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Gartenbau: „Rettet die positiven Emotionen“

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Warum ist der Verbraucher der Landwirtschaft gegenüber so kritisch? Ist er eigentlich gar nicht – im Gegenteil: Er mag die Bilderbuch-Idylle, das Land als Rückzugsort, den er damit verbindet. Von der realen Landwirtschaft ist er heute aber völlig entfremdet, und auch dem Gartenbau droht die Entfremdung des Verbrauchers – wenn er nicht gegensteuert.

Insektenfreundliche Pflanzen liegen im Trend. Der Gartenbau kann damit ein Bedürfnis der Verbraucher bedienen und positive Emotionen schaffen. Foto: Pixabay

Skandale prägen Wahrnehmung der Gesellschaft

„Die Produktion findet heute fernab vom Markt statt“, erklärt Gartenbau-Wissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Beßler, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Entfremdung der Verbraucher. Schnitzel und Schwein haben für den Konsumenten nur noch bedingt etwas miteinander zu tun, was wirklich im Schlachthof passiert, möchte er eigentlich gar nicht wissen.

„Wenn nun etwas doch nicht so schön ist, wie ich dachte – dann schockiert mich als Verbraucher das“, so Beßler. Grund, warum Aktionen von NGOs, Presse und sozialen Medien so sehr auf fruchtbaren Boden fallen. „Skandale prägen die Wahrnehmung der Gesellschaft – und ist etwas erst einmal negativ belegt, dann nutzt die beste Statistik nichts.“

Vorteil für den Gartenbau: „Gurken quieken nicht“

Gartenbau und Landwirtschaft droht damit der Verlust von Akzeptanz in der Gesellschaft. Der Gartenbau hat laut Beßler aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Landwirtschaft: Nicht nur, weil „Gurken nicht quieken“, man im Falle von Skandalen – wie bei EHEC geschehen – deshalb eher Mitleid mit dem Produzenten hat.

Vor allem hat der Verbraucher zum Gartenbau durch den Hobbygartenbau und durch positiv belegte Themen wie Grün und Pflege, Obst und Gemüse, Bäume, GaLaBau und Friedhof eine weitaus bessere Verknüpfung, es ist weniger Platz für Misstrauen.

Gartenbau-Produkte schaffen positive Emotionen – noch

„Der Abstand zwischen Verbraucher und Gartenbau ist kleiner als der zur Landwirtschaft – noch“, warnt Beßler. Bedeutet: Noch schaffen Produkte aus dem Gartenbau vorwiegend positive Emotionen beim Verbraucher, Themen wie Großflächenproduktion von Äpfeln unter Netz im Alten Land oder der Folienmüll der Spargel- und Erdbeerproduktion fallen noch nicht so ins Gewicht. Selbst Gen-Petunien haben keinen Verbraucher groß bewegt. Damit das aber so bleibt, muss der Gartenbau laut Beßler dringend mehr tun. „Rettet die positiven Emotionen“, lautet sein Appell.

Wenn beispielsweise Discounter Schnittblumen und Co. „zu einem beliebigen Gut zwischen Einwegtüten“ machen, drohe auch dem Gartenbau die Entfremdung des Verbrauchers. Hier gelte es, gegenzusteuern – eben auch, in dem der Gartenbau die Bedenken des Verbrauchers ernst nimmt. Potenziale, die Entfremdung zu verhindern und positive Emotionen anzusprechen, sieht Beßler vor allem bei kleineren, wendigen Endverkaufsbetrieben und bei jungen, durchaus branchenfremden Start-ups.

Bedürfnisse der Verbraucher entsprechend bedienen

„Solche Unternehmen wecken Sympathien und können Neugierde, auch in anderen, neuen Kundengruppen, aufbauen“, sagt der Gartenbau-Wissenschaftler. Wichtig – denn es sei fraglich, ob sich eine Braut ihren Brautstrauß wirklich „im Windfang eines Einkaufszentrums“ binden lassen wolle. Der Gartenbau müsse, wie er das beispielsweise bei den Bienen mit entsprechenden Angeboten tut, Bedürfnisse bedienen – eben auch das, „giftige“ Mittel zu vermeiden. Bekämpfen und Zurechtrücken von Falschinformationen oder Pseudo-Schwarmintelligenz mache keinen Sinn, Informieren dagegen schon.

„Verzichten wir auf Glyphosat, verkaufen wir kein Glyphosat, verzichten wir auf Torf und fördern wir Insekten“, bringt Beßler seine Botschaft provokant auf den Punkt. Laut zu brüllen reiche nicht, um ernst genommen zu werden – das gelte auch für Interessenverbände. „Erklären Sie die Praktiken, beispielsweise den Folieneinsatz. Laien brauchen Geschichten – erzählen Sie die“, so die Forderung des Wissenschaftlers.