TASPO GartenMarkt

Expertentipp: Stromkosten sparen

Der Stromverbrauch beim Zineg-Projekt in Hannover-Ahlem war Thema einer Leseranfrage in TASPO 47/11. Energieexperte Werner Gabloffsky greift nachfolgend das Thema Stromeinsatz im Gartenbau nochmals auf und sieht deutliches Einsparungspotenzial. Sowohl im Stromeinkauf als auch im Verbrauch gibt es eine Vielzahl von großen und kleinen Stellschrauben, um beim Kostenfaktor Strom deutliche Einsparungen zu realisieren.

Pumpe mit Leistungsangaben und Vierstellungsstecker. Foto: Werner Gabloffsky

Der Markt für das Produkt Strom ist seit Jahren liberalisiert. Die bisherigen EVU (ElektrizitätsVersorgungsUnternehmen) liefern ihren bisherigen Kunden den Strom nach wie vor an, hoffend auf die alte Verbundenheit (und Trägheit) der Kundschaft, nicht zu wechseln. Meist jedoch aber zu einem etwas höheren Preis. Ein Teil der Kundschaft aber, die Kostenbewussten und Flexibleren, erkunden den Markt und stellen fest, dass sie doch, zu gleichen Bedingungen, zehn bis 15 Prozent günstiger einkaufen können.

Ein Preisvergleich zwischen den verschiedenen Anbietern und dem eigenen EVU scheint für den Laien sehr problematisch, zumal einige Anbieter, besonders die etwas teureren, mit Transparenz sehr geizen. Aber jenseits von Arbeits-, Bereitstellungs-, Leistungs-, Grund- und Messpreisen, von Netznutzungsentgelten, gesetzlichen Abgaben und Steuern gibt es für den Praktiker eine einfache Vergleichsmöglichkeit: Sie nehmen Ihre letzte Jahresrechnung und teilen das bezahlte Bruttoentgelt inklusive Mehrwertsteuer (MwSt) durch die bezogene Strommenge in Kilowattstunden (kWh) und erhalten „Ihren Bruttostrompreis“, der zwischen 19 und 28 Cent/kWh liegen wird. Je höher, umso ungünstiger. Mit Vorlage Ihrer Jahresrechnung oder Daten daraus können Sie sich von Wettbewerbern ein adäquates Angebot machen lassen inklusive aller Kosten.

Zu Beginn Januar 2012 habe ich gerade jetzt einem Gartenbaubetrieb für einen Jahresbedarf von 177.000 kWh ein Öko-Stromangebot für 18,63 Cent/kWh für zwölf Monate oder 18,59 Cent/kWh für 24 Monate gegenüber 20,30 Cent/kWh für e-on-Normalmixstrom vermittelt. Der Gärtner spart 6.053 Euro in zwei Jahren. Öfter werden auch die örtlichen EVU in harten Preisverhandlungen weich und ziehen dann doch noch ein günstiges Angebot aus der Tasche.
Und erstaunlich: Nach dem regierungsseitig verordneten Ausstieg aus AKW-Strom wird der Strom mittelfristig nicht teurer, sondern sinkt etwas. Außerdem ist Öko-Strom (EEG-Strom = aus Erneuerbaren Energien: Wasserkraft, Wind, Sonne oder Biomasse) meist etwas teurer als Normalmix-Strom. Ich selbst beziehe seit zwei Jahren 5.000 kWh/Jahr Öko-Strom unter 20 Cent/kWh, immer inklusive MwSt. Die Konditionen ändern sich täglich, abhängig vom Geschehen an der Strombörse in Leipzig.

Planende Ingenieure oder Technik-Berater werden bei Projekten immer auch neben den Investitionskosten die Betriebskosten, vor allem aber die Energiekosten mit im Blick haben müssen. Das sind die Heizmaterialkosten und natürlich Stromkosten in einem entsprechenden Werteverhältnis von etwa 1:3.

