Neue Übersetzungshilfe im Wirrwarr der europäischen Ausbildungsabschlüsse

0

Bin ich nun ein "Maestro", "Campeón" oder ganz was anderes, wenn ich meinen Meister- oder Technikerabschluss aus Alemania in Spanien erklären möchte? Für mehr Transparenz im europäischen Gewirr verschiedener Abschlüsse soll nun der "Europäische Qualifikationsrahmen (EQR oder englisch EQF) für lebenslanges Lernen" sorgen. Er wurde am 23. April 2008 vom Europäischen Parlament und dem Europarat beschlossen. Er soll für alle Bildungsabschlüsse in Europa eine Übersetzungshilfe darstellen und bezieht die im so genannten Bologna-Prozess in die deutsche Hochschullandschaft eingewanderten Bachelor- oder Master-Abschlüsse, durch die sich auch die Studieninhalte geändert haben, mit ein. Seitens der EU gibt es die Empfehlung, dass die Mitgliedsländer ihre nationalen Qualifikationssysteme bis 2010 an den EQR koppeln. Ab 2012 sollen Zeugnisse und Diplome einen EQR-Verweis enthalten. Kernstück des EQR sind seine acht Referenzniveaus, die das gesamte Spektrum von den elementaren bis zu den höchsten Qualifikationen abdecken. Einbezogen sind dabei sowohl die all-gemeine und die Erwachsenenbildung ebenso wie die berufliche Aus- und Weiterbildung und die höhere Bildung, die durch den Bologna-Prozess in Deutschland auch strukturelle und inhaltliche Änderungen erfahren hat. Jedes der acht Niveaus wird durch eine Reihe von Deskriptoren definiert, die die Lernergebnisse beschreiben, die zum Erlangen des Niveaus entsprechender Qualifikationen in allen Qualifikationssystemen erforderlich sind. Doch wie lautet dieser nun für einen Meister? Laut Dr. Karl-Heinz Kerstjens, Leiter des Gartenbauzentrums Essen und Standort einer Fachschule für die Meisterausbildung im Gartenbau, steht die genaue Einstufung noch nicht fest. Tatsache ist, dass die universitären Bildungsgänge die oberen drei Stufen der acht Niveaus, denen die Abschlüsse zugeordnet werden, beanspruchen. Dem sei nicht zu widersprechen, solange sie diese nicht für sich allein reserviert wissen wollen, so Kerstjens. Das Positionspapier der Deutschen Wirtschaft vom 28. März 2008 zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), der gemäß Vereinbarung der Bundesregierung mit der Kultusministerkonferenz (KMK) gerade erarbeitet wird, sieht das anders. Danach sollten, so lautet die Vorstellung der Wirtschaft, die Meisterqualifikation beispielhaft zu Niveau 6 gehören, parallel zum Abschluss Bachelor, und die geprüften Betriebswirte zum Niveau 7, parallel zu den Mastern. Da EQR und DQR eben keine Bildungsgänge beschreiben, sondern erreichte Kompetenzniveaus, sei dieses Ergebnis mit den dort getroffenen Aussagen zu Fach-, Sozial- und Personalkompetenz auch sehr gut nachvollziehbar. Die Zuordnung der jeweiligen Abschlusstypen werden sicher nicht die Fachschulen vornehmen, ist Kerstjens überzeugt, sondern ein übergeordnetes Gremium wie die KMK. Und dann auch nicht von der KMK alleine, da sie ja "nur" für die schulischen Abschlüsse zuständig ist, sondern von der Bundesregierung mit der KMK zusammen. Zu erwartende Abgrenzungsprobleme, wie durch den im Handwerk diskutierten Zusatz "Bachelor professional" gegenüber dem Bachelor als Ergebnis eines Studiums, gibt es laut Kerstjens allerdings schon heute. Dies zeige sich in Stellenangeboten im Gartenbau wie "Ingenieure/Meister" oder "Ingenieur/Techniker". Er machte allerdings auch darauf aufmerksam, dass im EQR nicht die Bildungsgänge, ihre Dauer oder die Bildungseinrichtung verglichen werden, sondern die erreichten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das deutsche duale Ausbildungssystem beispielsweise ist also kein Kriterium, aber die damit erworbenen Qualifikationsinhalte. Mehr unter ec.europa.eu/education/policies/educ/eqf/

 

Leserkommentare


Leider gibt es zu diesem Artikel noch keine Kommentare, schreiben Sie doch den ersten Kommentar!

Diesen Beitrag kommentieren

Benutzeranmeldung

TASPO Login

TASPO NEWSLETTER

Newsletter abonnieren

Meistgelesene Artikel

3

In den Medien ist das Thema illegale genveränderte (GVO) Petunien nach wie vor präsent – allerdings fällt dabei oft unter den Tisch, wie engagiert die einzelnen Züchter darauf reagieren und wie sie sich dafür einsetzen,...

Mehr

Sechs Tonnen Bio-Minigurken musste Gärtner Franz Hagn aus dem unterfränkischen Segnitz innerhalb kürzester Zeit zum Discountpreis an Direktkunden verschleudern. Sonst wäre die Ware vernichtet worden. Er hadert mit...

Mehr

Drei neue Standorte erwirbt Dehner durch die Übernahme der Gartencentergruppe Münsterland. Sie liegen in Münster, Osnabrück und Rheine. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Mehr