TASPO GartenMarkt

Der Unternehmer des Jahres, Harald Braungardt, ist um Ideen nie verlegen

Harald Braungardt wurde „Unternehmer des Jahres“ bei den TASPO Awards 2010. Sein Wunsch: Wissenschaft und Industrie sollen in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Iris Anger besuchte ihn und sprach mit ihm über seine Visionen und Wünsche für die Zukunft.

Es ist nicht einfach, einen Termin mit Harald Braungardt zu vereinbaren – ständig ist der umtriebige Geschäftsführer des Nürnberger Unternehmens Step Systems unterwegs, meist im Ausland. Zwischen einer Präsentation in Estland und einem Messebesuch in Kasachstan findet er aber einen ruhigen Moment, über seinen Betrieb, seine Visionen und Zukunftsideen zu sprechen.

Halt, vorher muss er noch schnell eine Handvoll Unterschriften bei seiner Kollegin Anastasia Konarek abliefern, stimmt seiner Mitarbeiterin Renate Zitzlsperger zu, die dem Wunsch eines Kunden nach Reduktion der Rechnung so gar nicht nachkommen möchte und verspricht, die geänderte Präsentation für Kasachstan pünktlich fertig zu haben. Im Büro ist Braungardt nur dann gefragt, wenn es etwas heikler wird. „Das operative Geschäft läuft prima ohne mich, da bin ich überflüssig.“

Vor sieben Jahren machte er sich mit dem Angebot von Messtechnik – das reicht vom einfachen Thermometer über Bodenmessgeräte bis hin zu kompletten Laborausstattungen – vor allem für den Profigartenbau selbstständig. Wer nun denkt, dass der Vertrieb von Messtechnik nur der Weiterversand von in großen Mengen gekauften, vorgefertigten Produkten ist, liegt falsch. Die drei Mitarbeiter in der Produktion bekommen die bestückten Leiterplatten der pH-, EC- und Aktivitäts-Messgeräte von einem nur wenige Kilometer entfernten Elektronik-Unternehmen.

Entwicklung und Konzeption der „Herzstücke“ der Messgeräte stammen aus der Kooperation von Braungardt und einem befreundeten Leiterplattenentwickler. Die Endmontage erfolgt dann bei Step Systems im Haus, schnell und unbürokratisch, je nach Bedarf. Die beiden Manfreds in der Werkstatt sind hier die Fachmänner und fügen Platine, Batteriefach, Gehäuse und Folientastatur zu einem funktionierenden Ganzen zusammen. „Genau das ist unsere Chance, die individuelle Betreuung einer bestimmten Kundengruppe – nämlich der Gärtner – mit allen ihren Eigenheiten und Besonderheiten“, ist Braungardt überzeugt.

Klar habe er schon Angebote gehabt, die Produktion beispielsweise nach China zu verlagern. Als aber die Chinesen hörten, dass er gerade mal 1.500 Messgeräte im Jahr verkauft, machten sie schnell einen Rückzieher und sagten „die bau mal lieber selbst in Deutschland zusammen“. Der Vorteil niedriger Lohnkosten schlägt sich eben erst ab gewissen Stückzahlen nieder, die dann auch um- und abgesetzt werden müssen. Die Chinesen sind an einer Produktion von Massenware interessiert, die sich einfach und nur über den Preis vermarkten lässt. Das will Braungardt ganz bewusst nicht. Sein Ziel ist die individuelle Betreuung seiner Kunden, schnelle Lieferung und ein Angebot, das den Bedürfnissen im Gartenbau angepasst ist.

„Das heißt aber auch, dass wir uns um die Entwicklung und Innovation neuer Produkte kümmern und eben nicht einfach nur verkaufen, was am Markt vorhanden ist“, leitet er geschickt über zu dem Thema, das ihn in letzter Zeit besonders umtreibt: Die Frage, wie sich solche Innovationen umsetzen lassen, auch von kleineren Unternehmen, wie Step Systems eines ist. Für ihn ist die Antwort klar: „Wir müssen Partner finden“.

Ein Partner ist zum Beispiel der Lehrstuhl für Elektrotechnik der Uni Erlangen. Den Lehrstuhlinhaber kennt Braungardt aus früheren Zeiten, als sie gemeinsam in einer erfolgreichen Jugend-Schachmannschaft aktiv waren. Für die Konzeption neuer Geräte werden Entwickler benötigt, die wissen, wie eine Leiterplatte auszusehen hat, um die verschiedenen Funktionen zu erfüllen. „Auch im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten lassen sich verschiedene Ideen umsetzen“, ist Braungardt von der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie überzeugt.

