Schnee statt Kunden: wann fällt der Startschuss zum Frühjahrsgeschäft?

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Schnee statt Kunden, auf diesen Nenner lassen sich die letzten Tage beispielsweise in diesem Endverkaufsbetrieb nahe Lübeck bringen. Dabei werden warme Tage, an denen sich die Kunden mit Frühlingsware eindecken, sehnlichst gebraucht. Fotos: Liebgard Jennerich

Seit mehr als drei Monaten hält das graue Winterwetter Gärtner, Einzelhandel und Verbraucher in seinem Bann. Vom Frühjahrsgeschäft 2013 kann noch nicht wirklich die Rede sein, sieht man vom einwöchigen Zwischenspiel der Sonne in Woche 10 einmal ab.

In Westdeutschland zeigt das anhaltende Winterwetter seine Auswirkungen: Im Volumengeschäft mit Primeln, Viola & Co. kam es zu einem spürbaren Absatzstau, dem auch das erste Frühlingserwachen vor zwei Wochen nicht wirklich Abhilfe schaffen konnte. Nach Information von Georg Hanka (Hanka Gartenbau, Kempen) floss die Ware in Woche 10 extrem gut ab. Die Preise blieben allerdings auf übersichtlichem Niveau.

Dennoch sei davon auszugehen, dass die Sonnenwoche die im Vorfeld aufgetretenen Umsatzeinbußen nicht ausgleichen konnte, so Hanka. Denn bei grauem Himmel war die Kauflaune der Verbraucher Ende Februar/Anfang März weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ähnlich zeige sich die Situation ab der Woche 11 jetzt wieder. Dabei sei während der „Schlechtwetterperioden“ im Straßenhandel fast nichts gelaufen. Im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wurden die Aktionen mit Frühjahrsblühern zwar durchgeführt, doch blieb die Nachorder im Tagesgeschäft dann nahezu aus.

Mittlerweile wird die Zeit knapp, denn für einige Kulturen käme die ersehnte Wetterbesserung jetzt fast zu spät, meint auch Landgard auf Anfrage der TASPO. Speziell Primeln und Zwiebelpflanzen, die sich im März normalerweise am stärksten verkaufen, sind derzeit kaum nachgefragt. Die Vermarktungsorganisation verweist zudem darauf, dass auch der Violen-Absatz vom verspäteten Frühjahr 2013 betroffen sein könnte, da das Zeitfenster, in dem sich Mengen absetzen und gleichzeitig gute Erzeugerpreise erzielen lassen, immer enger werde.

Während dem schleppenden Frühjahrsgeschäft im Einzelhandel derzeit noch die Hoffnung gegenübersteht, dass rückläufige Umsätze im April meist wieder ausgeglichen werden können, hat der Zierpflanzenbau mit überständigen Sätzen zu kämpfen. In manchem Fall konnte das fehlende Sonnenlicht zwar dazu beitragen, die Verkaufsreife der Pflanzen etwas nach hinten zu verlagern, doch ließen sich Verluste dadurch nicht wirklich vermeiden. Georg Hanka, der in seinem Betrieb gerade erst mit der Kultur von Anemonen begonnen hat, schätzt, dass ihr Umsatzanteil 2013 um etwa fünf bis zehn Prozent schlechter ausfallen wird als im Vorjahr.

Ähnlich sei die Situation der Frühjahrsblüher in anderen Unternehmen zu bewerten. Doch nicht nur schleppender Absatz, sondern auch steigende Kosten machen den Gärtnern seiner Einschätzung nach das Leben schwer. So fordere die anhaltende Kälte einen höheren Energieeinsatz, und auch der Personaleinsatz müsse den Gegebenheiten angepasst werden. „Erst sucht man die Arbeit, und später bekommt man die Arbeitsspitze nicht organisiert! Gerade hier ist ein großer Kostenpunkt“, meint er.

Ähnliches ist auch aus dem Baumschulbereich zu hören, denn um etwa 14 Tage verzögerte der Frost hier die anstehenden Arbeiten, wie Dirk Böhlje (G. D. Böhlje Baumschulen, Westerstede) unlängst im NDR-Fernsehen erklärte. Rhododendren, die die Baumschule beim ersten Frühlingserwachen schon auf die Verkaufsfläche geräumt hatte, verschwinden wieder unter schützender Vlies-Abdeckung, um sie vor Frost zu schützen. Für sein Hortensien-Anzucht-Haus hatte Böhlje in diesem Winter bereits rund 2.000 Liter Heizöl mehr verbraucht als im vergangenen Jahr. Vorsorglich hat der Gärtnermeister jetzt nochmals Heizöl nachgekauft.

Lesen Sie mehr zum Thema in der aktuellen TASPO Ausgabe 12/2013. (ks)

 

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