Interview: „Wir halten an Glyphosat fest“

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Viele Baumärkte haben glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel ausgelistet . Foto: Katrin Klawitter

Bettina Wenger, Brand Manager Central Europe Roundup. Foto: privat

Dr. Thoralf Küchler, Sprecher Monsanto Deutschland. Foto: privat

Keine Frage – Glyphosat spaltet. Während Kritiker davon ausgehen, dass es wahrscheinlich krebserregend ist, argumentieren Befürworter mit der Sicherung der Welternährung und folglich mit Glyphosat als Lebensretter. Im aktuellen TASPO GartenMarkt nehmen Dr. Thoralf Küchler, Monsanto, und Bettina Wenger, Scotts Celaflor, Stellung zu dem umstrittenen Herbizid.

Viele Baumärkte haben glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel ausgelistet – nicht zuletzt auf Druck der öffentlichen Meinung. Sie wollen trotz der Diskussionen aber weiter an dem Wirkstoff festhalten?

Bettina Wenger: Der DIY hat grundsätzlich kein fachliches Problem. Doch um nicht am Pranger zu stehen, haben sich viele Baumärkte zur Auslistung entschieden. Wir sehen aber die Signale aus dem Handel: Wenn die Wiederzulassung durch ist, wird der eine oder andere wieder zurückkommen.

Was passiert aber nach 18 Monaten, sollte die Zulassung nicht verlängert werden?

Dr. Thoralf Küchler: Weil parallel zum Zulassungsverfahren von Glyphosat auf EU-Ebene das chemikalienrechtliche Verfahren durch die ECHA für Glyphosat lief, war die Kommission der Auffassung, die Entscheidung der ECHA abzuwarten, um dann in 18 Monaten erneut darüber abzustimmen, ob Glyphosat für weitere 15 Jahre verlängert werden kann.
Ich gehe davon aus, dass wir in 18 Monaten eine langfristige Verlängerung des Wirkstoffs Glyphosat bekommen werden.

Was bringt Sie zu dieser Überzeugung?

Dr. Küchler: Die Ausgangssituation der Diskussion war, dass die EFSA auch nach Bewertung der Unterlagen der IARC abschließend zu einer positiven wissenschaftlichen Bewertung des Wirkstoffs gekommen ist. Die EU-Gesetzgebung sieht vor, dass die Mitgliedstaaten gemeinsam mit der EU-Kommission auf Basis der wissenschaftlichen Bewertung eine Entscheidung zu treffen haben. Diese wissenschaftliche Bewertung führte die Kommission zunächst zu dem Vorschlag, für 15 Jahre zu verlängern. An diesen positiven wissenschaftlichen Fakten hat sich nichts geändert.

Sie geben Glyphosat beziehungsweise das Produkt Roundup also noch nicht auf?

Dr. Küchler: Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass die Marke keinen Schaden erlitten hat. Der Nutzen des Produkts ist klar. Es ist das einzige Herbizid mit systemischer wurzeltiefer Wirkung. Es gibt auch keinen zweiten Wirkstoff mit diesem toxikologischen Umweltprofil. Wenn Klarheit und Sicherheit durch die langfristige Zulassung wieder da sind, wird auch die Nachfrage wieder kommen.
Und das ist auch notwendig. Denn es ist relativ unwahrscheinlich, dass man noch einmal einen Wirkstoff mit solchen einzigartigen Eigenschaften entdeckt. Die Landwirtschaft braucht Glyphosat und der Hobbygärtner auch. Wir haben keinen Wirkstoff in der Pipeline, der Glyphosat ersetzen könnte. Wir halten an Glyphosat fest.

Das komplette Interview zum Thema Glyphosat lesen Sie im TASPO GartenMarkt 37/2016, der am 16. September erschienen ist.

 

Leserkommentare


  1. Die Fragestellung, ob Glyphosat krebserregend ist oder die Welternährung sichert, ist falsch. Man kann fragen, ob Glyphosat krebserregend ist oder nicht und ob die Welternährung ohne Pflanzenschutzmittel gesichert ist oder nicht. Die erste Frage kann man wohl mit „wahrscheinlich nein“ beantworten, die zweite Frage mit „mit Sicherheit nein“.
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    1051 1096
  2. Die Landwirte sollten die nächsten 14 Monate lieber nutzen und auf Landwirtschaft ohne Glyphosat umstellen, denn auch die Energieunternehmen haben sich mit Lobbyismus und Kurzsichtigkeit gegen die Energiewende gesträubt und müssen nun die Rechnung bezahlen, genauso wie die Autoindustrie und VW, die geglaubt haben mit der Mähr vom sauberen Diesel und der Manipulation von Software weiterhin Milliardengewinne einzufahren.

