TASPO GartenMarkt

„Exzellente Bedingungen“: Bauvorhaben des Julius Kühn-Instituts abgeschlossen

Nach umfangreichen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen kann der Standort Dresden-Pillnitz des Julius Kühn-Instituts (JKI) nun mit „exzellenten Bedingungen“ für Züchtungsforschung an Obst aufwarten. Diese Bilanz zog das JKI zur Einweihung der letzten Baumaßnahme, den Neubau einer Mehrzweckhalle („Schuricht-Bau“), in die der Bund 2,4 Millionen Euro investierte. 

Frühe Blüten in der Petrischale. Foto: JKI

Zuvor wurde bereits das Laborgebäude vom Freistaat Sachsen modernisiert und eine Versuchsgärtnerei neu gebaut. Jetzt sei das JKI bestens aufgestellt, um auch künftig Züchtung und Züchtungsforschung an Obst mit der heute notwendigen technischen Ausstattung betreiben zu können. „Besonders glücklich sind wir über das spezielle Obstlager“, freute sich Dr. Georg F. Backhaus, Präsident des JKI, bei der feierlichen Einweihung.

In den neuen ULO-Lagern könnten am JKI Dresden erstmals Lagerversuche unter unterschiedlichen Bedingungen kontrolliert durchgeführt werden. Dies sei für die Arbeiten zur Fruchtqualität bei neuen Klonen geplant. Ebenfalls neu ist die schattierbare Erdbeertischanlage. Sie ist für die Erdbeersammlung des Instituts notwendig und liefere einen wichtigen Beitrag, pflanzengenetische Ressourcen im Rahmen der Deutschen Genbank Obst zu erhalten.

Im Vordergrund steht bei der Züchtung neuer Sorten laut JKI die Resistenz. Gegen Apfelschorf (Venturia inaequalis), Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha), Feuerbrand (Erwinia amylovora) beim Apfel, gegen Sprühflecken (Blumeriella jaapii) bei Süßkirsche und gegen Spitzendürre (Monilinia laxa) und Sprühflecken (Blumeriella jaapii) bei Sauerkirschen. Weitere wichtige Zuchtziele sind die Fruchtqualität (für den Frischmarkt und die Verarbeitungsindustrie) und hohe und stabile Erträge.

Derzeit werden neue Sorten bei Apfel, Süß- und Sauerkirsche sowie Erdbeere entwickelt. Diese werden sortenrechtlich geschützt. Sortenschutzinhaber ist das JKI. Die Verwertung der Pillnitzer Obstsorten lauft über die Deutsche Saatgutgesellschaft mbH Berlin. Die Vermehrung neuer Sorten erfolgt durch den Lizenznehmer. Das JKI gebe zwar auch in begrenztem Umfang Reiser ab, aber nicht für gewerbliche Zwecke. Bei den Unterlagen werde derzeit nur an Kirsche gearbeitet. Hier gehen bereits selektierte Unterlagen in die Testung.

Da die Baumobstzüchtung eine langwierige und teure Angelegenheit ist, spiele die Einsparung von Zeit, Personal und Flächen eine große Rolle. Der Einsatz molekularbiologischer und biotechnologischer Züchtungsmethoden kommt diesen Wünschen entgegen.

Vor allem die markergestützte Selektion (MAS) habe sich zu einem unverzichtbaren Verfahren entwickelt. Das Erbgut (Genotyp) wird analysiert, um danach die passenden Kreuzungspartner auszuwählen. Im späteren Verlauf ist es dann mit Hilfe molekularer Marker möglich, Nachkommen frühzeitig auf der Basis ihres Erbgutes zu selektieren.

Im Vordergrund der Resistenzzüchtung am JKI steht die Kombination mehrerer Resistenzgene, die gegen den gleichen Schaderreger wirken (Pyramidisierung), so die Einrichtung. Damit soll bewirkt werden, dass die Resistenz einer Sorte weniger Gefahr läuft, durch das Auftreten von neuen Rassen des Schaderregers durchbrochen zu werden. Derzeit würden in Dresden vor allem in den Wildarten der Kultursorten neue Resistenzquellen erschlossen. Diese können in bereits etablierte Sorten mit Hilfe gentechnischer Verfahren (Cisgen-Technologie = Pflanzen haben Gene von der gleichen Art oder kreuzungsfähigen Arten erhalten) eingeschleust werden. Bei Apfel soll so die Resistenz gegen Feuerbrand verbessert werden.

Für die Deutsche Genbank Obst wurden, so erinnert das JKI, bisher Netzwerke für Apfel, Süß- und Sauerkirsche sowie Erdbeere gegründet. Netzwerke für die Obstarten Birne und Pflaume stehen kurz vor Vertragsabschluss. Umfassende Informationen unter: www.Deutsche-Genbank-Obst.de. Die Obstgenbank mit Obstsammlungen am Institut (siehe Internet www.jki.bund.de → Suche → „Arbeitsgruppe Obstgenetische Ressourcen“) belegt rund zehn Hektar Freilandfläche. (hlw)