LWG Veitshöchheim: neue Versuchsanlage mit diversen Extras

0

Blick vom Dach des Schulgebäudes auf die neuen Anlagen des Zierpflanzenbaus in der LWG Veitshöchheim. Im Hintergrund das ebenfalls neue Laborgebäude, vorn rechts das mit Fotovoltaik ausgestattete „Trainingsgewächshaus“. Blick in einen der Technikräume (unteres Foto) innerhalb des Neubaus. Fotos: Edwin Hanselmann

Was lange währt, wird richtig gut! Der alt bekannte Spruch lässt sich leicht abgewandelt auf die neuen Versuchsgewächshäuser der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim übertragen. 

Vor etwa 50 Jahren war der seitherige Versuchsbetrieb entstanden, die Außenhüllen der Gewächshäuser ebenso wie verschiedene Einrichtungen dementsprechend seit vielen Jahren nicht mehr zeitgemäß. „Dass wir einen neuen Betrieb brauchen“, sagt Eva-Maria Geiger, „war allen schon sehr lange klar!“

Manch anderes hatte sich im Laufe der vergangenen Jahre an der LWG verändert. Neue Räumlichkeiten für die Fachschule, die neuen Einrichtungen für die Landespflege, der Umzug des Gemüsebaus nach Bamberg und einiges mehr. Zuletzt stand jetzt der Bau neuer Gewächshäuser (einschließlich Verbinder und Büros) fürs Sachgebiet Zierpflanzenbau an. Fast parallel dazu verlief der Neubau des neuen großen Laborgebäudes.

Am 29. Juni übergab der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner die beiden neuen Anlagen ihrer Bestimmung (siehe TASPO 27/12). Rund 20,3 Millionen Euro waren laut der offiziellen Angabe investiert worden. Mit den Neubauten – so betonte Brunner – habe man die Position der LWG als bundesweit renommierte Forschungs- und Beratungseinrichtung weiter gefestigt, einen weiteren Abschnitt des Gesamtkonzepts zur Modernisierung der Landesanstalt abgeschlossen. Die LWG sei nun „in der Lage, die praxisorientierte Forschung im Zierpflanzenbau auf dem modernsten Stand der Technik durchzuführen“.

Die neue Gewächshausanlage befindet sich innerhalb der LWG an jener Stelle, wo früher der Gemüsebau ansässig war. Im Sommer 2010 war die Bodenplatte für die Gewächshäuser fertiggestellt, im Oktober 2010 wurde mit dem Bau der Gewächshäuser begonnen.  Kräss GlasCon (Pfaffenhofen) hat den Gewächshauskomplex errichtet. Die Bauplanung für die Versuchsgewächshäuser oblag der Firma Gefoma, die Gesamtmaßnahme erfolgte nach Plänen der Münchener Planungsgemeinschaft Professor Krug & Partner.

Der Gewächshausneubau bietet Raum für 1.100 Quadratmeter Nettoversuchsfläche (Bruttofläche = 2.189 Quadratmeter). Die für Versuche verfügbare Gewächshausfläche (netto) ist damit um etwa 600 Quadratmeter kleiner als im alten Betrieb. Es sind acht Gewächshausbereiche, wobei die Häuser 2 bis 7 für Versuche des Zierpflanzenbaus vorgesehen sind. Haus 1 dient als Trainingsgewächshaus für Fachschüler, auch für Ausstellungen. Haus 8 soll vom Weinbau und Obstbau genutzt werden.

Die meisten Dachflächen – so der Hinweis von Paul Napp – sind mit hochtransparentem Weißglas eingedeckt. Es lässt mehr Licht durch als das im Gewächshausbau übliche Floatglas, aber auch 75 Prozent der UV-Strahlung, 16 Prozent UVB.

Einige weitere technische Aspekte des Gewächshauskomplexes:

  • Haus 2 ist mit Cabriolüftung ausgestattet, allerdings nicht mit Weißglas, sondern mit Floatglas bedeckt;
  • Außenwände der gesamten Gewächshausanlage haben Isolierglas;
  • Isolierschicht (zwölf Zentimeter) schirmt unten die Gewächshäuser vom natürlichen Boden ab;
  • Schirmsystem zweilagig für Schattierung und als Energieschirm;
  • der Tagesenergieschirm lässt 78 Prozent des Tageslichtes durch;
  • Rollschirme an den nach außen angrenzenden Gewächshausflächen;
  • Klimacomputeranlage, die über das Internet gesteuert werden kann;
  • Kühlung der Gewächshäuser im Sommer (Hochdrucknebelanlage);
  • Einsatz verschiedener Heizsysteme (Bodenheizung, Untertischheizung, Konvektionsheizung an Seiten, Stehwandheizung, hohe Rohrheizung).

In allen Gewächshäusern der neuen Anlage sind Ventilatoren. In modernen, gut isolierten Gewächshäusern – so stellte Paul Napp heraus – sei es besonders wichtig, leistungsstarke Geräte dieser Art einzusetzen: „In alten Gewächshäusern ist viel Luftwechsel, aber je dichter das Gewächshaus ist, umso wichtiger ist ein Durchmischen der Luft!“

Wie Andrea Uhl zur Wärmeversorgung ergänzend erläuterte, gibt es für die gesamten Baulichkeiten der LWG eine Heizzentrale. Geheizt wird mit Gas. Über eine Hauptleitung werden von der Heizzentrale aus auch die Gewächshäuser mit Wärme versorgt. Verfügbar sind zwei normale Gaskessel und einer mit Brennwerttechnik, ferner zwei Blockheizkraftwerke.