    Genauso wie beim Glyphosat sind alle Gefahren für Mensch, Tier und Ökosystem dokumentiert, wie man hier in einer 12seitigen Zusammenfassung vom Umweltinstitut lesen kann:


    http://www.umweltinstitut.org/images/gen/aktionen/Roundup/Studien-Glyphosat.pdf

    Auch die Lobbyarbeit des BfR (allein 3 der 13 Glyphosat Experten arbeiten für die Glyphosathersteller BAYER und BASF), der Efsa und WHO, JMPR, der FAO für die Chemiekonzerne wurde bereits von zahlreichen Medien, wie dem ARD, ZDF, The Guardian, SPIEGEL aufgedeckt.

    https://www.youtube.com/watch?v=GdZ4b_5cDRQ



    6 europäische NGOs verklagen daher auch aktuell Monsanto, BfR und die Efsa vor dem EU Gericht wegen der Vertuschung von Studienergebnissen. 
Aktuell wird Monsanto auch in den USA verklagt, weil die einst geheimen, aber nun durch den US Senat veröffentlichten Glyphosatstudien aus den 70/80er Jahren belegen, dass Monsanto schon damals Studien gefälscht hat, um die Zulassung zu erhalten.

    http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/vorbeugung/geheime-studien-aufgetaucht-us-forscher-erzwingen-herausgabe-geheimer-studien_id_5140118.html

    Denn auch 1985 hatte die EPA in den USA Glyphosat als krebserregend eingestuft, bis 1991 die Monsanto Mitarbeiter in den Zulassungsbehörden als Berater eingestellt wurden, und auf einmal Glyphosat wieder zugelassen wurde.

    Daher sollten die Landwirte nicht all zu sehr überrascht sein, wenn die RoundUp und Co Zulassung nicht verlängert wird.

    Denn die Chemiekonzerne, wie Syngenta, BAYER, BASF, DuPont und Co verdienen nicht nur mit Pestiziden, wie Glyphosat jährlich Millionen, sondern vor allem mit Medikamenten gegen Krebs, Autoimmunkrankheiten, Hormonschädigungen, Leber- und Nierenschäden… zufälligerweise alles Krankheiten, die in unabhängigen wissenschaftlichen Studien als Folge der Aufnahme von Glyphosat bei Mensch und Tier diagnostiziert wurden, wie man hier in den über 750 wissenschaftlichen Publikationen nachlesen kann:

    http://gmofreeusa.org/research/glyphosate/glyphosate-studies/
    -18
    512 530
  3. Guten Tag,
    ja Roberta hat völlig Recht, da werden die Menschen erst Krank gemacht, damit man die ach so hilfreichen Medikamente verkaufen kann.
    Hersteller sind meist die selben Firmen, oder komplizierte Firmenverbunde, zur Verschleierung.
    Keiner der Verantwortlichen, aus welchen Gründen auch immer, (evtl. Geld?), will das erkennen.
    Da wird nur unqualifiziert hin und her geredet.
    Der eine angeblich schlaue behauptet es ist Krebserregend, der andere sogenannte Gelehrte behauptet das Gegenteil. Es geht zu wie im Kindergarten.
    Glyphosat ist aber so ein gewichtiges Thema, das dafür eine Volksabstimmung nötig ist.
    Denn nicht die Bequemlichkeit und Einfachheit für die Produzenten und der Verdienst der Konzerne sollte im Vordergrund stehen, sondern einzig und alleine der Endverbraucher, der die Rückstände mit seinem Essen in seinen Körper befördert.
    Es darf nicht sein, dass finanziell abhängige darüber entscheiden was wir Essen müssen.
    Es muß daher endlich vom Volk geklärt werden, will das Volk Glyphosat im Essen, ja oder nein?
    Demokratie funktioniert nämlich von der Basis aus und nicht vom Kapital.
    Oder haben wir schon eine Kapitaldiktatur in Deutschland, Europa und der Welt?
    Ein grosser Nachteil der demokratischen Idee.
    Ich kann für meine Person nur sagen, dass das Thema Glyphosat mir wieder einmal gezeigt hat,
    dass die Menschen die dümmsten Lebewesen dieses Planeten sind!
    Statt sich zu schützen wird sich gegenseitig vergiftet!!
    Gruss Sven!
    -38
    638 676
  4. Meiner Meinung nach sollten sich die Gärtner bei ihrer Produktion nicht an den Wünschen der Industrie, sondern an denen ihrer Kunden orientieren. Und den Verbrauchern ist Umweltbewusstsein und Naturerhalt zunehmend wichtig. Am wachsenden Biomarkt sieht man, dass die meisten auch bereit sind, dafür mehr zu bezahlen.
    http://verbrauchermeinung.blogspot.de/2016/08/glyphosat-diskussion-verbraucher-hat-recht.html
    +1
    915 914

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