Bienen: Forscher melden Alarmstufe Rot

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Die Bestände von Wildbienen und anderen Insekten sinken drastisch. Foto: NickRivers/Pixabay

Die extremen Rückgänge bei Insekten, insbesondere bei Wildbienen, wollten Wissenschaftler bei einer gemeinsamen Biologen-Fachtagung des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und der Universität Hohenheim nicht mehr hinnehmen. In einer Resolution stellen sie deutliche Forderungen an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, um den dramatischen Schwund zu stoppen.

Drastischer Rückgang bei Wildbienen und anderen Insekten

Die Bestände von Wildbienen und anderen Insekten sinken drastisch. Wenn dieser Trend sich fortsetze, so die Wissenschaftler, sterben sie in weniger als zehn Jahren aus. Insgesamt unterzeichneten daher 77 Forscher die gemeinsame Resolution an Bundesumweltministerin Hendricks und fordern Sofortmaßnahmen, um den Rückgang aufzuhalten.

Die Resolution wurde am 25. Oktober an das Bundesumweltministerium verschickt. Die Hauptforderungen lauten zusammengefasst:

  • Vollständiges Verbot von Neonicotinoiden, mindestens aber ein vollständiges, ausnahmsloses Moratorium für ihren Einsatz bis zum wissenschaftlich sauberen Nachweis ihrer Umweltverträglichkeit.
  • Erhöhung der Strukturvielfalt in der Kulturlandschaft, zum Beispiel durch Etablierung eines Blüten-Managements.
  • Einführung eines Langzeit-Monitorings von Insekten auf repräsentativen Flächen in Deutschland.
  • Änderung der Bundesartenschutzverordnung: Einführung eines strengeren Schutzstatus für hochgradig gefährdete Insektenarten wie Wildbienen, entsprechend den Gefährdungskategorien der Roten Liste Deutschlands.

Experten fordern schnelles Handeln zum Schutz von Bienen und Insekten

„Die Experten sind sich einig, dass nur durch schnelles Handeln zum Schutz der Insekten der Artbestand gerettet werden kann. Wir hoffen, dass durch unsere Resolution in der Öffentlichkeit der Ernst der Lage erkannt wird und die Politik Maßnahmen ergreift“, so Dr. Lars Krogmann, Wissenschaftler am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Um die Jahrtausendwende wurden verstärkt neuartige Insektenvernichtungsmittel eingesetzt: Sie enthalten Neonicotinoide – hochwirksame Pestizide gegen Insekten. Sie gelten als neues Mittel der Wahl gegen Schädlinge wie Blatt- und Schildläuse, Schmetterlinge, Zikaden und Käfer.

Neonicotinoide: zunächst keine tödliche Wirkung auf Honigbienen

Auf Honigbienen zeigte das Nervengift zunächst keine tödliche Wirkung. Daher sahen die Verantwortlichen auch keinen Grund, die neuen Pestizide nicht zuzulassen. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Untersuchungen, die Langzeitwirkungen aufzeigen und eine Anreicherung von Neonicotioniden in Ackerböden selbst bei vorschriftsgemäßer Anwendung.

Eine aktuelle Studie weist laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Universität Hohenheim und des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart anlässlich der Resolution aber nach, dass die Bestände bestimmter Wildbienenarten, die bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen, drastisch zurückgehen: „In manchen Gegenden um bis zu 75 Prozent in einem Zeitraum von zehn Jahren“, erklärt der Tierökologe Prof. Dr. Johannes Steidle von der Universität Hohenheim. „Das ist Alarmstufe Rot.“

Wildbienen extrem wichtig für Bestäubung

Die Insekten sterben nicht sofort. „Aber offenbar sind sie geschwächt. Ihre Lernfähigkeit ist vermindert, sie können nicht mehr so gut riechen, und es wurde beobachtet, dass bei Honigbienen der Bienentanz gestört ist. Die Folge ist, dass die Populationsgröße immer weiter abnimmt. Wildbienenarten sind aber für die Bestäubung extrem wichtig. Andere parasitische und räuberische Insektenarten sorgen für ein natürliches ökologisches Gleichgewicht, damit Schadorganismen nicht überhand nehmen. Diese biologische Kontrolle ist in Gefahr“, so Steidle.

 

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