Landschaftsgärtner weiter „dick“ im Geschäft

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Der Landschaftsgärtner darf seinen Job trotz Fettleibigkeit behalten, so das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf. Foto: Andrey Popov/Fotolia

Wegen seines extremen Übergewichts wurde ein Landschaftsgärtner von seinem Chef gefeuert. Dagegen legte der knapp 200 Kilo schwere Mann Klage ein – wegen Diskriminierung, da er aufgrund seiner Fettleibigkeit behindert sei. Zurecht, wie das Landesarbeitsgericht Düsseldorf jetzt entschieden hat.

Landschaftsgärtner bringt fast 200 Kilo auf die Waage

Hartmut H. ist ein echter Hüne: fast 200 Kilo bringt der Landschaftsgärtner laut Medienberichten bei einer Größe von 1,94 Meter auf die Waage. Sein Chef sah deshalb die Arbeitsfähigkeit seines Mitarbeiters eingeschränkt: H. könne wegen seines enormen Gewichts nicht auf Leitern steigen und sei auch zu dick, um den Kleintransporter des GaLaBau-Betriebs zu fahren, so die Argumentation.

Als Konsequenz kündigte der Betrieb dem Landschaftsgärtner nach knapp 30 Jahren Betriebszugehörigkeit – wogegen H. Klage einreichte. Er könne seine Arbeiten problemlos erledigen, so der Landschaftsgärtner. Deshalb forderte er neben der Rücknahme der Kündigung zusätzlich 6.000 Euro Entschädigung, da seine Adipositas (lateinisch für Fettleibigkeit) als Behinderung anzusehen sei und er deshalb nicht diskriminiert werden dürfe.

Gerichtsurteil: keine Entschädigung, aber dicker Landschaftsgärtner behält Job

Das sah das Arbeitsgericht Düsseldorf ebenso, wo Hartmut H. in erster Instanz Recht bekommen hatte. Die Kündigung sei nicht rechtens, so das Urteil (Az. 7 Ca 4616/15). Eine Entschädigung hielt das Gericht dagegen nicht für angemessen. Weil sowohl der Landschaftsgärtner wie auch sein Chef gegen das Urteil Berufung einlegten, landete der Fall vor dem Landesarbeitsgericht als nächste Instanz.

Dort ist gestern ein salomonisches Urteil gefallen: Zwar entschied auch das Landesarbeitsgericht gegen eine Entschädigung für den Landschaftsgärtner, aber Hartmut H. darf seinen Job behalten. Außerdem will der Landschaftsgärtner abnehmen – nach einem erfolglosen Versuch in der Vergangenheit sei inzwischen eine „Gewichtsreduzierung eingeleitet“, wie es in einer Mitteilung des Landesarbeitsgerichts heißt.

Der Europäische Gerichtshof hatte bereits vor anderthalb Jahren entschieden, dass Fettleibigkeit auch als Behinderung eingestuft werden kann.

 
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Leserkommentare


  1. Ich frage mich immer allen ernstes, was in den Köpfen von Richtern vorgeht.
    Wie soll eine Arbeitsverhältnis nach einem Rechtstreit wie beschrieben noch vernünftig fortgeführt werden?
    Das Klima zwischen Angestellter und Chef ist doch wohl vergiftet. Da kann ein anständiges miteinander nicht mehr gewährleistet sein.
    Leider berücksichtigen die Richter dies in keinster Weise.
    Ich möchte kein Mitarbeiter sein und auch keine Arbeitgeber in dieser Situation.
    Für mich dumme weltfremde Entscheidungen der Richter!
    Es geht hier einzig und allein darum, das der Arbeitgeber auf die Kosten sitzen bleibt und der Arbeitnehmer nicht Arbeitslosengeld kassieren kann.
    Der Arbeitgeber als Sozialamt, da brauchen wir uns nicht wundern, das es so viele Leiharbeiter gibt und so wenig Leute fest eingestellt werden, weil man sie einfach nicht los wird wenn man als Arbeitgeber es wünscht, bzw betriebswirtschaftlich nötig ist oder aber auch wenn die Chemie nicht passt.
    Man bekommt den Arbeitnehmer ans Bein gekettet!
    Das kann es wohl wirklich nicht sein.
    Da sollte man es sich gut überlegen selbstständig zu werden!
    sven
    -10
    128 138

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