Natürlich ist die Sichtweise auf Kosten je nach Standort unterschiedlich und so bleiben Fehlentscheidungen bei Praktikern oft unerkannt. Soll ein Heizungsinstallateur ein Angebot für eine Gewächshausheizung abgeben, wählt er die preisgünstigste Pumpe: Schließlich möchte er mit einem preisgünstigen Angebot den Auftrag bekommen. Egal, welchen Strombedarf die Pumpe hinterher hat. Derartig Strom fressende Pumpen werden manchmal auch mit Kesseln geliefert, in denen permanent der Wasserkreislauf des Kessels in Bewegung gehalten werden muss. Im Gewächshausbau werden manchmal stärkere Getriebemotoren auch für kleinere Lüftungsflächen eingesetzt, weil die Lagerhaltung vieler verschieden großer Motorentypen einfach zu teuer würde.

In einem neu erbauten Pilotprojekt nahe Hannover wurden alle Strom aufnehmenden Geräte des Gartenbaubetriebes leistungsoptimiert, der Betriebsstrom eigenerzeugt. Der Strom wird per Klimacomputer nach Prioritäten und der Reihe nach den Verbrauchern zugeteilt. Im Ergebnis ließen sich die in der Gärtnerei erforderliche elektrische Leistung halbieren und der Stromverbrauch erheblich senken.

Ich behaupte, dass allein an den Heizungs- und Wasserpumpen eines Gartenbaubetriebes erhebliche Leistungen, Strommengen und damit Geld eingespart werden können. Die meist in Gartenbaubetrieben im Einsatz befindlichen Wilo-Heizungspumpen haben Vierstellungsschalter oder Vierstellungsstecker, mit denen vier Drehzahlstufen zur optimalen Lastanpassung eingestellt werden können (siehe Tabelle). Eingestellt aber ist fast immer die volle Leistung, denn kaum ein Gärtner, Elektriker oder Heizungsbauer kann damit umgehen. Heizungspumpen sind oft nicht berechnet und deshalb schon aus Sicherheitsgründen überdimensioniert. Energiesparende Maßnahmen, Noppenfolie, Schirme etc. erhöhen noch einmal die Überdimension.

Was ist daraus für uns abzuleiten?

  • Die Leistung von Heizungspumpen ist meist ohne Probleme reduzierbar.
  • Ich empfehle, die Pumpen auf die kleinste Stufe 4 zurückzunehmen.
  • Bei 38 Prozent Stromeinsparung verlieren Sie gerade 8,5 Prozent Heizleistung.
  • Einsparung am oben gewählten Beispiel (Abkürzungen: W=Watt, a=Jahr, h=Stunde): 245 W * 5.000 Betriebsstunden/a = 1.225 kW/a zu 25 ct/kWh = 306 Euro/a, bei 4.000 h/a immer noch 245,- Euro/a.
  • Bei zehn bis 15 größeren und kleineren Pumpen im mittleren Betrieb addiert sich die Einsparung entsprechend.
  • Und die Lebenserwartung der Pumpen steigt aufgrund geringerer Belastung.
  • Und sollte wirklich einmal bei sehr großer Kälte eine Pumpenleistung zu gering werden, erkennbar am voll geöffneten Mischer, kann die Leistung in zwei Minuten wieder zurückgestellt = erhöht werden.
  • Alle genannten Daten sind rein theoretisch errechnet, sie sollten aber richtungsweisend für alle elektrischen Geräte verstanden werden.

Auch die heutige, seit gut fünf Jahren im Einsatz befindliche Heizungspumpen-Generation muss richtig ausgewählt und grob voreingestellt werden. Dann aber arbeiten die Pumpen selbstregelnd mit etwa einem Drittel des früheren Strombedarfs. (Werner Gabloffsky, Ingenieur für Technik und Energie im Gartenbau, Sarstedt)


Wem das Vergleichen der Stromkosten schwierig erscheint, hilft gerne sein Technik-Berater. Wer keinen Technik-Berater regional hat, wie in Niedersachsen, der kann sich auch direkt an Werner Gabloffsky wenden (Tel: 05066-1427, Fax: 05066-9019855 oder E-Mail: werner(at)gabloffsky.de). Im Internet finden sich zudem „Verivox“ und andere Vermittler, die einen Überblick über Stromangebote erlauben. (ts)