Der verbotene Apfel: Protestaktion gegen gesetzliche Auflagen

0

Das Manifest „Der verbotene Apfel“ und die gleichnamige neue Sorte. Foto: Lubera

Markus Kobelt (r.) präsentiert auf der IPM seine Aktion „Der verbotene Apfel“. Foto: Lubera

„Der verbotene Apfel“ – mit dieser Aktion sowie einer neuen Sorte gleichen Namens protestiert Lubera gegen die seit Jahresbeginn geltenden gesetzlichen Auflagen für Züchter und Einschränkungen für die Handelbarkeit neuer Obstsorten.

Neue Obstsorten: bisher zwei Möglichkeiten für Markteinführung

Ein Züchter einer neuen Obstsorte hatte bisher zwei Möglichkeiten, sie auf den Markt zu bringen: Er konnte Sortenschutz beim Bundessortenamt beziehungsweise einem anderen europäischen Sortenamt beantragen oder sie ohne Prüfung und Sortenschutz nur mit einer Marke versehen herausbringen.

Durch eine neue Durchführungsrichtlinie im Saatgutverkehrsgesetz ist jeder Inverkehrbringer einer neuen Sorte nun jedoch verpflichtet, diese bei einem europäischen Sortenamt kostenpflichtig zuzulassen. Damit wurde zu Beginn dieses Jahres ein Beschluss des Rates der EU aus dem Jahr 2008 umgesetzt.

Ziel ist die „… Registrierung von Versorgern und die Eintragung von Sorten in ein gemeinsames Sortenverzeichnis.“ Als neue Sorte gilt hier eine Sorte, die erstmals im Jahr 2012 angeboten wurde.

Zulassung neuer Sorten kostet Zeit und Geld

Dazu muss die neue Sorte amtlich geprüft und genau beschrieben werden. Und das kostet Zeit und Geld. Nach Auskunft von Erik Schulte, Bundessortenamt, kostet die Zulassung einer Apfelsorte in einem Beispielfall zurzeit 4.410 Euro. Die Gebühren werden für die Anmeldung, die Prüfung auf dem Feld und die amtliche Beschreibung der Merkmale fällig.

Eine Ausnahme sieht die Richtlinie nur vor für Sorten von geringem wirtschaftlichen Interesse, die nur national und in kleinen Stückzahlen vermehrt werden.

Weniger Züchtung, Innovation und neue Sorten durch Auflagen?

Für Markus Kobelt, Obstzüchter und Inhaber der Lubera AG, ist das zu viel: „Damit wird es unmöglich oder einfach zu teuer, neue Nischensorten ohne Sortenschutz oder nur mit dem günstigen Markenschutz auf den Markt zu bringen“, schreibt er in seinem Manifest „Der verbotene Apfel“. Das führt „zu weniger neuen Sorten, weniger Züchtung, zu weniger Innovation und Kreativität“, so Kobelt weiter. 

„Die EU stoppt die Evolution“, heißt es in Kobelts Manifest, denn letztendlich entscheiden die Anbauer selbst, ob eine neue Sorte gut ist und sich am Markt behauptet, oder ob sie wieder verschwindet. Dies geschehe auch ohne amtliches Prüfverfahren.

„Verbotener Apfel“ süß und aromatisch

Um seinem Unmut über die neue Handelsauflage zum Ausdruck zu bringen, präsentierte Kobelt auf der IPM eine neue eigene Sorte als „Verbotenen Apfel“ – ohne amtliche Zulassung. Die Herbstsorte mit süßem aromatischen Geschmack konnte auf dem Stand verkostet werden.

Kobelts Manifest „Der verbotene Apfel“ können Sie hier als PDF downloaden.

Was verschiedene Experten – darunter Erik Schulte vom Bundessortenamt oder Sabine Fey vom Obstlizenzgeber Artevos – von der neuen Pflicht zur Sortenzulassung halten, lesen Sie in der TASPO 7/2017, die am 17. Februar erscheint.

 
Das könnte Sie auch interessieren

Leserkommentare


Leider gibt es zu diesem Artikel noch keine Kommentare, schreiben Sie doch den ersten Kommentar!

Diesen Beitrag kommentieren

Benutzeranmeldung

TASPO Login

TASPO NEWSLETTER

Newsletter abonnieren

Meistgelesene Artikel

3

Eigentlich arbeitet Marco Tidona als Software-Entwickler. Ein Zufall brachte ihn dazu, sich mit der Urban Farming-Szene in New York vertraut zu machen. Jetzt führt Tidona aponix – ein vertikales Anbau-System für den...

Mehr

Mammutblatt und afrikanisches Lampenputzergras sind auf der EU-Liste der invasiven Arten gelandet. Eine Entscheidung, die laut Zentralverband Gartenbau (ZVG) revidiert werden muss.

Mehr

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit des Zierpflanzenbaus zeigt: Es gibt Nachfolgen innerhalb oder außerhalb der Familien, Übernahmen und Eingliederungen der Flächen in andere Unternehmen sowie Verpachtungen. Was es...

Mehr