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Folienmanagement: Online-Temperatur-Service bietet Chancen im Spargelanbau

Anlässlich ihrer diesjährigen Frühjahrstagung befasste sich die Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau (GKL) mit den Themen Energiemanagement in Gewächshäusern und in der Sonderkultur Spargel. Der vorliegende Beitrag geht speziell auf die Spezifika des Folienmanagements im Spargelanbau ein.

Ernteverfrühung im Spargelanbau
Um seinen Absatz sichern und gute Preise am Markt erzielen zu können, ist der Frühgemüseanbau im Freiland bereits seit Jahren darauf angewiesen, Erntebeginn und -verlauf der Kulturen mittels Folienabdeckung zu beeinflussen.

Ein prominentes Beispiel ist hier der Salat. Aber auch im Spargelanbau hält die Folienabdeckung der Kulturflächen immer stärker Einzug.

Sie hat dazu beigetragen, dass einheimischer Spargel in der Regel bereits ab März auf dem Markt angeboten werden kann, was ohne Abdeckung normalerweise erst vier bis sechs Wochen später der Fall wäre. Verfrühung und Qualitätssicherung sind also die wesentlichen Aspekte, auf die modernes Folienmanagement im Spargelanbau heute ausgerichtet ist.

Drei Varianten der Abdeckung kommen dabei in der Praxis zur Anwendung. Dies sind sowohl die Einfach- und Doppelabdeckung wie auch seit einigen Jahren die Dreifachabdeckung, bei der zusätzlich zur schwarz-weißen Taschenfolie und dem Kleintunnel mit Lochfolien gearbeitet wird.

Wie Dr. Jan Gräfe (Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren, IGZ) anlässlich der Großbeerener Tagung ausführte, lässt sich mit dem Einsatz des Kleintunnels über der schwarz-weißen Taschenfolie eine maximale Erwärmungswirkung des Bodens erzielen.

Sie ist in Kombination mit der Sortenwahl ausschlaggebend für die Möglichkeit der extremen Ernte-Verfrühung. Mit dem Erntebeginn kann auf die Kleintunnel verzichtet werden, die schwarz-weiße Taschenfolie dient nun dazu, Qualität (Verhinderung Verfärbungen und Deformationen der Spargelstangen) und Erntemengen zu regulieren.


Suche nach optimaler Folienqualität
Das weitere Optimieren der Kulturtechnologie und auch die spezifische Weiterentwicklung eingesetzter Folien sind nach den Worten Gräfes aktuelle Zielstellung der wissenschaftlichen Arbeit.

Bereits eine vereinfachte Betrachtung der Energiebilanz der Bodenoberfläche unterhalb der Folien lasse die Bewertung physikalischer und verfahrenstechnischer Parameter zu.

Demnach sind transparente Folien den undurchlässigen Varianten zwar thermisch überlegen, weil sie vermittels kurzwelligem Transmissionsgrad eine bessere Heizwirkung erzielen können, befördern aber andererseits die lichtinduzierte Anthocyanbildung (violette Verfärbung der Spargelstangen).

Die aus diesem Grunde in der Praxis eingesetzten undurchlässigen, schwarzen Folien verhindern die Transmission im Spektralbereich von 300 bis 800 Nanometern (nm), können jedoch nicht in gleicher Weise zur Bodenerwärmung beitragen.

In beiden Fällen erläuterte Gräfe den untrennbaren Zusammenhang zwischen Lichtdurchlässigkeit und Luftpolsterdicke zwischen Folien und Bodenoberfläche.

Eine größtmögliche Bodenerwärmung erzielt die transparente Folie demnach, wenn das Luftpolster groß genug ist, während schwarze Folie nur eine maßgebliche Heizwirkung erzielt, wenn sie dicht auf der Bodenoberfläche aufliegt. Schlussfolgernd daraus lässt sich die optimale Doppelbedeckung für den Spargelanbau laut Gräfe folgendermaßen charakterisieren:

  • große, hochtransparente Tunnel mit filmartigem Kondenswasserbelag,
  • semi-transparente, schwarz-weiße Taschenfolie mit hohen Transmissionswerten ab 800 nm und ohne jegliche Transmission zwischen 300 bis 800 nm.

