Vom Gebäude zur Freifläche: neue Empfehlungen der FLL liegen vor

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Oft erst am Ende von Hochbaumaßnahmen sollen Unternehmen des GaLaBaus die Außenanlagen erstellen und diese an das Gebäude heranführen: Ein Problem, wenn zuvor bei der Gebäudeplanung die Belange und technischen Voraussetzungen für den fachgerechten Anschluss der landschaftsgärtnerischen Arbeiten nicht ausreichend berücksichtigt wurden, beispielsweise mit Blick auf die Gefälleausbildung, Höhensprünge, Anschlusshöhen oder Barrierefreiheit. 

In der Theorie klingt alles ganz einfach und die Zuordnung und Verantwortlichkeiten für die Planung und Ausführung bei Baumaßnahmen scheinen eindeutig geregelt zu sein. Der Architekt plant das Gebäude und die einzelnen Gewerke des Hochbaues setzen die Planung in die Realität um. Zu diesen Leistungen gehört unter anderem die Abdichtung des Gebäudes (einschließlich der Tür- und Fensterelemente, Anbauelemente wie Treppen und Kellerlichtschächte) gegen Wasserbeanspruchung. Auch der Schutz der Abdichtung zählt zu diesen Leistungen.

In der Realität sind den Stuckateuren jedoch oft die späteren Anschlusshöhen nicht bekannt, so dass insbesondere notwendige Sicherungsmaßnahmen – etwa gegen aufsteigende Feuchtigkeit – zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgeführt werden können. Darüber hinaus können durch die Vorarbeiten am Hochbau – etwa bei hinterlüfteten Fassaden die damit einhergehenden Belüftungsschlitze im Sockelbereich – Situationen entstehen, die es dem GaLaBau-Unternehmen eigentlich nicht mehr erlauben, notwendige Übergänge wie Erschließungswege oder Garagenzufahrten fachgerecht zu erstellen.

Auf einer Tagung im Rahmen der GaLaBau, veranstaltet vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, wurde das Thema sowohl aus Sicht der Stuckateure als auch aus Sicht der unterschiedlichen Gewerke dargestellt. Einig waren sich alle Referenten, dass es sich bei der Herstellung des Fassadenanschlusses um ein hochsensibles Bauteil handelt, bei dem durch Mängel erhebliche Schäden an den Gebäuden entstehen können. Auch das nachträgliche Anbringen von Lichtschächten und -abdeckungen kann zu Durchdringungen von Schutzsystemen und damit zu großen Schäden führen.

Gerade vor dem Hintergrund, dass es in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Fassadensystemen und einer Kombination derselben gekommen ist, sind nicht nur Arbeiten an der Fassade, sondern auch in ihrem direkten Umfeld heikel. Grundsätzlich, diese Meinung vertrat zumindest der ö.b.v. Sachverständige für den Garten- und Landschaftsbau, Diplom-Ingenieur Wolf Meyer-Ricks, sei von einer klaren und unmissverständlichen Leistungstrennung auszugehen: Die Gestaltung der Fassade und die Abdichtung und Dämmung des Gebäudes seien eindeutige Leistungen des Hochbaus, und dies sowohl beim Neubau wie auch bei der Instandhaltung und bei der Sanierung.

Sehr wohl Aufgabe des Landschaftsgärtners ist es dagegen, Schäden an der Fassade, die durch die Gestaltung entstehen können, zu verhindern und auf Konsequenzen hinzuweisen. Dazu zählen etwa Belastungen und Verschmutzungen der Fassade durch Spritzwasser aus Pflanzflächen, wenn ohne Spritzschutzstreifen gearbeitet wird, oder auch mechanische Beschädigungen etwa durch Pflegegänge oder durch Pflanzenwurzeln und Rhizome.

Und natürlich sind Bedenken anzumelden, wenn die notwendigen Vorarbeiten erkennbar nicht oder mangelhaft ausgeführt wurden. So ist es etwa auch empfehlenswert, bei einer Auftragsbestätigung gegenüber dem Bauherrn beispielsweise auf das Fehlen eines fachgerechten Putzschutzes gegenüber aufsteigender Feuchtigkeit schriftlich hinzuweisen, damit dieser dann den Schutz noch beauftragen kann.

Orientierung in dem sensiblen Feld, das sich durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Fassadensystemen und vorgelagerten Freiraumtypen auszeichnet, verspricht eine neue Veröffentlichung der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftbau (FLL, Bonn): Zur GaLaBau erschienen sind die „FLL-Empfehlungen für Planung, Bau und Instandhaltung der Übergangsbereiche von Freiflächen zu Gebäuden“, die die wesentlichen Anforderungen an die Anschlüsse der unterschiedlichen Freiflächentypen (etwa Vegetationsflächen, Wasserflächen, Wege-, Platz-, Terrassenflächen) an die gebräuchlichsten Außenwand- und Sockelkonstruktionen zusammengefasst hat.

Bereits 1997 wurde der Regelwerksausschuss einberufen, nun endlich liegt der Weißdruck vor. Dabei beziehen sich die neuen Empfehlungen durchaus auf Vorarbeiten anderer Stellen. Besonders genannt wurde insbesondere die Veröffentlichung „Richtlinie Fassadensockelputz/Außenanlage“. Herausgegeben wurde sie vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg und dem Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade, Baden-Württemberg.

Aktuell wird die bereits 2004 erstmals veröffentlichte Richtlinie überarbeitet, das Erscheinen der dann dritten Auflage ist für Anfang 2013 vorgesehen (www.stuck-verband.de). Die neuen FLL-Empfehlungen gibt es gedruckt oder als kostenpflichtigen Download unter www.fll.de. (hin)

 

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