Recht: jetzt Investitionsabzugsbetrag prüfen

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Für den Investitionsabzugsbetrag dürfen bilanzierungspflichtige Unternehmen zum Zeitpunkt der Beantragung nicht mehr als 235.000 Euro Betriebsvermögen aufweisen. Foto: Pixabay

Es gelten neue Spielregeln für den Investitionsabzugsbetrag. Zwar können Unternehmen mehr Gestaltungsoptionen nutzen, doch müssen sie gleichzeitig Stolperfallen beachten. Viele Unternehmen nutzen den Investitionsabzugsbetrag als steuerliches Gestaltungsinstrument.

Die Aussichten sind verlockend: Firmenlenker können für zukünftige Anschaffungen bis zu 40 Prozent der Ausgaben geltend machen – und zwar für einen Investitionszeitraum von drei Jahren im Voraus. So lassen sich der Gewinn deutlich schmälern, Steuerabgaben senken und die Liquidität erhöhen. Doch Unternehmen sollten nicht die steuerlichen Fallstricke aus dem Blick verlieren. Schnell drohten erkleckliche Nachzahlungen samt Zinsen von sechs Prozent jährlich.

Mehr Spielraum beim Investitionsabzugsbetrag

Beim Investitionsabzugsbetrag gibt es jetzt mehr Spielraum. Bisher mussten Firmen Kosten für die geplante Investition genau darlegen und einen konkreten Abzugsbetrag veranschlagen. Die Summe war über den gesamten Investitionszeitraum hinweg bindend. Diese Bindung hat der Fiskus nun aufgehoben.

Ergibt sich innerhalb des Investitionszeitraums ein Mehrbedarf, können Firmen den Betrag entsprechend aufstocken und damit den Mehrbetrag in einem Folgejahr steuerlich geltend machen. Unternehmer können künftig den Betrag nachträglich bis auf maximal 40 Prozent der Investition und höchstens 200.000 Euro aufstocken.

Nachträgliche Aufstockung bietet attraktive Potenziale

Gleiches gilt auch für Investitionsabzugsbeträge, die für 2015 oder früher beantragt wurden. Eine nachträgliche Aufstockung bietet attraktive Potenziale. Firmen sollten bei anstehenden Investitionen diese Option mit ihrem steuerlichen Berater ausloten.

Schnell erhöht sich im Zuge einer Betriebsprüfung der steuerpflichtige Gewinn. Zur Gewinnminderung kommt ein nachträgliches Aufstocken des Investitionsabzugsbetrags nicht in Betracht. Stattdessen können Unternehmen womöglich im Nachhinein einen neuerlichen Investitionsabzugsbetrag beantragen.

Ob das rechtens ist, darüber hat derzeit der Bundesfinanzhof bei drei Revisionsverfahren zu entscheiden (BFH, Az. X R 15/14, IV R 9/14 und I R 31/15). Firmen sollten sich die Nutzung des Investitionsabzugsbetrages mit Hinweis auf die anhängigen BFH-Verfahren offenhalten.

Firmen müssen den Investitionsabzugsbetrag nicht mehr für ein bestimmtes Wirtschaftsgut bilden

Auch bei der Antragstellung sind Unternehmen flexibler als bisher. Das Finanzamt benötigt bei Anträgen ab Steuerjahr 2016 keine sogenannte Funktionsbenennung. Das heißt, Firmen müssen den Investitionsabzugsbetrag nicht mehr für ein bestimmtes Wirtschaftsgut bilden, sondern können ihn flexibel zuweisen.

Dennoch: Unterbleibt die Investition, macht das Finanzamt die Abzugsbeträge rückgängig. Folge ist eine kostspielige Nachversteuerung. Firmen sollten einen Investitionsabzugsbetrag nur in Anspruch nehmen, wenn eine konkrete Investition geplant ist.

Ab Steuerjahr 2016 müssen Unternehmen neue Grenzwerte einhalten. Wird ein Wirtschaftsgut angeschafft, muss es bis zum Ende des auf die Anschaffung folgenden Jahres zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden. Zum Zeitpunkt der Beantragung dürfen bilanzierungspflichtige Unternehmen nicht mehr als 235.000 Euro Betriebsvermögen aufweisen. Wer seinen Jahresabschluss anhand einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellt, darf nicht mehr als 100.000 Euro Gewinn machen. Betriebe der Land- und Forstwirtschaft dürfen höchstens einen Wirtschaftswert von 125.000 Euro haben.

Voraussetzungen für Investitionsabzugsbetrag gehen bei Überschreiten der steuerlichen Grenzwerte verloren

Schnell sind die steuerlichen Grenzwerte überschritten und die Voraussetzungen für den Investitionsabzugsbetrag gehen verloren. Beispiel: Im Rahmen einer Betriebsprüfung stellt sich heraus, dass ein Unternehmer sein Privat-Kfz im Antragsjahr zu mehr als 50 Prozent betrieblich nutzte. Damit wird es automatisch der Firma zugeordnet und erhöht das Betriebsvermögen auf über 235.000 Euro. Der Investitionsabzugsbetrag war somit unzulässig und der Unternehmer muss Steuern nachzahlen.

Firmen sollten sich mit den Bedingungen für den Investitionsabzugsbetrag eingehend vertraut machen. Ansonsten geht die nächste Betriebsprüfung womöglich mit einer bösen Überraschung einher.

Stefan Rattay ist Steuerberater in der Kanzlei WWS, Aachen.

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