TASPO GartenMarkt

Georgiens erstes Gartencenter

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Georgien ist in der Grünen Branche vor allem als Saatgutlieferant für die in Europa als Weihnachtsbaum so beliebten Nordmanntannen bekannt. Seit wenigen Jahren entwickeln sich dort aber auch gartenbauliche Aktivitäten. Die TASPO besuchte das erste Gartencenter Georgiens.

Verkaufsanlage mit Sukkulenten, im Hintergrund das Kassenhäuschen. Der Übergang von Lustgarten und Verkaufsareal ist im Gartencenter Gardenia fließend. Foto: Liebgard Jennerich

Das Gartencenter Gardenia ist in einem Vorort der georgischen Hauptstadt Tiflis zu finden. Sein Initiator Zurab Shevardnadze, Doktor der Biologie und Botanik, eignete sich ab 1999 bei seinen rund 40 Praktika in Deutschland neben der Theorie auch die gärtnerische Praxis an und ließ sich von der deutschen Gartenkultur inspirieren. 2008 schließlich gründete Shevardnadze das Unternehmen Gardenia und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum.

Wie aus einer anderen Welt: das Gartencenter Gardenia

Alle Bilder und Konzepte westeuropäischer Gartencenter sollte man beim Betreten des Unternehmens vergessen. Vielmehr taucht man in eine ganz andere Welt ein, die weit entfernt ist von funktional eingerichteten, unter ausgeklügelten Marketing-Gesichtspunkten gestalteten Gartencentern oder Produktionsgärtnereien unserer Prägung.

Es gleicht eher einem verwunschenen, verwinkelten Märchengarten, der sich – allen arbeitstechnischen und ergonomischen Erkenntnissen zum Trotz – der natürlichen, von unterschiedlichen Niveaus geprägten Geländeform anpasst und auf kleinem Raum immer wieder neue überraschende Erlebnisse schafft.

Gardenia vereint Vieles: Es ist gleichzeitig Erlebnis- und Lustgarten, Gartencenter, Produktionsgärtnerei und Bildungseinrichtung. Und es ist eintrittspflichtig, denn viele Georgier, Bürger aus Tiflis ebenso wie Urlauber, nutzen die intensiv gestaltete, malerische Anlage als Ausflugsziel und Erholungsort, gern auch als Kulisse für Fotoshootings.

Pflanzensortiment umfasst an die 3.000 Arten

Georgien selbst verfügt aufgrund der unterschiedlichen Klimazonen (von subtropisch im Westen bis trocken-gemäßigtes Kontinentalklima im Osten) über eine artenreiche Flora. Daran angepasst ist das breite, vielfältige Pflanzensortiment: Es soll an die 3.000 Arten umfassen, Blumen, Kräuter, Bäume und Gemüse, die hier vermehrt werden, darunter mehrere autochthone, aber auch etliche aus Italien mit einem Schwerpunkt auf Sukkulenten und Rosen.

In dem niedrigen Gewächshaus, das aus dem vorigen Jahrhundert zu stammen scheint, steht viel davon in Töpfen auf den Tischen in – aus unserer Sicht – unwirtschaftlich kleinen Stückzahlen. Beim Rundgang durch verschlungene Wege eröffnen sich immer wieder optische Highlights wie etwa ein moderner Springbrunnen, eine Sammlung metallener Betthäupter, die an der Außenwand des Gewächshauses lehnen, oder stattlich-knorrige Olivenbäume.

Bei Gardenia wird noch von Hand getopft

Irgendwann stößt man beim Lustwandeln auch auf die „Vermehrungsabteilung“, in der noch von Hand getopft wird. Einige Frauen sitzen beisammen und sorgen für den pflanzlichen Nachschub. Weitere Standbeine des Unternehmens Gardenia sind klassische GaLaBau-Disziplinen wie Gartengestaltung und Gartenpflege. Insgesamt beschäftigt Gardenia heute zwölf feste Mitarbeiter, viele davon von Shevardnadze selbst ausgebildet, sowie acht weitere Saisonkräfte.

Zur Anlage gehört auch ein kleines Café, in dem die Besucher sich ausruhen, erfrischen und stärken können. Außerdem befindet sich auf dem Gelände ein kleines, blaues Häuschen – die „Sommerresidenz“ von Shevardnadze. Hier verbringt er die warme Jahreszeit, denn dann ist immer besonders viel zu tun.

Aber auch im Winter ist Leben bei Gardenia. Da werden dann Körbe geflochten, Decken für den Haushalt genäht und das Gewächshaus bestellt.