TASPO GartenMarkt

Erstes Halbjahr 2011: IVG hält an positiver Prognose für 2011 fest

Der Industrieverband Garten (Ratingen, IVG) hält an einer positiver Prognose für 2011 fest. Hier dazu einige Stimmen der Vorsitzender und der Sprecher der IVG- Arbeitskreise.


IVG-Geschäftsführer Johannes Welsch. Foto: IVG

Johannes Welsch, IVG-Geschäftsführer: "Das erste Halbjahr 2011 war im Wesentlichen gekennzeichnet von sonniger, warmer und leider auch oft zu trockener Witterung. Während die Grüne Branche weitgehend träge auf konjunkturelle Einflüsse reagiert, so ist doch das günstige Wetter von überragender Bedeutung. Insbesondere gilt dies in den Frühjahrsmonaten, dann, wenn der Garten Saison hat. Über viele Wochen hinweg schien die Sonne bei entsprechender Wärme und zog die Gartensaison nach vorne.
Während von der damit einhergehenden höheren und früheren Kundenfrequenz in den Gartenmärkten viele Hersteller etwa hochwertiger, trendiger Lifestyleprodukte profitierten und auch vorgezogene Umsätze tätigten, war die ungewöhnliche Trockenheit, die Wetteraufzeichnungen sprechen vom zweittrockensten Frühling seit 130 Jahren, Grund dafür, dass Pflanzen und Rasen nicht aufwuchsen, nicht gedüngt werden konnten und somit auch die Verbraucher keine Notwendigkeit verspürten, etwa Dünger oder Rasen- und Gartenpflegegeräte zu kaufen. 
Ähnlich zeigten sich die Umsatzverläufe bei den Pflanzenschutzmitteln. In betroffenen Sortimenten mussten deutliche Umsatzrückgänge hingenommen werden, die nur teilweise mit Produktinnovationen kompensiert werden konnten. Zudem folgte auf hochsommerliche Witterung eine Regenperiode der nächsten. 
In Summe deutet alles darauf hin, dass die meisten Anbieter von Produkten für den Gartenmarkt einen Teil des im Frühjahr erzielten deutlichen Plus bis zum Ende des Jahres halten werden.
Generell sieht sich die Branche in einem Trend. Der Verbraucher wird immer empfänglicher für Gartenthemen, der Handel nimmt diese Entwicklung durch das Ausweiten seiner Gartenverkaufsflächen auf, sodass die Branche optimistisch in die Zukunft sieht.
Letztlich kann hier auch die spoga+gafa in Köln als Indikator gesehen werden, die zu einem jährlichen Turnus zurückgekehrt ist und bereits mit deutlich gestiegener Besucher- und Ausstellerzahl einen beachtlichen Erfolg aufzuweisen hat."

Hans-Jürgen Herr, IVG-Vorsitzender, Geschäftsführer Weber-Stephen Deutschland GmbH: "Der Bereich Garten Lifestyle erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, was neben der positiven Wetterentwicklung bis Mitte Juni vor allem auf das zunehmende Bewusstsein der Eigenheimbesitzer zurückzuführen ist, „draußen“ keine Abstriche mehr beim Wohnkomfort machen zu wollen.
Der Trend zum Outdoorliving setzt sich weiter fort und damit auch der Anspruch der meisten Menschen, das eigene Heim genießen zu können und gleichzeitig der Leidenschaft für alle Outdoor-Aktivitäten, wie zum Beispiel dem Grillen, nachzugehen.
Immer mehr Deutsche setzen auch unter freiem Himmel auf eine qualitativ hochwertige Ausrüstung, was sich in der klar gestiegenen Nachfrage unserer Produkte bemerkt macht. Trotz der eher schlechten Wetterverhältnisse konnte Weber auch im Juli dank verstärkter Verbraucheransprache ein positives Umsatzwachstum verzeichnen. Die gesamte Branche blickt mit großem Optimismus in die nächste Grillsaison und widmet sich bereits jetzt mit vollem Elan dem Frühjahr/Sommer 2012"

