Freispruch für Baumkontrolleur

Das Amtsgericht Augsburg verhandelte am 25. September 2023 wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen einen Baumkontrolleur und sprach diesen frei.


Bei Kinderspielplätzen ist die Sicherheitserwartung auch im Hinblick auf Gefahren durch Bäume erhöht. (Foto: M. Borowski)

Der Baumkontrolleur wurde angeklagt, nachdem 2021 ein Ahorn auf einem Spielplatz umstürzte. Dabei wurden eine Frau und ein Kind verletzt. Das Kind verstarb wenig später an den schweren Verletzungen.
Das Gericht hatte aufzuklären, ob der Baumkontrolleur einen für das Unglück ursächlichen Pilzbefall erkennen und eine eingehende Untersuchung veranlassen musste. In dem Prozess sagten drei Sachverständige aus und kamen teilweise zu unterschiedlichen Bewertungen.
Letztlich folgte das Gericht der Auffassung, dass die Regelkontrolle ordnungsgemäß durchgeführt worden sei und dem Baumkontrolleur kein Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Nach Presseangaben forderten Staatsanwaltschaft und Verteidigung einen Freispruch. Das Urteil sei unmittelbar rechtskräftig geworden.

Schwierige Rechtsfragen

In dem Verfahren waren schwierige Rechtsfragen zum Sorgfaltsmaßstab bei Baumkontrollen zu klären. Es ist zu erwarten, dass das Gericht ­dazu Näheres in der noch nicht veröffentlichten Urteilsbegründung ausführen wird. Da bislang wenig Rechtsprechung zu strafrechtlichen Risiken bei der Baumkontrolle existiert, sind die Urteilsgründe von besonderem Interesse.

Kommentar zu dem Urteil von Martina Borowski:

Es war ein wichtiges Signal für die Baumpflege-Branche: der Freispruch für den Baumkontrolleur in Augsburg. Er war wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt gewesen, weil ein von ihm kontrollierter Baum auf einem Spielplatz umgestürzt war und eine Frau schwer verletzt und ein Kleinkind getötet hatte. Schon damals, 2021, ging der Fall durch die Medien und auch jetzt, als er beim Amts­gericht Augsburg verhandelt wurde, war sehr viel Presse vor Ort. Entscheidend ist nach Baumunfällen immer die Frage, was bei der Baumkontrolle hätte erkannt werden müssen/können. Und in dem Zusammenhang auch darum, wie intensiv ein Baum kontrolliert werden muss.
Ein solcher Unfall und Prozess wirft ein Schlaglicht auf den ganzen Berufsstand, der sich um die Bäume im öffentlichen Raum kümmert. Vielen Bürger:innen ist gar nicht klar, dass es eine Verkehrssicherungspflicht für Bäume gibt und sie deswegen auch regelmäßig kontrolliert werden.
Wie oft welcher Baum wie intensiv kontrolliert werden muss, ist dabei auch in der Fachwelt ein viel diskutiertes Thema. Auch wenn die Baumkontrollrichtlinien der FLL inzwischen als Standardwerk gelten und gute Orientierung geben, löst ein so tragischer Unfall wie der in Augsburg Verunsicherung aus: Hätte der Baumkontrolleur den Baum doch noch intensiver untersuchen müssen?
Hinterher ist man natürlich oft schlauer, aber bei allen Bemühungen um die Sicherheit von Bäumen muss klar sein, und das hat das Amtsgericht Augsburg mit seinem Urteil bestätigt, dass es keinen 100 Prozent sicheren Baum gibt. Und man darf die Anforderungen an die Sicherheit nicht so hoch schrauben, dass man keine Bäume mehr erhalten kann. Trotzdem müssen die Baumverantwortlichen aus solchen Fällen nach Möglichkeit lernen und ihre Baumkontrollen gut organisieren (und dokumentieren). Damit so schlimme Unfälle die absolute Ausnahme bleiben.