„Vielleicht können wir die Bewässerung in den neuen Gewächshäusern komplett auf Regenwasser umstellen“, sagt Eva-Maria Geiger zum Thema Wassermanagement. Kernstück ist hierbei die neue, in drei Segmente unterteilte Zisternenanlage, deren Fassungsvermögen auf 677 Kubikmeter beziffert wurde. Etwa 340 Kubikmeter davon stehen fürs Bewässern der Pflanzen in den Gewächshäusern zur Verfügung. Die Zisterne nimmt das Regenwasser der Gewächshausdachflächen und des umliegenden Geländes auf.

Bei Bedarf wird Main-Filtratwasser dem Wasser aus der Zisterne hinzu gemischt. Dieses Wasser ist mit 24 Härtegraden aber sehr kalkhaltig. Außerdem ist das Wassermanagement in Veitshöchheim seit jeher davon beeinflusst, dass die Regenintervalle in der Region Würzburg recht weit auseinander liegen und nach trockenen Perioden ein Teil des Regenwassers qualitativ nicht für die Gewächshauskulturen taugt.

Solch „unreines Regenwasser“ ist nun als extra Segment der Zisternenanlage verfügbar und wird unter anderem für das Reinigen der Flächen genutzt.
Eine Wärmepumpe im Laborgebäude – so ein ergänzender Hinweis von Andrea Uhl – wird mit Mainfiltratwasser betrieben. Es hat eine konstante Temperatur von zehn bis zwölf Grad und dient damit im Sommer für Kühl- und im Winter für Heizzwecke. Uhl: „Da hängen auch die Kaltwasserbereitung und die Kühlzellen im Laborbereich dran!“

Als weitere Besonderheit mit Blick aufs Wasser gilt die in mehreren Kabinen des Gewächshauskomplexes eingebaute Hochdrucknebelanlage. Sie dient zur Kühlung im Sommer und ist auf 120 bar Betriebsdruck ausgerichtet, erwähnte Paul Napp. Es kommt zu einer Feinstvernebelung mit so geringer Tropfengröße, dass die Pflanzen „keine direkte Nässe abbekommen“. Napp: „Dadurch bestehen sehr gute Möglichkeiten zur Luftfeuchtesteuerung!“ Mit einer UV-Desinfektionsanlage erhält das Wasser die fürs Hochdruckvernebeln nötige Qualität.

Nicht in den eigentlichen Versuchsgewächshäusern, wohl aber im „Trainingsgewächshaus“ ist eine Fotovoltaikanlage einbezogen. Hierbei sind Fotovoltaik-Dünnschichtmodule auf einem Viertel der Dachflächen in die Verbundsicherheitsglas-Scheiben integriert. Die Anlage umfasst 45 PV-Module und hat eine elektrische Leistung von knapp drei Kilowatt-Peak. Der Wechselrichter (SMA) wurde innerhalb des betreffenden Gewächshauses installiert.

Die Versuche in Veitshöchheim – so die Aussagen von Gerd Sander und Eva-Maria Geiger – werden sich jetzt stärker auf Aspekte des Kulturmanagements, der Kultursteuerung sowie einer nachhaltigen Produktion ausrichten: „Jetzt können wir auch mit dynamischen Temperaturstrategien arbeiten!“
Hygiene spiele eine verstärkte Rolle, weil die Veitshöchheimer gemäß Beschlusslage des Versuchsbeirats ganzjährig mit biologischen Methoden (einschließlich Nützlingen und Pflanzenstärkungsmitteln) arbeiten und nur in Ausnahmefällen chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen wollen. (eh)

 

Leserkommentare


Leider gibt es zu diesem Artikel noch keine Kommentare, schreiben Sie doch den ersten Kommentar!

Diesen Beitrag kommentieren

Benutzeranmeldung

TASPO Login

TASPO NEWSLETTER

Newsletter abonnieren

Meistgelesene Artikel

3

Ein Großprojekt plant die niederländische Investorengruppe „Charlottes Garden“ in Sangerhausen: Sie will im „Industriepark Mitteldeutschland“ am Rande der Kreisstadt auf rund 60 Hektar Gewächshäuser bauen und dort...

Mehr

Aldi läutet pünktlich zum Frühlingsbeginn die Obstsaison ein. Vergangene Woche bot Aldi Süd verschiedene Obstbäume von Apfel über Süß- und Sauerkirsche bis hin zu Pfirsich für 4,99 Euro das Stück an, ab heute zieht Aldi...

Mehr

Im Kampf gegen Feinstaub und Schadstoffe geht Stuttgart jetzt völlig neue Wege. Eine Mooswand, die erste ihrer Art in Baden-Württemberg, soll ab sofort in einem Versuchsprojekt die Luftqualität der schwäbischen Metropole...

Mehr