TASPO GartenMarkt

Betriebsergebnisse von Gärtnereien aus dem Krisenjahr 2009/10

Das Jahr 2009 liegt schon etwas zurück und die Turbulenzen um die Euro-Rettung zu Jahresende lassen schnell vergessen, wie die Situation im Jahr 2009/10 aussah, aus dem die Daten des aktuellen Kennzahlenheftes des Zentrums für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG, Hannover) stammen und die nachfolgend für einige Sparten beleuchtet werden.

Wie wirtschafte ich mit meinem Betrieb im Vergleich zur Branche. Auskunft darüber gibt der Kennzahlenvergleich. Foto: zbg

Was 2008 mit der Bankenkrise begann, setzte sich 2009 als globale Wirtschaftskrise fort. Weltweit geriet die Wirtschaft in eine Rezession und auch die deutsche Wirtschaft stürzte ab, meldete sich aber schon 2010 mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung zurück. Ursache für die vergleichsweise kurze Phase der Rezession war eine schnelle Erholung der eingebrochenen Exporte.

Obwohl die Wirtschaftskrise auch an den deutschen Gartenbaubetrieben nicht spurlos vorüberging, spielten andere Faktoren wie das Wetter, das 2009 mit einigen Extremen aufwartete, und die unter anderem daraus resultierenden Erntemengen beim Zustandekommen der Betriebsergebnisse eine ebenso wichtige Rolle. Die seit Jahren zu beobachtende Verteuerung von Energie wurde 2009 durch die von der Wirtschaftskrise ausgelöste geringere Nachfrage nur kurzfristig unterbrochen. Die Gartenbaubetriebe konnten 2009/10 von den niedrigeren Energiepreisen profitieren, denn trotz der beiden langen und kalten Winter mussten sie im Durchschnitt weniger Geld als in der Vorperiode für Heizmaterial ausgeben.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) ging das Marktvolumen für Blumen und Pflanzen 2009 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 8,57 Milliarden Euro (in Einzelhandelspreisen) zurück.

Betroffen waren sowohl die Zimmerpflanzen als auch der Beet- und Balkonbereich. 2010 setzte sich der Trend, wenn auch abgeschwächt fort. Ursache war vor allem ein schwächerer Verbrauch bei nicht-privaten Käufern. Der Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamtes verzeichnet ein im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegenes Preisniveau, das sich auch 2010 fortsetzte.

Die Betriebe der ZBG-Stichprobe konnten im Durchschnitt ihren Betriebsertrag leicht steigern. Bei stabilem Aufwand hatte dies leichte Gewinnsteigerungen zur Folge. Im Durchschnitt erwirtschafteten die Topfpflanzenbetriebe mit überwiegend indirektem Absatz 2009/10 mit etwas mehr als sieben Vollarbeitskräften auf einer Gewächshausfläche von einem Hektar und einer Freilandfläche von zwei Hektar einen Betriebsertrag von fast 800.000 Euro. Der Aufwand belief sich auf 670.000 Euro, davon entfielen 41 Prozent auf die Eigenproduktion. Größter Posten hier waren mit 18 Prozent die Aufwendungen für Saat- und Pflanzgut, weil die Betriebe relativ viel Roh- beziehungsweise Halbfertigware zukauften.

Der Aufwand für Heizmaterial ist wie in anderen Sparten auch zurückgegangen, pro Quadratmeter Gewächshausfläche sank er um zehn Prozent. Der Lohnaufwand für entlohnte Arbeitskraft blieb mit rund 23.300 Euro stabil, Spitzenbetriebe gaben im Durchschnitt fast 28.000 Euro für ihre gut qualifizierten, ständigen Arbeitskräfte aus. Der Gewinn pro Familienarbeitskraft erhöhte sich auf durchschnittlich 75.000 Euro. Aus dem Gewinn müssen die Betriebe die Familienarbeitskräfte entlohnen und das eingesetzte Kapital verzinsen, außerdem steht er für Kredittilgungen oder Neuinvestitionen zur Verfügung.

Die wirtschaftliche Situation der Topfpflanzenbetriebe hat sich 2009/10 leicht verbessert, der Betriebsertrag reichte aus, sämtliche Aufwendungen und kalkulatorischen Aufwandsposten (Lohn für die Familienarbeitskräfte und den Zinsanspruch für das eingesetzte Kapital) abzudecken. Schnell erkennen kann man dies am sogenannten Rentabilitätskoeffizienten, der dann über eins liegt. Bei den Topfpflanzenbetrieben lag er im Mittel bei 1,09. Betriebe des ersten Drittels erreichten sogar einen Wert von 1,46, das heißt, sie erwirtschafteten ein Betriebseinkommen, das die kalkulatorischen Lohn- und Zinsansätze um 46 Prozent überstieg.