Frank Miedaner, stellvertretender IVG-Vorsitzender, Leitung Länderbereich Consumer Deutschland/Österreich/MOE bei COMPO GmbH & Co KG: "Die sehr positive Entwicklung der Gesamtmarktzahlen im Bereich der Pflanzenernährung, -pflege und -gesundheit bis Ende Mai konnten sich im Verlaufe des Jahres leidernicht fortsetzen.
So weist das GfK Panel für die Produktbereiche Blumenerden, Düngemitteln, Pflanzenschutz und Biozide im ersten Halbjahr 2011 ein umsatzmäßiges Minus in Höhe von minus acht Prozent aus. Bei den Düngemitteln führten insbesondere die sehr trockenen Frühsommermonate zu einer deutlich reduzierten Düngung der Rasenflächen.
Der Befallsdruck bei den Fungiziden war aus gleichen Gründen sehr gering. Im Pflanzenschutzbereich wuchs lediglich der Insektizidbereich (plus 13 Prozent gegenüber Vorjahr).
Sehr positiv auch die Entwicklung bei Rasensaaten - neben einem generell sehr positiven Wachstum war in der ersten Jahreshälfte insbesondere eine erfreuliche Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten festzustellen.
Da die Hauptumsätze in der Gesamtkategorie bereits getätigt wurden, fällt das Fazit für den Gesamtmarkt per August somit eher ernüchternd aus. Sorge bereiten auch die im Verlauf des Jahres deutlich gestiegenen Rohstoffkosten für Düngemittel und Saatgut.
COMPO konnte aufgrund der zahlreichen Neuprodukte in den Produktkategorien Rasendünger, -saat und Pflanzenschutz in Deutschland von Januar bis Juni Marktanteile zulegen und schaut zuversichtlich in Richtung der Listungsgespräche für die neue Saison."

Norbert Pick, stellvertretender IVG-Vorsitzender, Geschäftsleitung Stihl Vertriebszentrale AG & Co. KG: "Die STIHL Vertriebszentrale konnte einen erfolgreichen Start in das Jahr 2011 erzielen. Ende August 2011 liegt der Umsatz in Deutschland deutlich über dem Vorjahresniveau.
Witterungsbedingt war in den letzten Wochen eine leichte Abschwächung zu verzeichnen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die positive Grundtendenz in der Gartenbranche fortsetzt.
Insbesondere die neuen Produkte werden vom Markt gut aufgenommen. Die Nachfrage nach Akku-Produkten entwickelt sich weiterhin sehr positiv."

Peter A. Baumann, Sprecher des IVG-Arbeitskreises Garten Lifestyle,  Geschäftsführender Gesellschafter der Scheurich GmbH & Co. KG: "Das erste Halbjahr ist im Segment Indoor Garden insgesamt positiv gelaufen. Auch wenn die Frequenz in den Gartencentern im Juni etwas nachließ, schneidet das erste Halbjahr mit einem guten Umsatzzuwachs ab."

Tobias M. Koerner, Sprecher der Fachabteilung Garten- und Rasenpflegegeräte, Vice President Sales für Deutschland, Österreich und Schweiz der Husqvarna Gruppe: "Die Saison 2011 nimmt einen ungewöhnlichen Verlauf, was die Witterung angeht. Ein außerordentlich zeitiger Saisonbeginn im Frühjahr mit Trockenperioden bereits im Mai und Juni folgten ein Juli und August, die bislang deutlich zu kalt und zu nass waren.
Das dämpfte in vielen Segmenten die anfängliche Euphorie auf ein Gartenjahr mit besonders starkem Umsatzwachstum.
Im GfK-Panelmarkt Gartengeräte für die aktuell vorliegende Berichtsperiode* steht die Branche derzeit mit einem Plus von 2,4 Prozent (Wert) beziehungsweise 2,7 Prozent (Menge) positiv da. Maßgeblich dafür verantwortlich sind Bewässerungsprodukte mit einem deutlichen Plus von 14,8 Prozent (Wert) beziehungsweise 19,4 Prozent (Menge).
Völlig anders hingegen sieht es jedoch zum Beispiel bei Elektromähern aus, die gegenüber Vorjahr im Minus sind mit minus 15,6 Prozent (Wert) beziehungsweise minus 8,4 Prozent (Menge).
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den weiteren Rasenpflegeprodukten. Je nach Sortimentsausrichtung kann die Entwicklung daher nicht alle Marktteilnehmer zufrieden stimmen.
Ein anhaltend starker Trend sind jedoch eindeutig Mähroboter. In diesem noch recht jungen Produktsegment sind weiterhin starke Absatzzuwächse zu verzeichnen. Das Angebot am Markt wird sich hier in Kürze deutlich erweitern. Zahlreiche Anbieter haben angekündigt ihre Modellpalette auszuweiten oder erstmalig mit einem eigenen Produkt in den Markt einzusteigen. Dies belegt, dass Mähroboter längst kein reines Nischenprodukt mehr sind, sondern ein echtes Wachstumssegment, das im Begriff ist, sich beim Verbraucher nachhaltig zu etablieren."

Rudolf Harrer, Sprecher der Fachabteilung Garten- und Rasenpflegegeräte,  General Manager Honda Power Equipment Division Deutschland: "Die Gartensaison 2011 hat sehr früh gestartet, somit waren die ersten Monate der Saison für Honda sehr starke.
Die lang anhaltende Trockenheit bis in den Juli hinein führte allerdings speziell in den Monaten Mai und Juni zu Rückgängen der Kundenfrequenz im Handel. Dies hat sich mittlerweile wieder normalisiert. Honda Deutschland kann daher im Gartengerätebereich auch 2011 wieder eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr verbuchen.
Dazu hat sicher auch beigetragen, dass Honda Power Equipment von den dramatischen Ereignissen in Japan nahezu nicht betroffen wurde, da unsere japanischen Werke und deren Zulieferunternehmen sich im Süd-Westen Japans befinden.
Alles in allem sind wir mit der Saison 2011 sehr zufrieden."

