Torf: Streit um Treibhausgas-Emissionswerte

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Das in Deutschland abgebaute Torfvolumen hat sich aktuellen Berechnungen zufolge in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Foto: Peggy Marco/Pixabay

Beträchtliche zwei Prozent an den deutschen Treibhausgas-Emissionen mache die Nutzung von Torf aus, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium den Baumärkten und dem LEH unlängst in einem Brief mit. Dieser Wert sei viel zu hoch angesetzt, der CO2-Ausstoß durch Torf liegt nur bei 0,13 Prozent und beträgt damit ein Sechzehntel des veröffentlichten Werts, errechnete dagegen ein unabhängiges Ingenieurbüro im Auftrag des IVG. Die Werte unterscheiden sich damit beträchtlich.

Laut IVG-Faktencheck veröffentlichte BMEL viel zu hohen Wert

Die Berechnungen des Ingenieurbüros Hofer & Pautz (Altenberge) weisen unter anderem darauf hin, dass die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMEL) zugrunde gelegten Berechnungen auf zu viel Abbauflächen beruhen und fälschlich auch Emissionen von importiertem Torf mit einfließen, die eigentlich dem Abbauland zugerechnet werden müssten. Zudem weist der Bericht aus, dass sich das in Deutschland abgebaute Torfvolumen in den letzten Jahrzehnten stark reduziert hat, damit auch die daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen: Sie lagen von 2017 bis 2019 im Schnitt bei 1,13 Millionen Tonnen CO2e (CO2-Äquivalente), 2012 noch über 1,7 Millionen Tonnen CO2e.

BMEL: Selbstverpflichtung der Industrie zur Torfreduzierung reicht nicht

Dem BMEL ist das zu viel, vor allem aber ist ihm die Selbstverpflichtung der Torfindustrie zur Torfreduktion nicht genug: „Damit liegt die Torfindustrie weit hinter den Zielsetzungen der Bundesregierung im Klimaschutzprogramm 2030“, stellt das Ministerium fest. Deshalb habe es sich an die großen Absatzmittler gewandt, auf die genannten Ziele der Bundesregierung aufmerksam gemacht und darum gebeten, darzulegen, wie die Absatzmittler gedenken, diese Ziele zu erreichen. „In diesem Schreiben ist durch ein Büroversehen irrtümlich eine falsche Verhältniszahl verwendet worden“, räumt das Bundeslandwirtschaftsministerium ein.

Adressaten des BMEL-Schreibens wie der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) äußern viel Verständnis für die Bemühungen der Branche: „Der BHB unterstützt durch die gemeinsame Erklärung der Branchenverbände (TASPO Online berichtete) grundsätzlich die Position der produzierenden Industrie. Der Weg in die Torffreiheit ist beschwerlich, aber sinnvoll und richtig“, so BHB-Hauptgeschäftsführer Peter Wüst. Strittig seien aber die zeitlichen Schritte. Der Zahlendreher des Ministeriums sollte in diesem Zusammenhang aber nicht überbewertet werden.

Download: Faktencheck und Faktenblatt des IVG

► Mehr zum Thema Torfreduktion und CO2-Emissionen lesen Sie in der TASPO 38/2020. Außerdem können Sie hier den IVG-Faktencheck „Treibhausgas-Emissionen aus dem Einsatz von Torf in Blumenerden“ sowie das IVG-Faktenblatt „Kultursubstrate und Hobbyerden – die wichtigsten Fragen und Antworten“ als PDFs downloaden.