Der Markt für Schnittblumen blieb von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht verschont. Die Ausgaben für Schnittblumen sanken 2009 nach Angaben der AMI um 5,2 Prozent auf 3,01 Milliarden Euro (in Einzelhandelspreisen). Der niederländische Export brach 2009 ein, besonders in Ländern, die von der Wirtschaftskrise hart getroffen waren. Zusätzlich verteuerten Währungsschwankungen niederländische Importware außerhalb der Eurozone, so dass mehr Ware dort verblieb und die Preise auf dem deutschen Markt unter Druck setzte.

2009/10 war für viele Schnittblumenbetriebe deshalb kein gutes Jahr. Der Betriebsertrag der Schnittblumenbetriebe ging nach Berechnungen des ZBG im Durchschnitt um sechs Prozent zurück, während sich der Aufwand um fast drei Prozent erhöhte. Die Betriebe erwirtschafteten im Durchschnitt mit knapp unter vier Arbeitskräften (darunter 1,6 Familienarbeitskräften) auf einer Produktionsfläche im Freiland von 1,7 Hektar und auf 6.400 Quadratmetern Glasfläche einen durchschnittlichen Betriebsertrag von 295.000 Euro bei einem Aufwand in Höhe von 245.000 Euro.

Der Aufwand für die Eigenproduktion, aus der die Betriebe zu über 90 Prozent ihr Einkommen generieren, stieg leicht. Erhöht hat sich der Aufwand für Düngemittel und Pflanzenschutz, während der Aufwand für Heizmaterial deutlich gesunken ist. Pro Quadratmeter sanken die Heizkosten im Schnitt um sechs Prozent, ihr Anteil am Betriebsertrag ging auf 11,5 Prozent zurück. Mehraufwendungen wurden vor allem durch einen höheren Personaleinsatz verursacht.

Die durchschnittliche Zahl der Vollarbeitskräfte erhöhte sich von 3,5 auf knapp unter vier. Lohnkosteneinsparungen, welche sich im gesunkenen Lohnaufwand pro entlohnte Arbeitskraft um neun Prozent zeigen, konnten dies jedoch nicht auffangen. Addiert man den kalkulatorischen Lohnansatz für die Familienarbeitskräfte zum Betriebsaufwand hinzu, überstieg im Mittel der Betriebe der Aufwand den Betriebsertrag, so dass die Familienarbeitskräfte nicht mehr ausreichend entlohnt werden konnten.

Die schwierige Ertragslage hatte Auswirkungen auf die Erfolgskennzahlen. Der Gewinn brach deutlich ein. Mit 42.000 Euro lag er 20 Prozent unter den Ergebnissen der Vorperiode, pro Familienarbeitskraft mit 26.500 Euro ganze 22 Prozent niedriger. Insgesamt betrachtet hat sich die wirtschaftliche Lage der Betriebe verschlechtert, der Rentabilitätskoeffizient sank auf 0,77. Das erzielte Einkommen reichte demnach nicht aus, alle kalkulatorischen Aufwandspositionen abzudecken. Die Familienarbeitskräfte mussten vielfach Lohnverzicht üben, um das Überleben der Betriebe zu sichern.

Auch bei Gemüse kam es 2009 zu einer Rekordernte. Insgesamt wurden 2009 3,44 Millionen Tonnen Gemüse im Freiland geerntet, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. 2010 ging die Erntemenge dann um neun Prozent auf 3,15 Millionen Tonnen zurück. Ausschlaggebend dafür waren die aufgrund der ungünstigen Witterung geringeren Durchschnittserträge bei einer nahezu konstanten Anbaufläche.

Infolge der hohen Erntemengen standen die Preise 2009 für viele Freilandgemüsearten stark unter Druck, 2010 erholten sie sich aufgrund der geringeren Mengen wieder. Die Anbaufläche unter Glas wurde 2009 im Vergleich zum Vorjahr leicht eingeschränkt. Auch 2010 wurde wieder auf einer kleineren Fläche von 1.325 Hektar Gemüse produziert. Die Preise für Gemüse aus dem Unterglasanbau, vor allem für Tomaten und Gurken, fielen 2009 deutlich niedriger als im Vorjahr aus, konnten sich 2010 aber wieder erholen.

