Aldi Nord: Stauden zum Schleuderpreis

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So bewarb Aldi Nord seine Staudenbox online. Screenshot

Aldi Nord verkaufte vergangene Woche 35 Stauden-Jungpflanzen zum Schleuderpreis von 4,99 Euro. Wir fragten Staudenzüchter, was sie von der „Staudenbox“ mit Prachtscharte, Sonnenhut, Lupine, Funkie, Fackellilie, Akelei und Garten-Gloxinie halten. Wie schätzen sie die Qualität ein? Kann der Verbraucher zwischen Sonderangebot und Gärtnerqualität unterscheiden? Und was bedeutet es für die Branche?

Stauden von Aldi: Erfolg nur für gärtnerisch versierte Pflanzenfreunde

„Aus meiner Sicht werden nur gärtnerisch versierte Pflanzenfreunde damit Erfolg haben. Diese Kundengruppe pflanzt aber kein buntes Allerlei in ihren geliebten Garten“, meint etwa Jens Schachtschneider, Schachtschneider Stauden und Marketing (Neerstedt).

„Dennoch werden die Staudenpakete ihren Absatz finden, negative Auswirkungen auf den Staudenmarkt erwarte ich dabei nicht. Der Pflanzenmarkt war immer schon bunt und vielfältig, sowohl in seiner botanischen Vielfalt als auch den Produktformen. Es gibt schließlich auch Staudensamen zu kaufen, warum dann nicht auch Jungpflanzen?“, so Schachtschneider.

Gärtnerin von Stauden-Angebot bei Aldi geschockt

Beate Zillmer, Geschäftsführerin der Gärtnerei Zillmer (Uchte), erinnert sich angesichts des Aldi-Angebots an ihre Zeit als Auszubildende im Privatverkauf vor fast 30 Jahren. „Ich erinnere mich gut, dass es nur sehr selten gelungen ist, einem Kunden 35 Stauden zu verkaufen. Und dann gar sechs von einer Art/Sorte. Da musste für sechs Waldsteinia schon 20 Minuten Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und jetzt lädt der Aldi-Kunde mit einem Handgriff 35 Stauden in seinen Einkaufswagen. Da bin ich neidisch.“

Auf den ersten Blick sei sie als Gärtnerin von diesem Angebot geschockt, so Zillmer weiter. „Auf den zweiten sehe ich sehr eingeschränkte Möglichkeiten dieser Vermarktungsform. Und der Verbraucher? Hat er auch diesen ‚zweiten Blick‘? Weiß er, dass er mit seinen Bedürfnissen nicht im Fokus der Produktentwicklung stand? Das maximal sein Bedürfnis ‚ich will billig einkaufen‘ von diesem Produkt bedient wird? Wenn es diese Ein-Bedürfnis-Verbraucher gibt, dann haben sie hier ein optimales Angebot. Für alle anderen Verbraucher sind wir Gärtner da.“

Weitere Stimmen aus der Branche zur „Staudenbox“ von Aldi Nord lesen Sie in der TASPO 11/2016, die am 18. März erscheint.

 

Leserkommentare


  1. 1000 gute Gründe, natürlich schöne Augenblicke, toll was Blumen machen,...generische Werbung wo man hinsieht und man sie als nicht sonderlich interessierter Endverbraucher (den wir ja ansprechen wollen) trotzdem nicht wahrnimmt. Aldi allerdings schafft es, ohne großen Aufwand, Pflanzen als Ramschartikel zu positionieren. Ganz nebenbei stürzen sich natürlich die großen Vermarkter auf solche Kunden und finanzieren dadurch die generische Werbung....Es ist schon eine komplizierte Branche...:)
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