Poinsettien 2022: Der Preis müsste um 30 Prozent steigen

Veröffentlichungsdatum: , Norbert Elgner, Marketingberater

Um wirtschaftlich produzieren zu können sind in anbetracht der Kostenexplosionen Preisanpassungen im zweistelligen Prozentbereich nötig. Foto: Brian Forsyth/ Pexels

In Anbetracht der enormen Kosten- und Preissteigerungen stand bereits in der Saison 2021 ein deutlicher Preisanstieg der wärmebedürftigen und somit heizintensiven Poinsettien an, den zumindest einige Erzeuger in einer Kategorie von etwa acht bis zehn Prozent auch durchsetzen konnten. 2022 werden Produzenten ihre Preise nochmals neu kalkulieren müssen.

Preisanstieg im zweistelligen Prozentbereich

Stand jetzt ist klar, dass sich die Preise schon ab Hof des Produzenten deutlich, das heißt im zweistelligen Prozentbereich, erhöhen müssen, sollen unterm Strich schwarze Zahlen geschrieben werden. Die erhöhten Kosten weiterzugeben, ist unumgänglich, denn es wird eng, wenn es um die Rentabilität der beliebten Symbolpflanze geht.

Eigene Produktion auf den Prüfstand stellen

Wo liegt unter den betriebsindividuellen Gegebenheiten der Break-Even-Point, die Schmerzgrenze? An welchen Stellschrauben ist zu drehen, um am Markt noch mithalten zu können? Müssen Sortiment, Qualitäten, Absatzzeiten und Mengen neu überdacht werden? Ist der bisherige Absatzweg richtig oder gibt es Alternativen, die mehr Erfolg versprechen? Führt ein Kulturwechsel zu besseren Ergebnissen? Allerdings sind die Alternativen in der Zeit von August bis Dezember für Unterglasbetriebe sehr beschränkt. Bietet ein Ausstieg aus der Produktion und die Hinwendung zum Einzelhandel oder zum Dienstleistungssektor mehr Chancen? Die richtigen und ehrlichen Antworten auf diese Fragen erfordern es, sich mit Daten und Fakten zu beschäftigen. Ziel für jeden Betrieb sollte es sein, herauszufinden, auf welchem Niveau sich aktuell die Stückkosten für Poinsettien ab Hof bewegen.

30 Prozent höhere Preise für den Endkunden?

Ein Vergleich zu früheren Berechnungen (Gärtnerbörse Juni 2017) zeigt, dass sich die Stückkosten ab Hof um 35 bis 40 Prozent erhöhen. Dabei sind die Heizkosten bei Verwendung von Leichtöl der alles überragende Kostenfaktor. Was den Systemhandel anbelangt, so werden sich die Mehrkosten nicht einfach in voller Höhe durchsetzen lassen – es sei denn, der Konsument zeigt sich bereit, für den 12er-Topf statt bisher 2,99 Euro pro Stück jetzt etwa 4,49 Euro (plus 50 Prozent), für den 13er-Topf jetzt etwa 6,49 (plus 30 Prozent) und für den 23er-Topf nun etwa 12,99 Euro pro Stück (plus 30 Prozent) zu bezahlen.

Das sind Preisanpassungen, die für gute Qualitäten nicht utopisch anmuten. Ob sie sich durchsetzen lassen, bleibt abzuwarten. Nicht zuletzt sind sie auch eine Frage der Wertschätzung für das Produkt, etwa durch die entsprechende Präsentation der Ware. Leider geben hier vor allem große Warenketten oft ein sehr mäßiges Bild ab.

Tabellen zum Download

Detaillierte Kalkulationen zur Kosten-Erlössituation bei Poinsettien lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Gärtnerbörse 3/2022. Berechnet wurden sie anhand der Aussagen von sieben Betrieben mit einer beachtlichen Poinsettienproduktion. Weitere Tabellen, die der vorgestellten Kalkulation zugrunde liegen, finden Sie hier zum Download.