Polens Baumschulen erfreuen sich internationaler Beliebtheit

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Agnieszka Zukowska, Geschäftsführerin der Agentur „Agencja Promocji Zieleni“ und Bronislaw Jan Szmit, Mitglied des polnischen Baumschulverbandes. Foto: Kathrin Scheumann

Auch 2012 präsentierten sich wieder zahlreiche polnische Gartenbauunternehmen auf der IPM. Die Baumschulen fanden aufgrund ihres breiten Sortimentsspektrums und ihrer Leistungsfähigkeit eine große Resonanz unter den Messebesuchern. Im Interview mit Bronislaw Jan Szmit, Vorstandsmitglied des Polnischen Baumschulverbandes, erfuhren wir mehr über die Branche im östlichen Nachbarland. 

Wie hat sich die polnische Baumschulwirtschaft in den vergangenen Jahren entwickelt?

Szmit: Die polnische Baumschulwirtschaft ist einer der sich am schnellsten entwickelnden Bereiche im Agrarsektor des Landes. Schon seit Jahren verzeichnen wir beispielsweise in unserem Verband stabile Mitgliederzahlen, die jährlich nur geringfügigen Schwankungen unterworfen sind. Im Verband der polnischen Baumschulwirtschaft sind derzeit 186 Mitgliedsunternehmen vertreten. Die vier größten Baumschulgebiete befinden sich nahe Warschau, Poznan, Lublin und im Süden bei Bielsko Biala.

Wachsende Anbauflächen bedingen auch steigende Absatzzahlen. Ist das so?

Ja, was den Verkauf anbelangt, so sind die Absatzzahlen in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich gestiegen, wobei exportorientierte Unternehmen parallel am schnellsten wachsen konnten. 15 bis 20 Prozent der in Polen produzierten Gehölze werden ins Ausland verkauft. Entsprechend der klimatischen Anzuchtbedingungen eignen sich viele Arten gut für die Verwendung in Kälteregionen, wie Russland oder Skandinavien.

Die Märkte haben sich entsprechend entwickelt: Mit 20 Prozent geht der größte Exportanteil nach Russland, an zweiter Stelle folgt Deutschland mit rund 15 Prozent und dann die Niederlande mit etwa zehn Prozent. Bedeutungsvoll sind auch die Ukraine, Kasachstan, die Baltischen Republiken und Weißrussland. Der Export beschränkt sich aber nicht nur auf die genannten Länder, insgesamt sind es 40 Staaten, inklusive Japan, Südafrika und Peru, mit denen Handelsbeziehungen unterhalten werden.

Der Absatz im Inland lässt sich ebenfalls weiter steigern, wobei sich der lokale Markt nicht so schnell entwickelt wie der Bereich Export. Hier geht es aktuell darum, die Potenziale zu nutzen und weiter auszubauen. Etwa die Hälfte des Inlandsabsatzes läuft derzeit über Gartencenter und Fachgeschäfte, ein weiteres Viertel über den Garten- und Landschaftsbau. Eine kleinere Rolle spielen die Lebensmittelmärkte mit etwa 15 Prozent und der Zukauf der Baumschulen untereinander mit etwa zehn Prozent.

Was lässt sich über die Sortimentsstruktur in den Betrieben sagen?

Im Vergleich zu deutschen Baumschulunternehmen sind unsere Betriebe weniger spezialisiert, das Sortiment ist meist breit gefächert, die Containerkultur vorherrschend. Einige Unternehmen kultivieren auch im Freiland, oft ist die Jungpflanzenanzucht dann ein Schwerpunkt. Darüber hinaus beginnen neben den bereits im Segment tätigen weitere Betriebe mit der Kultur von Alleebäumen. Diese Schiene wird sich in den kommenden Jahren noch weiter entwickeln, da die Nachfrage im Inland wächst. Große Ware wird aber zum Teil auch importiert.

Wie ist der Stand der Technik in den Unternehmen?

Mit wachsendem Produktionsvolumen hat sich auch die technische Ausstattung der Unternehmen weiter entwickelt. Speziell Freilandunternehmen verfügen über moderne Schlepper und Rodemaschinen. In den Containerbaumschulen haben Bewässerungssysteme Einzug gehalten. Meist erfolgt die Wasserversorgung über Regner oder Tröpfchenbewässerung. Geschlossene Systeme spielen bei uns jedoch noch keine so große Rolle. Große Betriebe arbeiten darüber hinaus inzwischen mit einer Nährstoffversorgung auf der Grundlage von Bodenanalysen, im allgemeinen kommen aber Langzeitdünger zum Einsatz. Topfmaschinen sind allgemein üblich und der innerbetriebliche Transport wird über Fließbandsysteme geregelt. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren moderne Folientunnel und Gewächshausanlagen errichtet. Vermehrt finden sich auch Kühlräume, die es ermöglichen, frostgefährdete Bestände im Spätherbst einzulagern und frühzeitig mit dem Frühjahrsverkauf zu beginnen.

Wo liegen die aktuellen Arbeitsschwerpunkte des Verbandes und wohin sollen die Entwicklungen gehen?

Obwohl in der technischen Ausstattung der Unternehmen teilweise sicher noch Verbesserungen möglich sind, liegt das Qualitätsniveau der in Polen produzierten Gehölze mit dem in Deutschland oder den Niederlanden inzwischen gleichauf. Unser derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist deshalb das Marketing, mit dessen Hilfe vorhandene Marktpotenziale ausgebaut und neue gefunden werden sollen. Hierbei geht es einerseits um den osteuropäischen Markt, auf dem wir erfolgreich aufgestellt sind, wo sich die Verkaufsmengen aber sicher noch erhöhen lassen. Gleiches gilt für den Inlandsmarkt.

Andererseits richtet sich die Aufmerksamkeit auf Süd- und Westeuropa. Unser Ziel ist es, Verbrauchern Lust aufs Produkt zu machen und mit Qualität sowie Attraktivität zu überzeugen. In den letzten zwei bis drei Jahren haben wir uns deshalb sehr in der Imagewerbung engagiert und unsere Produkte, inklusive des Verbandslogos, verstärkt in den Medien platziert. Verschiedene Websites (zum Beispiel www.zszp.pl oder www.polskierosliny.pl) informieren über die einzelnen Unternehmen und ihre Produkte. (ks)

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 9/2012.

 

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