Welche Effekte sich im Vergleich zur herkömmlichen schwarz-weißen Taschenfolie und in Bezug auf Temperatur- und Ertragsverhalten der Spargelpflanzen ergeben, „kann durch am IGZ entwickelte Prognosemodelle bestimmt werden“, so Gräfe.

Neben dem Weiterentwickeln praxisüblicher Folien befasst sich das IGZ in enger Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz auch mit Prognosemodellen zur Entwicklung der Dammtemperaturen im Spargelanbau.

Sehr gute Erfahrungen gäbe es hier schon mit der zeitlichen Prognose der Lufttemperaturen unter Bedeckungssystemen des Frühsalatanbaus, die der Praxis im DLR Online-Temperaturservice zur Verfügung gestellt werden.


Qualitätssicherung unter Folienabdeckung
Dr. Karl Schockert vom DLR Rheinpfalz erläuterte den Online-Service im Weiteren. Ausgangspunkt der Entwicklung eines solchen Prognosedienstes seien geänderte Verfahrensweisen im Frühgemüseanbau gewesen.

Während sich das Management der Einfachabdeckung im Salatanbau noch relativ einfach handhaben lasse, sei das mit dem Aufkommen der Mehrfachabdeckungen nicht mehr ohne Weiteres gewährleistet.

Die viel stärkere Wärmeentwicklung unter einer Doppelabdeckung könne sich physiologisch negativ auf die Pflanzenentwicklung auswirken, in deren Ergebnis die Qualität der Ware leide.

Ziel von Online-Monitoring und Prognosen sei es daher, eine optimale Temperaturführung unter den Bedeckungsmaterialien zu gewährleisten und in diesem Zusammenhang möglichst optimale Zeitpunkte der Folienabnahme im Voraus zu bestimmen.

Der in der Praxis bereits zu einem unverzichtbaren Instrument der Kulturführung im Salatanbau gewordene Online-Temperaturservice basiert Schockert zufolge auf einem agrametereologischen Netzwerk, dem insgesamt rund 150 Messstellen aus den Bereichen der Landwirtschaft sowie des Wein- und Gartenbaus angegliedert sind.

Über die DLR-Zentrale in Oppenheim werde die stündliche Werterfassung vor Ort unmittelbar im Internet aktualisiert. Sie lässt mithilfe eines am IGZ entwickelten einfachen Verfahrens auch Vorhersagen über die Temperaturentwicklung unter den Bedeckungssystemen im Salatanbau zu, wobei die örtlichen Messergebnisse mit denen der Referenzstation Queckbrunnerhof Schifferstadt in Beziehung gesetzt werden.

Die so ermittelten, optimalen Abnahmetermine für die verschiedenen Regionen haben sich in der Praxis bewährt, so Schockert. Ermittelt werden sie mithilfe eines Temperatursummen-Modells nach Maync, das davon ausgeht, dass die jeweilige Temperatursumme ein Entwicklungsstadium der Pflanzen beschreibt.

Mithilfe eines dazu durchgeführten Versuches in der Versuchsstation Schifferstadt im Jahre 2009 konnten darauf basierend Temperatur-Grenzwerte unter den verschiedenen Bedeckungsvarianten festgelegt und die Praxistauglichkeit der Vorgehensweise nachgewiesen werden.


Temperatursteuerung im Spargeldamm
Grundlage für das Erweitern des Prognosemodells auf den Spargelanbau sei das Einhalten der Temperaturgrenzen innerhalb des Spargeldammes, da sie ausschlaggebend für die Qualität des Erntegutes sind.

Insbesondere das Auftreten hohler Spargelstangen könne temperaturseitig vermieden werden (auch zu hoher Stickstoffgehalt in der Speicherwurzel führt zu hohlen Stangen). Darüber hinaus ergäbe sich die Möglichkeit, über die Vorhersagen zur Entwicklung der Dammtemperaturen konkrete Angaben zum Zeitpunkt des Erntebeginns zu gewinnen.

Kulturen unter Doppel- beziehungsweise Dreifachabdeckung ließen sich in der Temperaturentwicklung genauer kontrollieren und Abnahmezeitpunkte optimal bestimmen.

Kathrin Scheumann