TASPO GartenMarkt

Betriebsübergabe: nur mit Masterplan

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580.000 mittelständische Unternehmen suchen bis 2017 einen Nachfolger, wie die Förderbank KfW in einer Studie ermittelt hat. Im Gartenbau wird das Unternehmen häufig in der Familie weitergegeben. Doch das will gut geplant sein, sagt Bodo Alberts, der als Berater Unternehmen bei der Betriebsübergabe hilft.

Herr Alberts, wie wichtig ist eine Strategie bei der Betriebsübergabe?

Sehr wichtig! Es gibt zum einen Betriebe, die haben keinen Nachfolger. Für diese Senioren ist es schwer, einen Weg zu finden, damit umzugehen. Sie benötigen dann Abwicklungs- und Ausstiegsberatung. Gibt es innerhalb der Familie einen Nachfolger, ist die Situation nicht unbedingt einfacher. Da stellen sich Fragen wie: Welches von den Kindern übernimmt das Unternehmen zu welchen Konditionen, und was bekommen die anderen Kinder? Welche Qualifikationen braucht der Junior, und was übernimmt er wann? Ich halte fünf Jahre für einen guten Zeitraum für eine Übergabe. Dabei empfiehlt es sich, dem Junior einen eigenen Bereich zu übergeben, aus dem sich der Senior raushält.

Warum gestaltet sich eine Betriebsübergabe schwierig?

In der Regel rufen die Unternehmen an, wenn die Übergabe nicht wie geplant funktioniert. Leider, muss ich sagen, denn viele Probleme würden gar nicht erst aufkommen, wenn die Dinge im Vorfeld geregelt würden. Aber es herrscht in der Branche noch in vielen Köpfen die Meinung vor: „Wir führen den Laden seit Jahren und wissen, wie der läuft. Also erklären wir es dem Junior kurz, dann klappt das schon.“
Bei einer Übergabe innerhalb der Familie bereitet jedoch oft die Rollenverteilung Schwierigkeiten: Der Junior hat auf einmal wieder zwei Eltern vor sich, von denen er sich eigentlich abgenabelt hatte. Und die Senioren sind oft überfordert mit der Situation, dass der Junior ganz andere Vorstellungen hat, sowohl unternehmerisch als auch privat.

Wie gut sind die Junioren in der Regel vorbereitet?

Ich erlebe die Junioren als gut ausgebildet und sehr reflektiert – viele wissen genau, was auf sie zukommt. Dabei ist nicht entscheidend, welche Art der Ausbildung jemand durchlaufen hat. Es gibt Junioren, die haben Gartenbau oder Betriebswirtschaft studiert, und machen das sehr gut. Andere kommen aus der Praxis, und sind den Weg über Aus- und Weiterbildungen gegangen, und sind sehr gut vorbereitet. Wichtig ist, dass die Junioren im Vorfeld möglichst viele Erfahrungen in anderen Unternehmen sammeln, um ihren Horizont zu erweitern.

Was hilft, wenn der Junior unerwartet früh übernehmen muss?

Wenn der Senior unerwartet ausfällt und der Junior einspringen muss, sollte er sich drei Berater aus unterschiedlichen Bereichen zur Hilfe holen: Einen aus dem Bereich Finanzen, beispielsweise einen Banker oder Steuerberater, der auf die Zahlen schaut. Als zweites einen Unternehmer aus der Sparte. Keinen direkten Wettbewerber, sondern jemanden, mit dem das Unternehmen freundschaftlich verbunden ist. Der dritte Berater sollte als Unternehmensberater arbeiten (frei oder öffentlich) und sich auch mit der Branche auskennen. Diese drei begleiten das Unternehmen drei bis fünf Jahre lang. Sie kommen regelmäßig ins Unternehmen, schauen kritisch auf die Zahlen und die aktuelle Situation, führen Gespräche mit den Mitarbeitern, geben Stütze und Rückendeckung.

Bodo Alberts ist ausgebildeter Gärtner und Steuerfachangestellter sowie studierter Gartenbauingenieur. Seit 1999 arbeitet er als selbstständiger Berater und Trainer.

Das komplette Interview mit Bodo Alberts lesen Sie im aktuellen TASPO GartenMarkt, der am 19. August 2016 erschienen ist. Dort finden Sie außerdem ein Praxisbeispiel für eine erfolgreiche Gartencenter-Übernahme durch die junge Generation.