TASPO GartenMarkt

Erden im Freizeitgartenbau: torffrei im Aufwind?

, erstellt von

Die Diskussion um Klimaschutz und einen kleinen Fußabdruck hinterlässt ihre Spuren im Markt für Erden und Dünger. Mit dem Klimaschutzprogramm 2030 rückt zudem ein Torfausstieg im Freizeitgartenbau in sechs bis acht Jahren heran. Wie realistisch dieses Ziel ist, erläutert Heinrich Beltz, Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn, im Interview.

Seit rund 40 Jahren wird nach geeigneten Torfersatzstoffen geforscht. Wo steht die Wissenschaft heute?

Ein Material, das den Torf eins zu eins ersetzen könnte, gibt es nicht. Neuere Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis vor allem mit Holzfasern und mit Kokosmaterialien konnten aber die Reduzierung des Torfeinsatzes sicherer machen, zum Beispiel durch die Einführung einer jeweiligen Gütesicherung bei der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen.

Der weltweite Substrat-Absatz soll bis 2050 auf 244 Millionen Kubikmeter steigen. Inwieweit sind dafür genügend Torfersatzstoffe verfügbar?

Es gibt große Mengen verschiedenster Substrat-Ausgangsstoffe, zum Beispiel Kokosmaterialien oder Holz und Rinde. Aber inwieweit die jeweiligen Baumarten für die Herstellung von Substrat-Ausgangsstoffen geeignet sind, ist nur teilweise untersucht. Sicher ist, dass der Bedarf an Kultursubstraten weltweit deutlich steigen wird und dass die Verfügbarkeit von klimafreundlichen Substrat-Ausgangsstoffen knapp werden könnte.

In Großbritannien zieht die Nachfrage nach torffrei angezogenen Topfpflanzen an. Wohin geht der Kundenwunsch hierzulande aus Ihrer Sicht?

Wie aus Handels- und auch Produktionsbetrieben zu hören ist, sind die Erfahrungen beim Absatz von Pflanzen in torffreien Substraten durchaus unterschiedlich. Neben unbestrittenen Erfolgen waren bisher auch deutliche Misserfolge zu verzeichnen. Sobald über den Preis solcher Pflanzen verhandelt wurde, sank bisher das Interesse der Abnehmer leider meist deutlich.

Was sind Ihre Favoriten bei alternativen Rohstoffen?

Torffreie Erden haben im Hobbybereich schon einen recht bedeutenden Stellenwert erreicht, meist handelt es sich um Mischungen aus Substrat-Kompost, Rindenhumus, Holzfaser und/oder Kokosmark. Kulturtechnisch ist nach unserer Erfahrung Kokosmark wegen seiner günstigen chemischen und physikalischen Eigenschaften besonders interessant. Allerdings steht es wegen der weiten Transportwege schon seit einiger Zeit als zweiter Substrat-Ausgangsstoff nach dem Torf in der Kritik mancher Umweltverbände.

Ein Hoffnungsträger für torffreie Substrate sind Tone. Welche Chancen stecken in diesem noch wenig beachteten Zukunftsstoff?

Tone besitzen hervorragende chemische Eigenschaften, aber für einen Einsatz als volumenbildende Substrat-Ausgangsstoffe sind sie wegen ihrer physikalischen Eigenschaften nur sehr begrenzt geeignet. Für die Absenkung des pH-Wertes sind sogenannte Kohletone besonders interessant, aber da der Kohleanteil in ihnen ein fossiler Energieträger ist, bleibt fraglich, ob sie eine klimafreundliche Alternative zu Torf darstellen.

Das komplette Interview mit Heinrich Beltz zum Thema Torfausstieg im Freizeitgartenbau lesen Sie in Ausgabe 1/2020 von TASPO GartenMarkt. Dort finden Sie zudem die Einschätzungen der Industrie aus unserer diesjährigen Branchenumfrage zu Entwicklungen und Trends im Erden- und Düngermarkt.