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Gallwespenfunde führten zu Handelssperre in der Schweiz

Die Edelkastaniengallwespe wurde erstmals in der Schweizer Region Seeland (Kanton Bern) gefunden, berichtete die Schweizer Zeitung Bieler Tagblatt am 2. November auf ihrer Internetseite. Entdeckt wurden die Schädlinge Ende August bei einer Routinekontrolle an importierten Bäumen in einer Lysser Baumschule.

Blattgallen an Kastanie. Foto: Dr. Thomas Schröder

Die Wespen waren bereits aus den Gallen geschlüpft und ausgeflogen, so Experten des eidgenössischen und kantonalen Pflanzenschutzdienstes auf Nachfrage des Bieler Tagblatt.

Da das Insekt als Quarantäneschädling gilt, wurde umgehend um den Befallsherd herum eine Schutzzone im Umkreis von 15 Kilometern eingerichtet. Für Baumschulen in der Befallszone gilt ein Handelsverbot für Edelkastanien.


Hunderte Bäume sind betroffen

Andres Altwegg, Stellvertretender Geschäftsführer des Schweizer Gärtnerverbandes JardinSuisse bestätigte auf Nachfrage der TASPO, dass Kastaniengallwespen in einer Baumschule im Raum Lyss gefunden wurden.

Inzwischen wurden alle Pflanzen mit Befallssymptomen sowie die noch gesund aussehenden der gleichen Lieferung vernichtet, so Alfred Klay vom Bundesamt für Landwirtschaft.

Weitere Funde wurden in den Regionen Brugg (Kanton Aargau) und Luzern (Kanton Luzern) sowie bei Bex (Kanton Waadt) gemacht. Auch dass Quarantänezonen im Umkreis von 15 Kilometern eingerichtet wurden, sei richtig. Die Quarantänezonen bestehen immer noch, so Altwegg. Insgesamt sind rund 15 Betriebe betroffen. Sie sind für den Handel mit Castanea sativa für zwei Jahre gesperrt.

Altwegg schätzt, dass in zwei Baumschulen einige hundert Bäume betroffen sind. Bei den anderen könnten es im schlimmsten Fall einige Dutzend Bäume sein. JardinSuisse bemühe sich, Lösungen für die Betriebe zu finden, damit die Sperren möglichst bald wieder aufgelöst werden können.

Auch für alle anderen in der Befallszone soll das Verbot gelten, Kastanienbäume und Edelreiser in Verkehr zu bringen, berichtet das Tagblatt weiter. Der kantonale Pflanzenschutzdienst arbeite derzeit eine entsprechende Verfügung aus.

Der Verantwortliche des Pflanzenschutzdienstes Michel Gygax gab gegenüber dem Tagblatt an, dass es Aufgabe sei, das eingeschleppte Insekt auszurotten. Dafür brauche es die Quarantäne und eine strenge Kontrolle aller Edelkastanien in der Umgebung von Lyss, wenn diese im Frühling austreiben und möglicherweise Symptome sichtbar werden.

Deutsche Esskastanien gefährdet

Die japanische Esskastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) ist nach Informationen des Julius-Kühn-Instituts (JKI, Quedlinburg) weltweit eines der schädlichsten Insekten an Bäumen der Gattung Castanea (Quelle: Faltblatt des JKI). Das Insekt legt Eier in die Knospen.

Dies führt zu Gallenbildungen und verursacht reduziertes Zweigwachstum, deformierte Blätter und verringerten Fruchtertrag. Aus den USA sind Ertragseinbußen von bis zu 70 Prozent bekannt.

Die Gallwespe stammt aus Südchina und wurde in verschiedene Länder verschleppt. Erstmals in der Europäischen Union nachgewiesen wurde der Schädling 2002 in Norditalien (Piemont), wo er sich stark ausbreitet.

Weitere Auftreten wurden aus dem Tessin/Schweiz, Slowenien, Ungarn und Frankreich gemeldet. Im Kanton Tessin dehnt sich das Befallsgebiet Jahr für Jahr aus, so Altwegg.

Laut Faltblatt des JKI besteht auch für Deutschland die Gefahr, dass die Gallwespe in den kommenden Jahren auftritt.

Das Faltblatt gibt es hier.