Jan-Dieter zu Jeddeloh, Sprecher der Fachabteilung AK Pflanze, Geschäftsleitung zu Jeddeloh Pflanzenhandels-GmbH: "Infolge der sehr langen Schönwetterperiode kam es wegen zunehmender Trockenheit zur Kaufzurückhaltung. Dies bescherte der Branche ein Umsatzminus. Erst mit Beginn der Regenfälle besserte sich die Kaufstimmung, so dass für den Juli, gemessen am Vorjahr, eine leichte Steigerung erzielt werden konnte, die sich über den August fortsetzte.
Wir hoffen, dass die leicht positive Entwicklung noch bis in den Herbst hinein weiter anhält."

Hans Martin Lohmann, Sprecher der Fachabteilung Pflanzenernährung, -gesundheit und -pflege, Geschäftsführender Gesellschafter W. Neudorff GmbH KG: "Durch den frühen Start in die Saison, waren sowohl Handel als auch Industrie sehrpositiv gestimmt für die laufende Saison.
Aufgrund der Witterung sind zu Beginn der Saison Produktsortimente aus dem Düngerbereich und einiger PSM Segmente mehr oder weniger hinter das Vorjahr zurückgefallen.
Hier spielt die lange Trockenheit zum Sommeranfang eine wesentliche Rolle. Ab Mai konnte sich aber der Düngermarkt noch erholen. Das Segment Erde konnte sich recht ordentlich entwickeln. Deutliche Zuwächse hatten die Insektizide, da ein sehr starkes Auftreten dieser Lästlinge beziehungsweise  Schädlinge zu verzeichnen war."

Stephan Patzer, Sprecher der Fachabteilung Substrate, Erden, Ausgangsstoffe/ BTH, Geschäftsführender Gesellschafter Einheitserdewerke Patzer: "Nach einem guten Frühjahr 2011 verlief das 3. Quartal eher nicht zufrieden stellend. Das schlechte Wetter in diesem Sommer führte zu einem schlechten Abverkauf in den Gartencentern beziehungsweise Endverkaufsbetrieben. Entsprechend zurückhaltend war auch das Bestellverhalten unserer Kunden.
Erschwerend kam für uns hinzu, dass die Ölpreise weiterhin auf einem hohen Niveau waren und auch noch sind. Dies führte zu weiterhin erhöhten Transportpreisen, höheren Verpackungskosten und höheren Rohstoffpreisen.
Nach dem eher schlechten Sommer sind wir nun gespannt auf das Herbstgeschäft. Bei gutem Witterungsverlauf im Herbst hoffen wir den verregneten Sommer wieder ausgleichen zu können."

Gunnar Koch, stellv. Sprecher der Fachabteilung Substrate, Erden, Ausgangsstoffe/BTH, Geschäftsleitung Torfwerk Moorkultur Ramsloh Werner Koch GmbH & Co. KG: "Insgesamt können wir feststellen, dass es für unsere Rohstoffe eine leichte, aber über die Jahre kontinuierliche Nachfragesteigerung gibt. Darauf deuteten bereits die ersten Verkaufsgespräche für die nächste Saison hin. 
Die Rohstoffproduktion im Hochsommer war durch die starken Regenfälle sehr beeinträchtigt, jedoch konnten wir durch das gute Frühjahr bereits für ausreichende Rohstoffreserven sorgen. Insgesamt verzeichnen wir einen ruhigen, guten und gleichmäßigen Geschäftsverlauf."

Uwe Bedenbecker, Arbeitskreis Garten Lifestyle, Geschäftsbereichsleiter Freizeitmöbel Heinz Kettler GmbH & Co.KG: "Die Saison 2011 im Produktbereich Garten-/Freizeitmöbel zeigte einen untypischen Verlauf. Aus der Erfahrung wissen wir, dass gerade zum Saisonstart mehr hochwertige Ware verkauft wird. Besonders erfreulich war daher der frühe wetterbedingte Start in die Saison, der solche Händler mit sehr guten Umsätzen belohnt hat, die bereits frühzeitig ihre Verkaufsausstellung eingerichtet hatten und „Gewehr bei Fuß“ standen. Die bis Ende Mai von den Marktteilnehmern genannten besonders hohen Zuwachsraten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten dann in den folgenden Monaten (schlecht-)wetterbedingt nicht mehr erreicht werden. Insgesamt erwarten wir dennoch ein signifikantes Plus im Vergleich zum Vorjahr bei Garten-/Freizeitmöbeln. Für den kommenden Frühbezug ist es daher als Herstellermarke besonders wichtig, neben einem innovativen Sortiment, auch die passenden Maßnahmen am POS anzubieten und für Endkundennachfrage zu sorgen."