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„Daglichtkas“ bietet besseres Wachstum und niedrigen Energieverbrauch

Im Frühjahr ist in den Niederlanden das neue „Daglichtkas“ (Tageslichtgewächshaus) an den Start gegangen. Es handelt sich hierbei um ein innovatives Gewächshaus, geplant vom Ingenieurbüro Bode gemeinsam mit dem WUR Wageningen und gebaut von Technokas. Das auffälligste am Daglichtkas ist die Art der Bedachung: Das Gewächshaus hat einen asymmetrischen Aufbau, die nach Süden orientierte Dachflächen sind mit sogenannten „Fresnel“-Linsen ausgestattet, die das Sonnenlicht auf eine Brennpunktlinie konzentrieren. 

Im Gewächshauskamm sind genau in der Brennpunktlinie Kollektoren installiert. Da die Sonne aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Sammler fällt, müssen diese immer etwas verschoben werden. Das macht ein ausgeklügelter Mechanismus möglich, der fast non-stop arbeitet.

Hohe Lichtmengen im Inneren

Das Daglichtkas erlaubt im Inneren hohe Lichtstärken: Die Lichtmengen von zwölf bis 15 Mol je Quadratmeter und Tag sind sehr hoch im Vergleich zur gängigen Praxis. Im Daglichtkas werden sieben schattenliebende Topfpflanzenarten angebaut - und die wachsen besonders gut darin, wie die ersten Forschungsergebnisse aus dem vergangenen Sommer gezeigt haben. Das Wachstumsplus beträgt 20 bis 30 Prozent gegenüber der Praxis – mehr Blätter, mehr Triebe, mehr Gewicht und mehr Blattoberfläche. Die Gründe sieht Forschungsmitarbeiter Philip van Noort vor allem in mehr Licht, einer höheren CO2-Konzentration und einer konstant hohen Luftfeuchtigkeit.

Die Lichtstärke lag zwei- bis dreimal höher als in der herkömmlichen Produktion dieser Kulturen. Bemerkenswerterweise tritt bei fast allen Arten kein Schaden durch diese für die Topfpflanzenproduktion ungewöhnlich hohe Lichtmenge auf. Calathea, Bromelien, Anthurien, Ficus und Farne wuchsen ohne Schäden. Nur die Areca-Palme scheint diese Lichtmengen nicht zu mögen, ihre Blätter vergilben und zeigen Blattflecken.

Die im Gewächshausdach eingelassenen Fresnel-Linsen bündeln die direkte Sonneneinstrahlung zu einem konzentrierten Lichtstreifen. Dieser wird durch den Kollektor aufgefangen - und damit auch das direkte Licht von den Pflanzen ferngehalten. Für den diffusen Anteil des Sonnenlichts ist es unerheblich, wo der Kollektor angebracht ist – diffuses Licht wird kaum abgefangen, was sich an bewölkten Tagen besonders gut zeigt.

Kommt die Sonne aber hinter den Wolken hervor, steigt die Strahlung plötzlich von 200 auf 800 Watt pro Quadratmeter und das Lichtniveau im Gewächshaus erreicht 250 bis etwa 400 Mikromol je Quadratmeter pro Sekunde. Trotz der plötzlichen Vervierfachung der äußeren Strahlung bleibt das Lichtniveau im Inneren begrenzt. „Der Schutz wirkt schnell“, heißt es – die superschnelle Einstellbarkeit sei für den Anbau von Schatten liebenden Pflanzen ein großer Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Schattierschirm, der immer ein paar Minuten zum Schließen benötigt. In dieser Zeit kann die Pflanze schon einen kleinen Schaden abbekommen. Aus diesem Grund lässt man in der Praxis bekanntermaßen oft auch bei leicht bewölktem Wetter den ganzen Tag den Schirm geschlossen und nimmt recht dunkle Kulturbedingungen in Kauf, erläutert van Noort.

Energiebedarf selbst gedeckt

Neben dem Licht-Vorteil verbraucht das Gewächshaus auch sehr wenig Wärme – 88 Megajoule je Quadratmeter (gemessen während der Sommerperiode) und damit weniger als drei Kubikmeter Erdgas-Äquivalente. Den Gesamtverbrauch schätzen die Versuchsverantwortlichen auf rund 18 Kubikmeter Erdgas-Äquivalente pro Quadratmeter jährlich aufgrund der hohen Wärmedämmung durch die Isolation und den Energieschirm. S

Mehr zum neuen Gewächshaus lesen Sie in der TASPO 47/11