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Baumschulen: Zertifizierung bleibt weiterhin Thema

Nachdem das eigene Zertifizierungssystem für gebietseigene Gehölze (ZgG) des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) im vergangenen Jahr die Diskussionen an den IPM-Messeständen wesentlich mitbestimmte, ist nun das Thema Nachhaltigkeit auch in den normalen Baumschulsortimenten in den Vordergrund gerückt. Auf die Forderungen des Marktes nach Einhaltung von Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards, die über gesetzliche Bestimmungen hinaus gehen, reagieren die Unternehmen zunächst unterschiedlich. 

Welches Label wirbt künftig für Nachhaltigkeit? Im Anerkennungssystem zur Deutschen Markenbaumschule ist ein „add on“ im Gespräch. Foto: Kathrin Scheumann

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das gegenwärtig Neuausrichtungen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen bestimmt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im Bereich der Landwirtschaft, denn es gilt, neuen Bedürfnissen einer werteorientierten Gesellschaft gerecht zu werden. Verbraucher erwarten heute erschwingliche Produkte mit hoher Qualität und gleichzeitig umwelt- und sozialverträglicher Herstellung.

Ein Relaunch für das Qualitätsmanagement-System „Deutsche Markenbaumschulen“ strebt daher der BdB an. Der Verband will damit den veränderten Anforderungen des Marktes Rechnung tragen, wie BdB-Referent Niels Sommer auf der IPM erläuterte. Deshalb seien die 2012 fälligen Prüfungen zur Anerkennung zunächst ausgesetzt und der Anerkennungszeitraum um ein Jahr verlängert worden. Bis Ende des Jahres soll das System auf eine neue Basis gestellt und auf der BdB-Wintertagung 2013 präsentiert werden. Die Neugestaltung des Logos „Deutsche Markenbaumschulen“ steht in diesem Zusammenhang ebenfalls zur Debatte.

Den Hintergrund für die künftige Neuausrichtung biete die Tatsache, dass sich der organisierte Handel bereits seit Jahren an international gültigen Qualitätsstandards in Produktion und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte orientiere, um das Verbrauchervertrauen in die Erzeugung von Nahrungsmitteln zu erhalten. Was im Bereich des Lebensmitteleinzelhandels längst Standard geworden sei, greife nun auch auf gartenbauliche Produkte außerhalb des Obst- und Gemüsebaues über, so Sommer.

Da das Qualitätszeichen „Deutsche Markenbaumschulen“ im Verlauf der letzten Jahre spürbar an Bedeutung verloren habe – unter anderem, weil die Betriebsprüfungen nicht von unabhängigen Prüfern vorgenommen wurden – habe sich bereits vor einiger Zeit die Frage gestellt, ob sich dem bestehenden System wieder mehr Wertigkeit verleihen lasse oder ob es sinnvoller sei, mit einem neuen Begriff an den Markt zu gehen. Die Entscheidung der Baumschulwirtschaft sei in dieser Frage eindeutig zugunsten eines Neustarts ausgefallen.

Ausgehend von den Anforderungen des LEH und der Baumärkte präferiert der BdB nunmehr die Zertifizierung nach GlobalGAP, beziehungsweise MPS-GAP. Im international anerkannten Nachweis der guten, fachlichen Agrarpraxis, der unter anderem Aspekte des umweltgerechten Pflanzenschutzes, der Düngung oder des Arbeitsschutzes einschließt, sieht der Verband eine gute Basis, bei der die Pflanzenqualität – bislang abgedeckt über das Prüfsiegel Deutsche Markenbaumschule – jedoch außen vor bleibe. Die von Seiten des Berufsstandes erarbeiteten Qualitätsstandards in Sachen Pflanze will der BdB daher nun mithilfe eines sogenannten „add on“ als zusätzlichen Baustein optional an die Zertifizierung knüpfen. Dann bliebe die Möglichkeit, gartenbauliche Fachkompetenz weiterhin gegenüber dem Kunden zu kommunizieren, beispielsweise auf Etiketten.

Dass die Zertifizierung für viele Produktionsbetriebe unumgänglich geworden ist, darüber besteht in der Branche kein Zweifel. Allerdings entsprechen die Unternehmen hier derzeit vor allem ihren jeweiligen Kundenanforderungen. So sind manche Baumschulen bereits MPS beziehungsweise MPS-GAP. zertifiziert, was vor allem im Bereich der Fachgartencenter gefordert wird. Hintergrund ist hier die Verknüpfungsmöglichkeit mit dem Verbraucher-Label Fair Flowers Fair Plants (FFP), das beispielsweise die Gartencenter-Kette Dehner in allen Filialen führt. Das Label FFP steht für Blumen und Pflanzen aus nachhaltigem Anbau und bezieht den Aspekt der sozialen Fairness mit ein.

International gesehen hat allerdings die Zertifizierung nach GlobalGAP einen höheren Bekanntheitsgrad als MPS und wird von den Lieferanten des Lebensmitteleinzelhandels und der Baumärkte konsequent gefordert. Die Neuausrichtung der „Deutschen Markenbaumschulen“ wird sich deshalb auch an der Zertifizierung nach GlobalGAP orientieren, wie Niels Sommer in Essen erklärte. Mit Hilfe des Zusatzbausteins „add on“ sollen die Inhalte des bisherigen Qualitätsmanagementsystems „Deutsche Markenbaumschule“ neu justiert und eine nach außen deutliche Kommunikation in Richtung Nachhaltigkeit erzielt werden. Zielstellung ist es nach den Worten Sommers, das Niveau deutlich anzuheben. (ks)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen TASPO Ausgabe 07/2012.