Vorgarten: lieber bepflanzt oder versiegelt?

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Ein perfekt gepflegter Vorgarten ist die Visitenkarte eines Hauses. Foto: BGL

Vorgarten oder Vorhölle? Nicht nur in Deutschland geht der Trend seit einigen Jahren hin zu Steinvorhöfen (das Wort Garten verbietet sich). Das hat den Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) auf den Plan gerufen. Im Rahmen seiner Initiative „Rettet den Vorgarten“ hat der Verband eine GfK-Marktforschung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Demnach besitzen vier von zehn Deutschen einen Vorgarten, 84 Prozent davon sind überwiegend bepflanzt, 15 versiegelt – also gepflastert oder mit Kies und Schotter bedeckt.

Gepflegtes Erscheinungsbild Hauptmotiv für bepflanzten Vorgarten

Als Motiv für einen bepflanzten Vorgarten nannten 58 Prozent der Befragten ein gepflegtes Erscheinungsbild, für 53 Prozent ist Gartenarbeit ein Hobby, 49 Prozent sehen in einer Bepflanzung eine dauerhafte Lösung. 36 Prozent bezeichnen sich als Naturliebhaber, 18 Prozent möchten zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen, sechs Prozent einen Lebensraum für Tiere schaffen.

Für einen versiegelten Vorgarten spricht für 80 Prozent der befragten Kiesgartenbesitzer die Pflegeleichtigkeit, 46 Prozent erhoffen sich mehr Freizeit oder scheuen die Pflege (insbesondere ältere Semester). Immerhin 57 Prozent der Frauen argumentieren mit Ästhetik (modern, zeitgemäß). Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) erhoffen sich so mehr Stellplätze für Auto, Fahrrad oder Mülltonne.

Vor allem bei Frauen sind bepflanzte Vorgärten beliebt

Generell nennen 71 Prozent der Befragten einen bepflanzten, 26 Prozent einen kiesbedeckten Vorgarten als Favoriten. Vor allem bei Frauen (74 Prozent) und in den neuen Bundesländern (84 Prozent) sind Bepflanzungen beliebt.

88 Prozent der Besitzer begrünter Vorgärten nennen die Kiesvorhöfe kalt, öde, unnatürlich – anders herum finden nur sechs Prozent der Kiesgärtner Bepflanzungen unschön. Und: 64 Prozent der Besitzer versiegelter Flächen erfreuen sich hinter dem Haus an einem bepflanzten Garten.

Für den BGL sind die Ergebnisse der GfK-Marktforschung eine wichtige Quelle, wo die Motive der Gartenbesitzer für die naturfernen Visitenkarten liegen und welche Argumente sich dagegen vorbringen lassen.

BGL-Präsident Forster: versiegelte Gärten nur am Anfang pflegeleicht

„Die Einschätzung mancher Vorgartenbesitzer, dass versiegelte Gärten pflegeleicht seien, ist nach unserer Erfahrung nur am Anfang zutreffend. Nach wenigen Jahren etablieren sich in den Kies- oder Schotterflächen hartnäckige Unkräuter, die nur mit großem Aufwand entfernt werden können“, so BGL-Präsident August Forster.

Berücksichtigt werden sollte bei all dem: Die in vielen Bereichen der westlichen Welt spürbare Trennung zwischen ländlichem und großstädtischem „Befinden“ scheint sich im deutschen Vorgarten zu spiegeln. Während in den Großstädten die Visitenkarte des Hauses nicht naturhaft genug sein kann, Urban Gardening nicht Trend, sondern Zeitgeist ist und Mooswände (wie in Stuttgart) als CO2-Heilsbringer getestet werden, da werden die Vorgärten in ländlichen Regionen versteinert.

Staudengärtner Gaissmeier: „Steinepest schlimmer als die Schweinepest“

„Die Steinepest ist schlimmer als die Schweinepest“, wird Staudengärtner Dieter Gaissmeier (Illertissen) in einem langen Beitrag zum Thema von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitiert. Mitverantwortlich werden dort Baumärkte und Gartencenter gemacht, die ohne Beratung nur Massenumsatz machen wollten.

Mehr zum Thema Vorgarten – bepflanzt versus versiegelt lesen Sie in der TASPO 20/2017, die am 19. Mai erscheint.

 
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