Hamster blockieren Gewächshaus-Großprojekt

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Streng geschützt: der Feldhamster. Foto: Elgreco111/Fotolia

Ein Großprojekt plant die niederländische Investorengruppe „Charlottes Garden“ in Sangerhausen: Sie will im „Industriepark Mitteldeutschland“ am Rande der Kreisstadt auf rund 60 Hektar Gewächshäuser bauen und dort Bio-Gemüse anbauen. Allerdings hat ihr bisher der streng geschützte Feldhamster einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Hamsterschutz kostet Sangerhausen viel Geld

Schon im vergangenen Jahr war der Umzug eines ansässigen großen Fahrradherstellers in ein Sangerhausener Gewerbegebiet nur mit erheblichen Maßnahmen für den Hamsterschutz genehmigt worden. Unter anderem war die Stadt Sangerhausen aufgrund der Intervention von Naturschützern verpflichtet worden, für die Hamster eine Aufzuchtstation für die Tiere zu initiieren. Andernfalls wäre keine Genehmigung für den Neubau des Fahrradherstellers erteilt worden.

Der Bau der Aufzuchtstation wird mehr als 800.000 Euro kosten. Hinzu kommen laut Stadt zusätzlich rund 150.000 Euro jährlich für den Betrieb der Station.

Hunderte Arbeitsplätze durch Gewächshaus-Großprojekt

Mit „Charlottes Garden“ hat die Stadt Sangerhausen nun einen Investor für den 260 Hektar großen „Industriepark Mitteldeutschland“ neben der Südharzautobahn A38 gewonnen. Baustart für die Großinvestition – von einem dreistelligen Millionenbetrag ist die Rede – sollte im Frühjahr 2017 sein und mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen.

Aber auch dem stehen die Belange des Feldhamsters entgegen: Laut Mitteldeutscher Zeitung hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen-Anhalt Kritik an dem Vorhaben angemeldet. Argument: Der Bau gefährde mindestens 1.000 streng geschützte Feldhamster dauerhaft. Zudem sollten die vom Aussterben bedrohten Nager während des Winterschlafs ausgegraben werden.

BUND legt Widerspruch gegen Hamster-Umsiedlung ein

Gegen die Genehmigung für die Umsiedlung der Tiere legte der BUND Widerspruch ein. Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg erlaubte der Stadt daraufhin nicht, eine Ausnahmegenehmigung des Landkreises zum Ausgraben der Hamster während des Winterschlafs in die Tat umzusetzen. Damit war der vom Investor angestrebte Baubeginn im März nicht mehr zu halten.

Ein Ausweichen auf eine andere Fläche, wie es der BUND Sachsen-Anhalt und das Umweltministerium des Landes aufgrund der Hamsterpopulation favorisiert hatten, kommt für „Charlottes Garden“ laut Medienberichten nicht in Frage. Laut Geschäftsführer Fred Meijer habe eine 200.000 Euro teure Untersuchung gezeigt, dass das benachbarte Areal des Industrieparks nicht geeignet sei.

Bei einem „Krisengipfel“ am vergangenen Freitagabend in der Sangerhausener Kreisverwaltung hatte der BUND seine ablehnende Haltung noch einmal bekräftigt. In der Kritik steht vor allem der geplante dritte Bauabschnitt, ein Besucherzentrum mit Handwerkerhof und Erlebnisbereichen, wie der BUND-Landesvorsitzende Ralf Meyer gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung deutlich machte.

Lösung für Gewächshaus-Neubau greifbar

Bereits am Dienstag wollen sich BUND und Vertreter von Sangerhausen erneut treffen und unter anderem über eine Änderung des Flächennutzungsplans des Industrieparks Mitteldeutschland diskutieren. Poschmann geht der Mitteldeutschen Zeitung zufolge optimistisch in das Gespräch – eine Lösung für die wichtigen Bauabschnitte 1 und 2, bei denen es um den rund 60 Hektar umfassenden Gewächshaus-Neubau geht, sei zumindest greifbar.

 
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