Für die Freilandgemüsebaubetriebe der ZBG-Stichprobe verlief die Saison 2009/10 trotz des in weiten Teilen niedrigen Preisniveaus zufrieden stellend. Da sie im Durchschnitt ihre Flächen erweitert haben, konnten sie mit höheren Produktionsmengen die teilweise niedrigen Preise auffangen. Der durchschnittliche Betriebsertrag der Freilandbetriebe lag 2009/10 bei rund 762.000 Euro und damit auf dem Niveau der Vorperiode.

Außerdem fiel der durchschnittliche Aufwand in Höhe von fast 626.000 Euro niedriger als in der Vorperiode aus. Er setzte sich zusammen aus dem Aufwand für Fremdlöhne in Höhe von 32 Prozent des Betriebsertrages, dem allgemeinen Betriebsaufwand in Höhe von 24 Prozent und dem Aufwand für die Eigenproduktion von 25 Prozent, der niedriger lag als in der Vorperiode. Die Betriebe beschäftigten im Durchschnitt fast 18 Vollarbeitskräfte, die meisten davon, nämlich fast drei Viertel, als Saisonarbeitskräfte. Das hat zur Folge, dass der Lohnaufwand pro Fremdarbeitskraft bei nur 15.500 Euro liegt und damit zu den niedrigsten innerhalb der Gartenbausparten zählt. Addiert man den Lohnansatz für die Familienarbeitskräfte hinzu, lag der Betriebsaufwand bei 92 Prozent. Für die Entlohnung der Familienarbeitskräfte blieb also noch genug Geld übrig und auch der Zinsanspruch des eingesetzten Kapitals konnte gedeckt werden.

Stabiler Ertrag bei gleichzeitig geringerem Aufwand ergab im Durchschnitt einen deutlich höheren Gewinn pro Familienarbeitskraft. Er lag mit knapp über 60.000 Euro mehr als zwölf Prozent höher als 2008–09. Der Rentabilitätskoeffizient verbesserte sich von 1,01 auf 1,05.

Für die Unterglasbetriebe der ZBG-Stichprobe verlief 2009/10 insgesamt nicht ganz zufrieden stellend. Auf Betriebsebene konnten die Betriebe mit 930.000 Euro im Durchschnitt einen um zehn Prozent höheren Betriebsertrag als im Vorjahreszeitraum erwirtschaften, jedoch standen dem noch stärker gestiegene Aufwendungen gegenüber. Ursache für den höheren Betriebsertrag, der trotz des niedrigen Preisniveaus für Unterglasgemüse wie Tomaten und Gurken realisiert werden konnte, waren neben Flächenerweiterungen in den Stichprobenbetrieben höhere Flächenerträge im Unterglasanbau, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 113 Kilogramm pro Hektar Unterglasfläche um neun Prozent höher ausfielen als im Vorjahr. Positiv beeinflusst haben die Höhe der Aufwendungen die 2009/10 vergleichsweise niedrigen Heizkostenpreise. Der Lohnaufwand für 10,5 Vollarbeitskräfte lag bei knapp 20 Prozent, pro entlohnte Vollarbeitskraft zahlten die Betriebe im Durchschnitt fast 21.000 Euro, damit deutlich mehr als die Freilandbetriebe. Ursache ist der mit 90 Prozent sehr hohe Anteil fester Arbeitskräfte. Der höhere Betriebsertrag führte bei jedoch noch stärker gestiegenen Aufwendungen zu gesunkenen Gewinnen. Pro Familienarbeitskraft sank er um etwa fünf Prozent auf 56.000 Euro. Der Rentabilitätskoeffizient sank auf 0,95.

Zu Aussagen über die wirtschaftliche Situation von deutschen Baumschulen können die Daten des ZBG nur sehr eingeschränkt herangezogen werden, weil die Zahl der teilnehmenden Betriebe sehr gering ist. Hier einige Kennzahlen der Betriebe insgesamt (indirekt und direkt vermarktende Betriebe) in Kürze: Die Betriebe der ZBG-Stichprobe erwirtschafteten 2009 bis 2009/10 auf einer durchschnittlichen Betriebsfläche von 18 Hektar mit elf Vollarbeitskräften einen Betriebsertrag von durchschnittlich fast 600.000 Euro. Pro Familienarbeitskraft erzielten die Betriebe der Stichprobe einen Gewinn in Höhe von knapp 40.000 Euro. Bei den Baumschulen ist das ZBG auf eine verbesserte Datengrundlage angewiesen, wenn die Ergebnisse für Aussagen über die Gesamtsparte herangezogen werden sollen. Baumschulunternehmen sind daher besonders aufgerufen, sich aktiv am Betriebsvergleich zu beteiligen, um die Datenbasis für Aussagen über die Branche, auch für Branchenratings der Banken, zu verbessern. (sh)