TASPO GartenMarkt

Gastkommentar: „In Corona-Krise zeigen sich echte Partnerschaften“

, erstellt von

Volle Tische, leere Läden: Die Corona-Pandemie hat auch auf den Grünen Handel drastische Auswirkungen. Um die Liquidität zu sichern, kommt es jetzt auf Kooperation, Solidarität und gelebte, echte Partnerschaft in der Wertschöpfungskette an. Ein Gastkommentar von Franz Josef Isensee, Berater für Handel und Industrie im Grünen Markt bei CO CONCEPT mit langjähriger Führungserfahrung in Vertrieb und Beschaffung.

Kooperation und Kommunikation sichern in der Corona-Krise das Überleben des Grünen Handels, sagt Franz Josef Isensee. Foto: privat

Gartencenter und Gärtnereien in Österreich seit Mitte März geschlossen

In Österreich sind Gartencenter und Gärtnereien seit dem 16. März geschlossen – und das vor Frühlingsstart bei vollen Verkaufsflächen, Saisonware in Produktionsgewächshäusern, reichlich Osterboutique und ersten Fälligkeiten aus Valuten. Auch wenn es in einer solchen Pandemie in erster Linie um die Gesundheit der Menschen geht, ist es wirtschaftlich eine Katastrophe: kein Umsatz, Frühlingspflanzen können kompostiert oder gespendet werden, weitgehend fortlaufende Kosten, zunehmender Liquiditätsbedarf und vor allem Unsicherheit.

„Corona lehrt, dass sich die Lage stündlich ändern kann“

Noch gibt es keine Schließung des kompletten Grünen Handels in Deutschland (Anmerkung d. Redaktion: Nach aktuellem Stand müssen Bau- und Gartenmärkte vorerst nur in Bayern, Sachsen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern für wenigstens zwei Wochen geschlossen bleiben), aber Corona lehrt, dass sich die Lage stündlich ändern kann. Es gibt keine Alternative für den Grünen Handel – außer: sich auch auf Schließungen mit Notfall-Plan vorzubereiten und sich auf verunsicherte Kunden und geringere Frequenzen und Umsätze einzustellen. Priorität hat dabei der Schutz der Mitarbeiter, das Sichern der Liquidität sowie Information und Hilfen für Kunden.

Nun ist die Stunde von Kooperation, Solidarität und gelebter, echter Partnerschaft in der Wertschöpfungskette. Um die Liquidität zu sichern, kann der Einzelbetrieb mit Hauptlieferanten, starken Kooperationen oder Vermarktern über längere Valuten für neue Einkäufe mit Toplieferanten verhandeln, Valuten für bald fällige Rechnungen nachträglich verlagern, Ausschüttungen/Boni zum Ausgleich aktueller Fälligkeiten vorziehen, Zahlungen an die Gärtner durch die Vermarkter vorziehen und Beitragseinzüge verschieben.

„In der Krise zeigt sich, auf wen man sich verlassen kann“

Das Wichtigste ist dabei frühzeitige Kommunikation mit Beratern, Verbänden, Versicherungen, Lieferanten und Finanzpartnern auf Basis realistischer Liquiditätspläne bis hin zum Notfallplan für etwaige Betriebsschließungen. Man muss miteinander reden, denn es muss für alle passen und gemeinsame Perspektiven geben. Betriebe sollten nichts ausschließen: Kurzarbeit, Urlaub vorziehen, Liquiditätshilfen, Kostenpositionen überprüfen und nachverhandeln, Bürgschaften nutzen. Vertrauen, Zusammenarbeit, Transparenz und Lösungsorientierung, auch mit Blick auf die Zeit danach, und dauerhafte Geschäftsbeziehungen sind das Gebot der Stunde. Es gibt keine Gewinner der Krise, auch wenn jetzt Online-Shops, Social Media und gepflegte Kundendaten mehrere Kontakt- und Kaufoptionen bieten. Lieferangebote gewinnen plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Aber in der Krise zeigt sich, auf wen man sich verlassen kann. Fröhliche Ostern sind in jedem Fall passé!

Weitere Informationen zur Corona-Krise finden Sie unter dem Newstag „Coronavirus“.

Dieser Gastkommentar ist in TASPO 12/2020 erscheinen – ein kostenloses Probeabo über vier Ausgaben können Sie hier abschließen.

Cookie-Popup anzeigen