Klimawandel: Nur wenige Arten können ausweichen

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Der Klimawandel wird es vielen Arten künftig prinzipiell erlauben, polwärts oder in höhere Gebirgslagen vorzudringen, also in Regionen, die für sie bisher zu unwirtlich waren.

Gleichzeitig wird es für zahlreiche Arten am südlichen Rand ihres bisherigen Areals zu trocken oder zu warm. Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) ermitteln anhand von Klima- und Ausbreitungsmodellen, ob Pflanzen schnell genug nach Norden „wandern“ können, um den drohenden Verlust ihrer Lebensräume im Süden zu kompensieren. Eine Studie zum Thema ist aktuell im Fachmagazin Plos One erschienen.

In Europa verschieben sich die potenziellen Verbreitungsgebiete, also die Gebiete mit geeigneten Klimabedingungen, für die meisten Arten nordostwärts. Deshalb stellt sich die Frage: Können Pflanzen mit den prognostizierten raschen Klimaänderungen Schritt halten und ihre Areale nach Norden erweitern? Ergebnis der Studie: Nur wenige Gattungen und Arten können dem Klimawandel ausweichen.

Nur wer sich rasch vermehren und über weite Distanzen ausbreiten kann, wird das potenzielle Verbreitungsgebiet unter zukünftigen Klimabedingungen vollständig ausfüllen können. Arten, die nur wenige Samen produzieren oder grundsätzlich in der Nachbarschaft bleiben, sind dadurch im Nachteil.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele Arten möglicherweise nicht in der Lage sind, schnell genug zu wandern, um ihr mögliches zukünftiges Verbreitungsgebiet vollständig zu erreichen“, sagt Umweltwissenschaftlerin Sarah Cunze, „denn die modellierten Arealverschiebungsraten liegen meist über den modellierten Migrationsraten. Das bedeutet, dass viele der untersuchten Arten potenziell ausbreitungslimitiert sind und deshalb den im Süden ihres Verbreitungsgebietes drohenden Arealverlust im Norden nicht ausgleichen können.“ Die meisten Pflanzenarten werden große Teile ihres potenziellen zukünftigen Areals über natürliche Samenausbreitung nicht erreichen können.

Geum urbanum (Echter Nelkenwurz) ist ein Beispiel für eine Art, die gut an die – unter Umständen schnellere – Tierausbreitung angepasst ist. Durch hakenförmige Anhängsel bleiben die Samen gut im Fell hängen und können über große Strecken transportiert werden. Doch selbst solche spezialisierten Arten sind ausbreitungslimitiert und werden nur einen geringen Teil ihres potenziellen neuen Verbreitungsgebietes besiedeln können, berichtet Sarah Cunze, Loewe Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F, Senckenberg). (ts)

 

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