Kommentar: Billig-Obstbäume bei Aldi – Chance für den Fachhandel

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So bietet Aldi Nord die Obstgehölze aktuell auf seiner Webseite an. Foto: Screenshot

Franz Josef Isensee. Foto: privat

Aldi läutet pünktlich zum Frühlingsbeginn die Obstsaison ein. Vergangene Woche bot Aldi Süd verschiedene Obstbäume von Apfel über Süß- und Sauerkirsche bis hin zu Pfirsich für 4,99 Euro das Stück an, ab heute zieht Aldi Nord nach. Der Fachhandel muss Discounter-Angebote wie diese aber nicht zwangsläufig als Bedrohung sehen. Ein Kommentar von Franz Josef Isensee, Berater für Handel und Industrie im Grünen Markt bei CO CONCEPT.

Jeder geht seinen Weg und übernimmt dafür Verantwortung

„Go your own way“ – so heißt ein Song aus den Achtzigern. Und nie war der Titel richtiger als heute. Es ist in meinen Augen Zeit- und Energieverschwendung sich über Preisangebote der Discounter oder anderer Marktteilnehmer aufzuregen oder an die Vernunft und Weitsicht der Vorlieferanten zu appellieren.

Ob es der Primelpreis mit 0,39 Euro oder aktuell Aldi mit Obstbäumen 140-180 Zentimeter in verschiedenen Sorten (und gemeint sind wohl auch verschiedene Arten) zu unglaublichen 4,99 Euro sind. Jeder geht seinen Weg und übernimmt dafür Verantwortung!

Nicht aufregen, sondern anregen lassen!

Statt sich aufzuregen empfehle ich, sich anregen zu lassen. Im aktuellen Aldi-Fall von der Inszenierung: Der Kunde sieht, was er kauft (gehen wir mal davon aus, dass die abgebildeten Pflanzen vom ersten bis zum dritten Tag der Lieferung auch so aussehen), erkennt was draus wird (gesundes Obst) und bekommt auch noch Gartenatmosphäre und Lust auf den Garten vermittelt.

Dieses Stimmungsbild entspricht natürlich nicht der Atmosphäre im Markt, könnte aber durchaus eine Anregung für die Obstpräsentation im Fachhandel unter dem Thema „Landobst“ sein.

Fachhandel kann mit seiner Obst-Vielfalt und Qualität punkten

Noch wichtiger für den Fachhandel: Aldi läutet mit dieser Werbung die Obstsaison ein, macht den Kunden Lust auf Obst und gibt dem Fachhandel die Chance seine Vielfalt aller Arten, Sorten, Marken und auch Angebotsformen zu zeigen.

Es ist doch immer so: Wo etwas sehr „Billiges“ angeboten wird, entsteht der Wunsch nach dem „Besserem“. Darauf sollte man sich konzentrieren. Aldi lenkt den Fokus aktuell auf Obst – bieten Sie jetzt das Bessere, Besondere, andere Obst und nutzen die Aktualität! Gehen Sie Ihren Weg!

 

Leserkommentare


  1. Ein hoch auf die grüne Branche... wie immer alles positiv ;)
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    208 213
  2. 1. Wer mich kennt, der weiß, daß ich ganz bestimmt nicht zu den "Heulern" zähle.
    2. Sehr geehrter Herr Isensee:
    wenn ich Ihr überaus gelungenes, durchaus gefälliges Bild eine Weile ansehe, gelange ich zu der gefühlt sicheren Erkenntnis, dass Sie selber Ihr Geld, vor allem aber Ihren Lebensunterhalt, zumindest schon eine ganze Weile nicht mehr mit dem Verkauf von Baumschulprodukten und direkter gärtnerischer Dienstleistung verdienen (mit Verlaub ...)
    3. Das was Sie, Herr Isensee, den von solchen Preis- und Marketingpraktiken immer auf's neue und in immer neuen Varianten ruinös !! betroffenen Kollegen da mit auf den Weg geben, ist zwar gut und richtig !!, lässt jedoch eine halbwegs gründliche Analyse des tatsächlichen Geschehens schmerzlich vermissen.
    Denn:
    4. Aktion und Reaktion könnten in der Tat beiden Akteuren am Markt ("Billiger Jacob" auf der einen, eine gebeutelte Branche auf der anderen Seite) hilfreich sein.
    Jedoch, und das ist äußerst fatal:
    5. Nutzt die Billigbranche nicht nur ihren "BilligModus" sondern und das ist sehr, sehr clever analysiert und nachempfunden, auch gleich den Schub der Emotionen die natürlich mit den allerersten Früglings-Sonnentagen nahezu jeden Menschen erfassen !
    Und das definitiv exakt nach Kalender, ohne den bangen Blick aus dem Fenster ...!
    Also zu Zeiten, wo der seriöse Fachmann seine Präsentation gerade mal vorbereitet, denn er tut dies nicht in 20 Grad warmen Hallen, sondern dort wo diese Ware hingehört, im Freien !!
    Ist er damit fertig und hat bei gutem Wetter endlich auch wieder Kunden, dann sind beim "billigen Jacob" inzwischen Tausend und Abertausende Pflanzen zu einem absoluten "EgalPreis" im Einkaufskorb gelandet und verstopfen, sehr oft natürlich unqualifiziert, die Gärten !!
    Und
    6. Sind diese Verkaufsmengen nicht einfach "mal eine Aktion" sondern in Bezug auf die abgesetzten Stückzahlen der Branche, durchaus im schmerzlichen zweistelligen Prozentbereich.
    Alle Kunden die hier, oftmals völlig falsch, platziert haben, sind für den Fachmarkt auf lange Zeit verloren und verprellt.
    Denn der nächste Besuch beim Profi lässt ihn ganz zweifelsfrei zu der Erkenntnis gelangen abgezockt zu werden !
    Eine Staude kostet doch nur 0,14 € !
    Ein Apfelbaum nur 4.99 € !!
    Wichtig, und das lieber Herr Isensee, könnte doch mal 'ne Analyse aus der sicheren Distanz wert sein !?, es geht nicht um "Krümel" sondern zweistellige Anteile der verkauften Artikel !
    7. Im Gegensatz zu schlechter Qualität z.B. bei Haushaltsgeräten, "eitern" die pflanzlichen Fehlkäufe nur sehr langsam oder auch fast nie wieder heraus, der Mensch hängt halt an "Liebgewonnenem".
    8. Das eigentliche Problem ist also nicht, das hier und da Aktionen gefahren werden, sondern, dass in diesem Falle mit der Umsatzmacht "der Großen" eine ganze Branche existenziell ausgehöhlt wird. Denn für "Die Riesen" sind die "durchgereichten" Volumina unter der 1 % - Marke, sie merken also fast nicht, dass sie auf Erträge verzichten oder sogar hergeben um zu stützen !!, Und da liegt der berühmte Hase im Pfeffer.
    Und ja, da bin ich sehr wohl der Meinung, gehört ein Sichtbarer Aufschrei einer gebeutelten Branche ganz klar und laut hin!
    Und ja, die Branche sollte sich, evtl. mit Unterstützung von Ihnen, lieber Herr Isensee ?!, nicht verstecken und einen solchen Massivangriff "als Chance der Inspiration" sehen (darf ich lächerlich sagen ?), sondern endlich zur Gegenoffensive übergehen !!
    Wie auch immer die geartet ist ...
    Auch große Tiere mögen "Hornet pics" nicht !
    Thomas Glaevke
    BdB Landesverband Mecklenburg/ Vorp.
    +5
    204 199

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