Online-Riese Amazon setzt auf Pflanzen

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Der Online-Riese Amazon streckt seine Fühler in Richtung Gartenmarkt aus. Foto: Amazon

Will Amazon seine Aktivitäten im Gartenmarkt ausbauen? Diese Vermutung liegt nahe, sagt Klaus Peter Teipel. Amazon lote aus, was mit Lebendem Grün möglich ist, so der Branchenanalyst in seinem Vortrag beim Medientag des Industrieverbandes Garten (IVG). Die Amazon-Zentrale hatte offenbar mehrere Mitarbeiter auf die IPM entsandt. Der Besuch habe Pflanzen-Anbietern gegolten.

Das bestätigen IPM-Aussteller. „Zwei Amazon-Leute waren bei uns am Stand und haben sich informiert“, sagt Rupert Fey von Plusplants. Auch Richard Petri von Selecta One berichtet von einem Besuch: „Es gibt ganz konkrete Vorstellungen, dass künftig mehr Produzenten ihre Pflanzen über den Marketplace von Amazon anbieten.“

User nutzen Amazon als Suchmaschine für Produkte

Wird das Sortiment erweitert, steigt vermutlich auch der Abverkauf. Denn viele Internet-Nutzer verwenden den Branchenriesen inzwischen wie eine Suchmaschine für Produkte. Wer derzeit beispielsweise „Frühlingsblumen“ als Suchwort eingibt, bekommt lediglich 18 echte Treffer angezeigt.

Die Gärtnerei Ricken in Willich am Niederrhein bietet aktuell vier Sets zwischen 12,50 bis 14,80 Euro plus drei Euro Versand an. Die Gärtnerei stellt Text und Fotos selber ein und zahlt pro verkauftes Produkt 21 Prozent Gebühr. „Das haben wir beim Preis einkalkuliert“, sagt Daniel Ricken.

Gestartet zu Saisonbeginn 2016, habe die Gärtnerei bislang weniger als 1.000 Kartons verschickt. Nur eine Sendung sei bislang zurückgeschickt worden. „Wir wollen den Internetverkauf als Standbein aufbauen.“

Online-Riese will unter eigenem Namen versenden

Derzeit versucht Amazon aktiv, mehr Pflanzen-Anbieter zu gewinnen. Der Gärtnerei Ricken wurde angeboten, Premiumpartner zu werden. „Das Problem ist: Amazon will unter eigenem Namen versenden“, sagt Ricken. Das könnte jedoch nur mit einem großen Partner funktionieren, der sich bis zum Verkauf um die verderbliche Ware kümmert.

Gelingt das, wird es der bestehende Pflanzenhandel im Internet schwer haben, sagt Branchenexperte Teipel voraus. Denn kein Handelsunternehmen in Deutschland könne sich mit dem Online-Riesen messen. „Zudem ist Amazon nicht auf Rendite aus, sondern auf Expansion“, sagte Teipel.

Welche Folgen eine Expansion des Online-Riesen im Gartenmarkt hätte und ob Amazon irgendwann versuchen wird, die Preise zu drücken, wenn eine Marktmacht im Gartensegment erreicht wird, lesen Sie in der TASPO 9/2017, die am 3. März erscheint.

 

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