„Morgen fahre ich übrigens nach Mannheim an die Uni“, geht es gleich mit dem nächsten Projekt weiter. Die Mannheimer arbeiten gemeinsam mit der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Hohenheim an einem neuen Verfahren zur Bodenfeuchtemessung. „Das Thema Wasser wird immer wichtiger, entsprechend auch die Bestimmung des Feuchtegehaltes im Boden“, so Braungardts Einschätzung.

Für die Bodenfeuchte-Messung in mineralischen Böden hat er bereits Messgeräte im Angebot: Tensiometer natürlich, die traditionelle Messmethode. Aber auch andere Technologien, die über die Messung elektromagnetischer Wellen funktionieren. „Das neue Verfahren verfolgt einen völlig anderen, schon fast revolutionären Ansatz“, mehr will Braungardt noch nicht verraten. Sicher ist nur: „Diese wissenschaftlichen Institute brauchen immer ein Wirtschaftsunternehmen, das später dann die Neuerung zur Marktreife führt. Sie brauchen einen Partner aus der Wirtschaft“. Genau hier kommt Step Systems ins Spiel. „Allerdings“, auch das will er nicht verhehlen, „muss dieser Wirtschaftspartner oftmals Zeit und Geduld mitbringen, oder auch Geld investieren.“

 

Und noch ein drittes Projekt hat Braungardt schon in Angriff genommen. Diesmal in Zusammenarbeit mit der Hochschule Weihenstephan. In Versuchen der Uni soll ein Bodenfeuchte-Sensor für den Anwendungsbereich Torfsubstrate abgeglichen werden. Der Sensor wird bereits im Freiland, also in Mineralböden, eingesetzt. „Es gibt aber noch nicht genügend Erfahrungen und Kennlinien für strukturell unterschiedliche Kultursubstrate“, beschreibt Braungardt das Ziel der Weihenstephaner Versuchsreihen, „da sind wir gerade dabei, im Rahmen einer Diplomarbeit für verschiedene Kultursubstrate die jeweiligen Kennlinien zu erstellen.“

Und noch ist kein Ende der Ideen in Sicht. Schon steht die nächste Aufgabenstellung im Raum. Ebenfalls mit Weihenstephan, Braungardts erstem Ansprechpartner, wenn es um Substrate geht, und auf Anregung der Gütegemeinschaft Substrate überlegt man gemeinsam ein weiteres Verfahren: Die Wasseraufnahmefähigkeit von Substraten soll einfach und in Abhängigkeit des Faktors Zeit bestimmt werden. Braungardt liegt diese Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie besonders am Herzen. Er sieht einfach die Notwendigkeit, gemeinsame Kapazitäten im Dienste des Gartenbaus zu erschließen, um neue Entwicklungen voranzutreiben.

Genau dies war ein entscheidender Grund dafür, dass sich die Juroren der TASPO Awards im vergangenen Jahr für Harald Braungardt als „Unternehmer des Jahres“ entschieden haben. Denn für diesen Titel genügt es nicht, nur das eigene Geschäft im Griff zu haben und gute Umsätze zu erzielen. Vielmehr fließt in die Beurteilung der Jury der Einsatz und das Engagement des Bewerbers für die gesamte Branche mit ein.

Als Ehrenamt versteht Braungardt auch seine aktive Mitarbeit im Präsidium der Indega, der Interessenvertretung der deutschen Industrie für den Gartenbau. Die hier zusammengeschlossenen Firmen tauschen sich aus und entwickeln gemeinsam Märkte und Geschäftsbereiche. Hier ist Braungardt ein viel gefragter Ansprechpartner, wenn es um osteuropäische Märkte geht, denn er selbst macht inzwischen über 50 Prozent seines Umsatzes im Ausland. So hat er erst im vergangenen Jahr das eigene Unternehmen „Metostep“ in Spanien gegründet – wie könnte es anders sein: gemeinsam mit einem ortsansässigen Partner und Anbieter für meteorologische Spezialmessgeräte.

Sein Wissen mit anderen teilen – das ist ein Charakterzug, den Harald Braungardt wie kein anderer ausgeprägt hat und ganz bewusst auch ausbauen will. Er hat dabei die Erfahrung gemacht: „Wenn ich etwas gebe und dabei in Vorleistung gehe, kommt auch etwas zurück.“ Das gilt bei ihm geschäftlich genauso wie privat.

Denn auch hier ist er eine Partnerschaft eingegangen, ohne die er, wie er selbst sagt, den Aufbau der Firma nicht hätte bewerkstelligen können. Ehefrau Barbara ist Diplom-Chemikerin und hat Marketing studiert. „Gerade in analytischen und chemischen Fragestellungen hat sie mich großartig unterstützt“, betont Braungardt. Aber nichts ohne Gegenleistung: Und schon macht er sich auf den Weg in die heimischen vier Wände, um die letzten Vorbereitungen für den Fliesenleger zu treffen und seinen beiden Jungs bei den Fremdsprachen-Hausaufgaben zu helfen.