TASPO GartenMarkt

Als Unternehmer kreativ sein – nicht nur mit Pflanzen

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In der vierteiligen TASPO-Serie „Wirtschaftliche Kreativität“ untersuchen wir die wesentlichen Faktoren für eine erfolgreiche Unternehmensführung in Fachgeschäften – basierend auf einzelbetrieblichen Beratungen und Erfahrungen aus der Grünen Branche. Der vierte und letzte Teil zeigt auf, wie die eigene Unternehmer-Persönlichkeit das Geschäft ausmachen kann und sollte.

Kreative Präsentation zum Thema „Büropflanzen“ im Gartencenter. Foto: beyond-flora

Wie wird die Individualität intern und extern sichtbar?

Wie drückt sich die Individualität aus, was merken Kunde, Mitarbeiter und Umfeld? Hier die wichtigsten Punkte:

  • Sortimente: Oft wählen die Inhaber selbst aus, fertigen Werkstücke auch selbst und drücken so den eigenen Stil aus. Auch Mitarbeiter übernehmen das (unbewusst) – kaum einer kauft ein, was die Chefs (vermutlich) nicht mögen!
  • Erscheinungsbild und Präsentation: Dies folgt aus den Sortimenten, Erprobtes wird wiederholt und ausgefeilter gezeigt. Auch der Ladenbau und das Umfeld wird meist den Inhabern gefallen.
  • Werbung und Marketing: Oft genug selbst gestaltet, spiegelt sich auch hier der Geschmack und die kreative Ader wider.
  • Mitarbeiter: Dass es auch „menschlich“ passt, ist ein elementarer Wunsch und gleichzeitig ein „Muss“ für die Zusammenarbeit.
  • Engagement im Umfeld: Sehr genau merken viele Mitmenschen in der Umgebung, wie sich das Unternehmen im Umfeld engagiert oder eben auch nicht!

Schon mit dem Bewusstsein ändert sich viel

Welche Möglichkeiten hat nun die Grüne Branche, ihre eigene kreative Ader zu nutzen? Schon mit dem Bewusstsein ändert sich viel. Wer weiß, wie er schon unbewusst sein Geschäft beeinflusst, kann es bewusst noch viel besser! Es hilft hierbei eine übergeordnete Vision und Richtschnur. Zum Beispiel:

„Wir sind regional die Nummer Eins für modernen Blumen- und Pflanzenschmuck im Haus und drum herum. – Wir leben und erwarten einen fairen Umgang miteinander mit Handelspartnern und Kunden und stehen für stets beste Qualität und Service“. Natürlich ist es nur die besagte Richtschnur, aber einzelne Sortimente fallen so schon heraus.

Risiko: eigene Kreativität passt nicht zur Zielgruppe

Die größten Risiken im Ausleben der eigenen Kreativität im Unternehmensaufbau sind in erster Linie, wenn der eigene Geschmack und die Mentalität nicht (ausreichend) zu den Kunden oder der Zielgruppe passen. Und (vor allem in der Floristik sehr häufig), wenn die Kreativität nicht wirtschaftlich ist!

Dieser Punkt ist besonders kritisch, da er häufig zur Sinnkrise führt. Der Kunde mag die extravaganten Werkstücke nicht, der Inhaber fühlt sich missverstanden und es fehlt im wahrsten Sinn die Wertschätzung. Mit einer guten Kanalisierung der Kreativität kann aber auch die wirtschaftliche Seite der Medaille gut leben.

Gartencenter profitieren von guten Ideen im Angebotswesen

Besonders Gartencenter profitieren von guten Ideen im Angebotswesen. Schon der Klassiker „Kaufe drei, zahle zwei“ aus der Modebranche wäre fast revolutionär und sorgt vor allem für mehr Mengenabsatz im Ausverkauf. Der Vorteil solcher Aktionen: Sie sind schon gelernt, es braucht nicht viele Erklärungen!

Wesentlich kreativer sind Angebote, die verschiedene Gewerke verknüpfen. Das kann beispielsweise das Probepaket „Fleisch und Fisch“ zum Grill mit einem örtlichen Händler sein. Beide sponsern etwa den Preis und bekommen hochwertige Neukunden! Der Fleischer gibt zehn Prozent auf den Grill bei einem Grill-Einkaufspreis von „XY Euro“ – das Gartencenter bietet seinen Kunden zehn Prozent Einkaufsrabatt auf das erste Fleischpaket.

Von der Grillkohle-Flat bis zum Starterkit für den Hund

Oder es gibt für den XXL-Grill eine „Kohle-Flatrate“, wenn der Grill ab Mitte August gekauft wird (maximal zwei Sack pro Woche bis Ende September) – guter Slogan und entweder kommt der Kunde jede Woche vorbei und kauft noch etwas, oder er erzählt von der tollen Aktion! Sicher viel mehr wert als eine Preisreduktion von zwanzig Prozent!

Auch immer wieder gut sind „Starterkits“. Gibt es im Zoofachhandel bei Filialisten für Hunde und viele mehr. Der Kunde hat erst einmal alles und die Sicherheit, nichts Wesentliches vergessen zu haben! Und der Händler hat ein großes Paket verkauft mit hohem Bon.

Oder Sie verlosen verrückte Sachen: Zum Beispiel einen Einkauf „Alles, was Sie in fünf Minuten alleine an Pflanzen in unsere Schubkarre bekommen“. Denken Sie im Team doch mal kreativ nach, wie Sie abseits der „Geiz ist Geil“-Varianten echten Mehrwert schaffen und Ihr Profil beim Kunden schärfen! Gerade junge Teammitglieder können sich mit Ihren Social-Media-Erfahrungen einbringen.

Mit wahrer Kreativität im Wettbewerb differenzieren

So ist zum Beispiel die Aktion eines Endverkaufsbetriebs, der die Kunden an Muttertag gebeten hat, doch ihr eigenes Bild mit Geschenk auf Facebook zu posten, eine großartige Idee gewesen. Für einen kleinen Piccolo-Sekt haben fast alle mitgemacht. Die Bilder von Mann und Familien wurden vielfach geteilt. Das Logo des Geschäfts war dezent im Hintergrund. Eine tolle Aktion mit viel Resonanz ohne große Kosten.

Und so ist wahre Kreativität vor allem auch nicht nur im Sortiment, sondern im gesamten Unternehmen eine große Chance zur Differenzierung im Wettbewerb.

Den kompletten vierten Teil unserer Serie „Wirtschaftliche Kreativität“ lesen Sie in der TASPO 32/2018, die am 10. August erschienen ist. Darin zeigt Autor Rupert Fey, Gründer der grünen Unternehmensberatung beyond-flora, Anhaltspunkte für mehr Kreativität im Geschäft und schildert, woran Unternehmen erkennen, dass sie auf dem Holzweg sind.