Gartencenter und das neue Verkaufen in der Corona-Krise

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Das neue Verkaufen: Distanz-Markierungen im Eingang, nur eine Person hat Zutritt mit Abstand zur vorherigen. Foto: Gartencenter Mencke

Abstand, Hygiene, Maske – das Coronavirus wird den Handel noch länger beschäftigen. Doch verglichen mit anderen Branchen, zählt der Garten zu den Gewinnern der Krise. TASPO GartenMarkt hat sich bei Gartencenter-Inhabern umgehört und berichtet über erste Tendenzen, Learnings aus den guten und schlechten Erfahrungen des Shutdowns und Perspektiven für die Zeit nach der Corona-Krise.

Kunden zeigen sich in der Krise solidarisch mit Gärtnereien und Gartencentern

Noch nie stand die Branche mit zahlreichen Berichten so positiv in der Presse wie jetzt. Viele Beiträge zeugen davon, wie kreativ die Branche mit dem Shutdown umging und führten zu Solidarität der Kunden mit dem stationären Handel, nachdem Blumen und Pflanzen vernichtet werden mussten. Zahlreiche Betriebe versuchten, neue Vertriebswege zu schaffen, um überleben zu können. So auch Anita Roth von der Gärtnerei Roth in Haßfurt. Dank der Hilfe ihrer Familie ist es Anita und Roland Roth gelungen, quasi über Nacht einen Online-Shop zu eröffnen.

Ohne diesen hätten sie die Schließung nicht überstanden, glaubt sie und freut sich, dass die Frühjahrskollektion der Gärtnerei so nicht komplett entsorgt werden musste. Ihre Kunden stehen ihr als regionaler Produzent in dieser Krisenzeit treu zur Seite. Insgesamt hinterließen die letzten Wochen bei Anita Roth den Eindruck, dass die Kunden offenbar ein wenig zum Wesentlichen zurückgekehrt sind – eine positive Wende durch Corona, die sich im Verhalten der Kunden ausdrückt und weiter Bestand haben wird, hofft Anita Roth.

Das neue Verkaufen – Beispiel Gartencenter Mencke

Wie sieht jetzt eigentlich das neue Verkaufen, die neue Normalität aus? Wir haben uns im Gartencenter Mencke in Sprockhövel umgeschaut – das Unternehmen informiert, welche zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern ergriffen wurden:

  • regelmäßige Reinigung der Türklinken und Einkaufswagen, Verzicht auf Einkaufskörbe
  • gründliche Lüftung geschlossener Räumlichkeiten
  • Bereitstellung von Desinfektionsmittel-Spendern an zehn Stellen im Gartencenter
  • Reduzierung von Kundenberatungsgesprächen mit Einrichtung einer Beratungshotline (Mail/Telefon)
  • zusätzliche Abstandsflächen vor und an den Kassen sowie komplette Ausrüstung aller Kassen und Beratungstheken mit Plexiglasscheiben
  • Verschiebung der Veranstaltungen und Workshops
  • Vergünstigung der Anlieferung von Ware auch mit der Möglichkeit, telefonisch zu bestellen

Sehr gut angenommen wird die Möglichkeit der Beratung per E-Mail, in der Anfangszeit auch zusätzlich per Telefon. Es gibt im Haus durchaus Überlegungen, ob dieses Angebot dauerhaft beibehalten wird, spruchreif ist aber noch nichts. Auch die Möglichkeit, sich die Waren liefern zu lassen, findet bei den Kunden des Gartencenters Mencke großen Anklang. Sie ist so erfolgreich, dass sogar ein kurzfristiger Stopp nötig war, um die erforderlichen Kapazitäten weiter aufzustocken.

Des Weiteren wird die Anzahl der Kunden, die permanent im Haus sind, reduziert. Nur noch Kunden mit Einkaufswagen haben Zutritt. Jeder Einkaufswagen wird desinfiziert und bei Bedarf werden Papiermasken günstig verkauft. Auch während des Wartens vor dem Eingang ist der nötige Sicherheitsabstand einzuhalten, dazu sind Markierungen angebracht worden.

Gartencenter Kiefl aktiviert alten Webshop wieder

Die Gartencenter in Bayern waren am härtesten von den Corona-Beschränkungen betroffen. Während sie in anderen Bundesländern nur wenige Tage (Niedersachsen) oder gar nicht schließen mussten (Nordrhein-Westfalen), durften die bayrischen Betriebe nach langen Wochen erst am 20. April wieder öffnen. In der Zeit, in der das Gartencenter geschlossen war, aktivierte man bei Kiefl (Gauting) den alten Webshop wieder, der zwischenzeitlich abgeschaltet war. „Zum Glück konnten wir den relativ schnell wieder in Betrieb nehmen“, erklärt Gartencenter-Leiter Hans-Dieter Gruber. Außerdem erwies sich der Telefonverkauf als wichtiger Baustein. Ab 40 Euro Warenwert bekamen die Kunden ihre Ware frei Haus geliefert. „Wir haben zeitweise 300 Bestellungen pro Tag ausgeliefert und hatten zwölf Fahrzeuge am Start. Aber wir haben das gestemmt!“ Der Webshop bleibt auch bestehen, nachdem das Gartencenter wieder geöffnet ist, und soll auch noch ausgebaut werden. Auch der Lieferservice soll weitergeführt werden, wenn auch nicht gratis.

Bei allem Ungemach hat die Corona-Krise eine interessante Entwicklung angestoßen: Beratung verlagert sich zunehmend auf den Online-Kanal. Ob telefonisch oder als Chat, es entstehen dabei Formate, die auch nach der Krise noch Bestand haben könnten. Mehr dazu sowie weitere Stimmen aus der Branche finden Sie im aktuellen TASPO GartenMarkt, der in unserem Online-Shop abrufbar ist.

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