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Braunschweiger „Spargelradar“ im Feldversuch

Deutlich gesteigerte Erntemengen und neue Impulse für die maschinelle Ernte verspricht der „Spargelradar“. Pünktlich zum Auftakt der diesjährigen Spargelsaison gingen am 30. April Wissenschaftler vom Institut für Hochfrequenztechnik der Technischen Universität (TU) Braunschweig in der Region Gifhorn damit in den Feldversuch. 

Prof. Jörg Schöbel (links) und Physiker Daniel Seyfried von der TU Braunschweig sind in der Region Gifhorn mit ihrem „Spargelradar“ in den Feldversuch gegangen. Foto: Janina Linneweh

Erforscht wurde das Ortungssystem von Prof. Jörg Schöbel und seinem Mitarbeiter Daniel Seyfried, Institut für Hochfrequenztechnik der Technischen Universität (TU) Braunschweig, in Kooperation mit dem Wolfsburger Sondermaschinenhersteller ASM Dimatec. Am 30. April wurde es auf einem Feld des Vollbütteler Spargelhofes Kaufmann in der Region Gifhorn in Betrieb genommen.

„Der Anwendungszweck ist ein Spargelvollernter mit zwei flach rotierenden Messern“, so Projektleiter Schöbel. „Entscheidend für den Einsatz dieses Vollernters ist es, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Der Spargel wächst sehr schnell, da kann bei warmem Wetter schon ein halber Tag entscheidend sein, um den Ernteertrag erheblich zu steigern.“

Ziel dabei sei es, die Positionsdaten der Spargelpflanzen mit Hilfe des Radarsensors genau zu ermitteln, um den maschinellen Erntevorgang präzise steuern zu können, so das Wurzelgeflecht unbeschädigt zu lassen und damit die Leistungsfähigkeit des Spargels nicht zu beeinträchtigen. Es gelte, die Messer immer oberhalb der Wurzel zu führen, gleichzeitig aber so tief wie möglich. „Denn jeder Zentimeter ist bares Geld“, weiß Schöbel. „Die Herausforderung wird nun für uns sein, dafür eine präzise Signalverarbeitung zu entwickeln.“

Seit Oktober 2013 arbeitet Daniel Seyfried an dem Forschungsprojekt „Detektion von Spargel per Radar“. Eine erste Version des Radarsystems kam im Labor zum Einsatz an einem Spargelwall aus reinem Spielkastensand – ohne Störeinflüsse. Nun gilt es, die dort ermittelten Daten unter realen Bedingungen im Feld mit seinen Inhomogenitäten, bedingt durch Unterschiede in der Bodenstruktur, Feuchtigkeit und Steine, zu verifizieren.

„Die Kunst ist, in der Signalverarbeitung das Signal, das wir haben wollen, also das vom Spargel, zu trennen von all denen, die wir nicht haben wollen: etwa denen der Bodenoberfläche, der Seitenwände und von Steinen“, sagt Schöbel. Lokale Ungleichheiten sollen so durch individuelle Messereinstellung automatisch ausgeglichen werden können: Angedacht ist, dass der Radarsensor vorne am Traktor das Wurzelgeflecht in der Höhe misst, woraufhin der Vollernter die Messereinstellung nachführen kann.

Das Projekt ist insgesamt für drei Jahre angesetzt. Bereits direkt im Anschluss könnte der „Spargelradar“ auch schon serienreif sein. (jl)