Interview: „Preisgestaltung größte Herausforderung“

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BdB-Präsident Helmut Selders in seinem Büro in Haan. Foto: Gabriele Friedrich

Die wirtschaftliche Situation der Baumschulen, Insolvenzen der jüngsten Zeit, Möglichkeiten der Produktwerbung und Exportförderung sowie der Neuorientierung des Bunds deutscher Baumschulen (BdB) erörterte Verbandspräsident Helmut Selders im Interview mit der TASPO.

Herr Selders, wie läuft es gerade in der Saison?

Es ging zumindest im Rheinland relativ spät los, weil der September so trocken und sonnig war. Das hat uns im Oktober Zeit gekostet. Im November lief alles gut und erfreulich. Die Preise sind alles andere als zufriedenstellend. Da müssen wir uns sicher noch etwas einfallen lassen, wie wir die Preisgestaltung verbessern können. Dort liegt unsere größte Herausforderung.

Und dieses Preisniveau scheint auch der Grund zu sein, weshalb einige Baumschulen in ernsten finanziellen Schwierigkeiten stecken?

Über die Ursachen erfahren wir und die Öffentlichkeit immer erst sehr spät. Die erzielten Preise sind oft nicht auskömmlich. Trotzdem müssen ja weiter Aufträge geschrieben werden, dabei ist der Preiskampf enorm, und in dieser Zwickmühle steht eine Baumschule dann jeden Tag, und zwar jeder von uns.

Aber die Klagen über zu geringe Preise, die zu erzielen sind, waren vor 30 Jahren schon zu hören.

Ja, im Grunde ist die Klage immer gleich. Doch standen wir damals vor einer anderen Situation. Als wir 1982 hier in Haan begannen, haben wir noch Alleebäume per Hand ausgemacht, enorm zeitaufwendig und für die Mitarbeiter Knochenarbeit. Heute können Maschinen die gleiche Arbeit in kurzer Zeit und schonender für die Mitarbeiter erledigen. Durch Mechanisierung und Rationalisierung ist in den Baumschulen doch seit diesen Tagen viel passiert, dadurch konnten auch die Preise günstiger gemacht werden.

Warum haben sich durch Insolvenzen oder Betriebsaufgaben auch größerer Baumschulen der Markt und die Flächen noch nicht bereinigt?

So viele waren es dann auch nicht. Tatsächlich sind dann doch nicht große Produktionsflächen aus dem Markt ausgestiegen. Und um den Markt nachhaltig zu bereinigen, ist die Flächenreduktion nicht ausreichend. Erst wenn Produkte am Markt fehlen, dann kann es ein wenig besser gehen. Aber ich glaube nicht, dass dies in diesem Jahr schon passiert.

Bei der momentanen wirtschaftlichen Lage der Baumschulen – braucht der BdB da nicht eine Neuordnung nach dem Schritt des Umzugs nach Berlin?

Ohne Frage. Wir sind nicht nach Berlin gezogen, damit alles so bleibt, wie es ist. Sondern wir stellen uns neu auf, und unsere Kernprobleme können wir dort politisch direkt anbringen. Daran wollen wir stetig weiterarbeiten. Denn wir sehen weiteren Handlungsbedarf, auch um die Landesverbände zu unterstützen, die sich ja ebenfalls weiterentwickeln.

Welche Möglichkeiten sehen Sie da konkret?

Beispielsweise die Rechtsberatung, Beratung zur Betriebsübergabe, Wirtschaftsberatung, Nachbehandlung, da kann der BdB helfen. Und da können sich darüber hinaus Sparpotenziale auftun, um rationeller zu arbeiten, um nicht die Beiträge erhöhen zu müssen. Vielleicht können wir das eine oder andere Geschäftsfeld aufnehmen, da möchte der BdB mehr für seine Mitglieder tun. Eine wirtschaftliche Betätigung, wie eine Versicherung für Arbeitsrecht anbieten.

Das komplette Interview mit BdB-Präsident Helmut Selders lesen Sie in der TASPO 51/2016, die am 23. Dezember erschienen ist.

 

Leserkommentare


  1. Es ist und bleibt ein schwieriger Spagat: ökonomisch angetrieben beliefert die Baumschulwirtschaft jeden Kunden für alle Standortsituationen, andererseits können immer weniger Kunden die Gehölze effizient zum Anwuchs bringen. Hieraus resultierende Reklamationen werden nahezu ausschließlich vom Lieferbetrieb erfüllt, jedoch nicht vom Verursacher! Hierdurch sinkt die Wertschätzung des Lebewesens "Baumschulgehölz" noch weiter. Ich bin mir sicher, dass die Zeit für ein verstärktes Dienstleistungsangebot seitens der Betriebe zur Sicherung des Anwuchses genauso überfällig ist wie auch mitunter eine medienwirksame Verweigerung der Pflanzenauslieferung. Die fachlichen Abhängigkeiten müssen merklich in den Vordergrund treten!
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