Alexander Schubert, zuständig für den Grünunterhalt in der Landeshauptstadt. Seit zwei Jahren verzichtet die Behörde nun auch komplett auf Herbizide wie Roundup. Das Unkraut werde manuell entfernt oder einfach stehen gelassen.

Gärtner im Mainzer Rosengarten gehen neue Wege

Das neue Bewusstsein macht auch nicht vor dem Mainzer Rosengarten halt, dort gehen die städtischen Gärtner neue Wege: Wurde früher gegen Rote Spinne und Mehltau gespritzt, überprüfte man nach dem freiwilligen Verzicht die Sortenauswahl und die Standorte, um möglichst gesunde Pflanzen zu haben. „Und treten jetzt mal Schädlinge auf, helfen wir uns mit Hausmittelchen wie Milch oder Backpulver“, berichtet Schubert. Selbst im städtischen Anzuchts-Gewächshaus für Sommerblumen kommen statt Spritzmitteln nun Nützlinge zum Einsatz.

Wie die Situation im benachbarten Hessen aussieht und weshalb der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) den Alleingang einzelner Länder beim Verbot von Glyphosat für unglücklich hält, lesen Sie im kompletten Beitrag in der TASPO 33/2015, die am 14. August erscheint.

 

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