TASPO GartenMarkt

DHL liefert für Amazon Fresh

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Noch Anfang letzter Woche lautete die Antwort der DHL-Pressestelle auf eine Anfrage von TASPO GartenMarkt „Das kommentieren wir nicht!“. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Post am 28. April in Bochum brach Post-Vorstandschef Frank Appel aber das Schweigen – und bestätigte die exklusive Lebensmittel-Zustellung für Amazon Fresh in Deutschland über die Post-Tochter DHL.

Hat eine klare Vorstellung, wie die Zukunft der Logistik aussieht: Vorstandsvorsitzender Frank Appel. Foto: Deutsche Post DHL Group

Am 4. Mai startete Amazon Fresh, mit etwas Verspätung, in Berlin, meldete der Tagesspiegel. Rund 25 Berliner Händler wie der Bio-Supermarkt Basic steuern eigene Artikel bei, so dass das Sortiment ca. 85.000 Artikel umfasst. Bestellt der Kunde bis mittags, erhält er seine Waren noch am gleichen Tag ab 16 Uhr. Als nächstes Ziel ist München im Gespräch. In den Genuß kommen, so die Berliner Tageszeitung, aber nur Prime-Mitglieder. Sie zahlen dafür eine monatliche Zusatzgebühr von 9,99 Euro. Zwar konnten Kunden bisher schon eine große Anzahl an Lebensmitteln, wie beispielsweise die Bio-Marke Alnatura, bei Amazon Prime bestellen. Über Amazon Fresh erhalten sie nun aber auch frische Produkte wie Obst und Gemüse.
Laut dem Ergebnis einer Befragung im „POS Marketing Report 2017“, erstellt von der Lebensmittel Zeitung und UGW Communication GmbH, schätzen 55 Prozent der Marktzentralhändler und 46 Prozent der Marktmanager, dass Amazon Fresh sich auf dem Lebensmittel-Markt schon in den nächsten zwei oder drei Jahren etablieren wird.
Wie die HuffPost berichtete, geht Gerrit Heinemann, Experte für E-Commerce an der Hochschule Niederrhein, davon aus, dass Amazon einen Marktanteil von zehn Prozent erreichen könnte: „Aber wenn 10 Prozent weniger Umsatz gemacht werden bei einem Händler, dann tut ihm das natürlich schon weh.“
Amazon Fresh werde wohl ein Thema für Gutbetuchte und Paare ohne Kinder werden – und somit eher die Premiummärkte, wie Edeka, betreffen, als Ketten wie Penny, Netto oder Rewe, schreibt die HuffPost weiter. Unter den Supermärkten werde es zu einer Ausdünnung kommen, nicht aber zu einem Massensterben, prognostiziert Heinemann.

Wichtige Logistik-Erfahrungen

Amazon habe ursprünglich geplant, die Logistik für seinen Lieferdienst selbst zu organisieren und mehrere Logistikunternehmen als Dienstleister zu beschäftigen. Dann habe DHL dem Onlinehändler aber das Angebot gemacht, die Logistik für Amazon Fresh komplett zu übernehmen. Das Unternehmen hat durch seinen Online-Marktplatz Allyouneed Fresh selbst schon Erfahrungen mit Frischelieferungen gemacht.
Der Post-Vorstandsvorsitzende bekräftigte in seiner Rede den Anspruch des Unternehmens, Marktführer in der E-Commerce-Logistik zu sein. Dafür investiere das Unternehmen weiter kontinuierlich in den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur. So werde auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum ein weiteres "Paketzentrum der Superlative" mit einer Kapazität von bis zu 50.000 Sendungen pro Stunde entstehen, kündigte Appel an.

Online-Lebensmittelhandel in Deutschland

In Deutschland läuft der online-Lebensmittelhandel bisher noch zögerlich. Die Kunden sind preissensibel, und es gibt ein dichtes Netz an Lebensmitteleinzelhändlern, Supermärkten und Discountern. Über drei Viertel der Verbraucher sind gemäß einer Studie (ECC-Club-Studie zum Online-Lebensmittelhandel, 2015) des Instituts für Handelsforschung (IFH) mit den stationären Supermärkten in ihrer Nachbarschaft zufrieden und sehen deshalb bislang wenig Sinn darin, Lebensmittel online einzukaufen.
Ob Amazon Fresh in Berlin tatsächlich punkten kann, das muss sich noch zeigen. Denn die Leser der Berliner Morgenpost stimmten erst kürzlich über die beliebtesten Unternehmen der Hauptstadt ab und haben den Rewe Lieferservice zum zweiten Mal in der Kategorie "Lebensmittel-Lieferdienste" zu ihrem „Liebling 2017“ gewählt. „Lebensmittel sind nach wie vor Vertrauenssache, das gilt natürlich auch für Online-Bestellungen. Deshalb freuen wir uns besonders über die Auszeichnung als Berlins Liebling“, so Dr. Jean-Jacques van Oosten, Geschäftsführer Rewe digital.