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Interview: Haskap – „Wunderbeere“ mit viel Potenzial

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Ob frisch, im Müsli oder als Saft: Haskap könnte als neues „Superfood“ den Speiseplan bereichern, ist Tadeusz Kusibab überzeugt. Der „Haskap-Pionier“ aus Polen vermehrt diese Pflanzen seit zwölf Jahren in vitro. Fachredakteurin Dr. Antje Lemke sprach mit dem Jungpflanzen-Spezialisten über die „alte Neuentdeckung“ Haskap und ihr Marktpotenzial.

Warum wird Haskap gerade jetzt interessant? Dieses Wildobst ist ja nicht neu …

Immer mehr Menschen wollen sich gesund ernähren – da passt Haskap (Lonicera caerulea var. kamtschatica) einfach in den aktuellen Trend. Die Früchte haben viele gute Eigenschaften, sind geeignet für Verarbeitung und Handel, und die Pflanzen sind recht einfach zu kultivieren. Außerdem haben wir heute viele gute Sorten zur Verfügung. Früher galt Haskap in Polen übrigens als „Vogelbeere“ …

Ist denn jetzt ein guter Zeitpunkt, in die Produktion von Haskap einzusteigen?

Ja und nein. Sicher sind die Verbraucher heute offen für „Superfoods“, und gerade Beeren sind sehr beliebt. Andererseits ist Haskap eben nur eine Frucht von vielen – und „Markt ist Markt“.

Es kann Jahre dauern, bis eine neue Obstsorte am Markt Erfolg hat, wie das Beispiel Heidelbeeren zeigt. Haskap ist immer noch ein Nischenprodukt, das vermutlich nicht die Beliebtheit von Heidelbeeren erreichen wird.

Wie beurteilen Sie die künftige Entwicklung für Haskap?

Ich glaube an den Wert der Beere und bin überzeugt, dass sie künftig eine größere Rolle spielen wird – auch wenn ich keine „Explosion“ am Markt erwarte. Haskap ist keine Kultur für großflächigen Anbau in südlichen Regionen, da sie im Winter über tausend Stunden Dormanz benötigt.

Eine weitere Einschränkung kann der Mangel an Arbeitskräften sein, denn nicht alle Sorten sind gut maschinell zu ernten. Die Zukunft liegt sicher eher in Skandinavien, Deutschland oder Polen.

Nur wenige deutsche Baumschulen haben bisher Interesse gezeigt. Bislang haben wir für Deutschland Haskap-Pflanzen für sieben Hektar produziert; so langsam steigen aber die Bestellungen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne für Haskap aus?

Mein Ziel ist, die Eigenproduktion von Beeren auszuweiten und diese in einigen Jahren auch selber zu verarbeiten – zum Beispiel als Saft oder gefriergetrocknete Früchte. So können wir unabhängiger sein. Denn der Absatz von Früchten ist in Polen im Moment schwierig, nachdem der Markt hier letztes Jahr zusammenbrach und die Preise fielen.

Das hing damit zusammen, dass die polnischen Behörden Haskap für illegal erklärten. Nachdem die Beeren nun aber nach der EU-Novel-Food-Verordnung zugelassen sind, dürfte es wieder aufwärts gehen.

Mehr über die „Wunderbeere“ Haskap lesen Sie in der Deutschen Baumschule 02/2019, die Sie im TASPO Online-Shop abrufen können.

Darüber hinaus können Sie hier eine Literaturliste von Tadeusz Kusibab zum Thema Haskap als PDF downloaden.