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Braunschweig will Hauptstadt der Wildbienen werden

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Startschuss für das Vorreiterprojekt „Bienenstadt Braunschweig“: Auf 16 Hektar Stadtgebiet gestalten die Stadt Braunschweig und das Julius Kühn-Institut (JKI) eine freundlichere Umgebung für Wildbienen. Rund 6 Millionen Euro investieren der Bund, das Land Niedersachsen und die Stadt Braunschweig in das Projekt.

Das Projekt „Bienenstadt Braunschweig“ soll die Stadt auch für Wildbienen wie die Steinhummel attraktiver machen. Foto: J. Kaufmann

Investitionen in eine bienenfreundliche Stadt

Nisthilfen, Insektenhotels und Blühmischungen – sie bieten bedrohten Insektenarten Schutz, Nahrung und eine neue Heimat. Doch die mit den besten Absichten angebotenen Optionen werden oft nicht von den betroffenen Insektenarten genutzt. „Leider werden etliche Maßnahmen - ohne es zu wissen - an den Bedürfnissen der Insekten vorbei geplant“, sagt Henri Greil, Wissenschaftler am JKI in Braunschweig. Um dem entgegen zu wirken, starten der Fachbereich Stadtgrün und Sport und das JKI-Fachinstitut für Bienenschutz als wissenschaftlicher Begleiter nun das Vorreiterprojekt „Bienenstadt Braunschweig“.

Ziel ist es, die Stadt Braunschweig für Wildbienenarten noch attraktiver zu machen. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Niedersächsischen Umweltministeriums sowie des Bundesumweltministeriums. Eingeworben wurden rund 4,6 Millionen Euro Fördermittel von der Stadt, die zusätzlich Eigenmittel in Höhe von 1,2 Millionen Euro beisteuert.

Braunschweig bald „Wildbienenhauptstadt“ Deutschlands?

Um „Bienenstadt“ Deutschlands zu werden, sollen auf 100.000 Quadratmetern artenreiche Wiesen, auf 30.000 Quadratmetern mehrjährige Blühstreifen sowie artenreiche Staudenpflanzungen entstehen. Zudem sind sechs Streuobstwiesen und die Pflanzung von 500 Kopfweiden sowie 650 weiterer Bäume als Klimaschutzmaßnahmen geplant. Der Ansatz wird laut dem Fachbereich Stadtgrün und Sport erstmalig in einer deutschen Großstadt verfolgt.

Durch das Geld aus dem Förderbescheid des Bundesumweltministeriums „Integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün“ wird zudem eine Begrünung von 7.000 Quadratmetern Dachfläche und 7.500 Quadratmetern Fassaden städtischer Gebäude angestrebt, die zu einem besseren Stadtklima beitragen soll und gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Wildbienen zugeschnitten ist.

Um herauszufinden, welche Pflanzenarten für welche Wildbienenarten attraktiv sind, wollen die Experten die Stadt und ihre Grünflächen durch die „Wildbienenbrille“ betrachten. „In Deutschland leben über 560 Wildbienenarten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Daher ist es wichtig, die jeweils richtigen Nahrungspflanzen in Kombination mit den bevorzugten Nistmöglichkeiten anzubieten. Zudem muss das Netz der Blühflächen eng genug gewebt sein, sodass sich die Arten innerhalb der Stadt verbreiten und auch ins Umland gelangen können“, erklärt Greil die Vorgehensweise.

„Bienenstadt Braunschweig“: weitere Projektpartner gesucht

Für das Ziel als „Bienenstadt Braunschweig“ werden weitere Partner gesucht, die das Projekt unterstützen oder auch ihre eigenen Flächen wildbienenfreundlich gestalten. Durch die Förderung der Wildbienen soll ein Dominoeffekt für andere Bestäuber wie Schwebfliegen oder Schmetterlinge ausgelöst werden. Auch andere Tiere wie Fledermäuse und Vögel könnten künftig von einem blühenden Pflanzenumfeld profitieren.

Eine fachliche Begleitung des Projektes findet durch bundesweite Partner statt. Darunter untere anderem der Tübinger Wildbienen-Experte Dr. Paul Westrich, der im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) für die Erstellung der „Roten Liste der Wildbienen Deutschlands“ verantwortlich ist. Auch die Kreisgruppe des BUND und die Ortsgruppe des NABU sind durch einen regelmäßigen Austausch mit dem Fachbereich Stadtgrün und Sport und dem JKI in der „Projektgruppe Biodiversität“ in das Projekt eingebunden.